Zu den Ergebnissen der aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung
„Fragile Mitte – Feindselige Zustände“ erklärt Monika Lazar, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus:
Wir brauchen eine Demokratieoffensive, die Weltoffenheit, Antirassismus
und Empathie mit Menschen in Not fördert. Die demokratischen Werte in
Deutschland müssen gestärkt und belebt werden.
Zwar sind gefestigte rechtsextreme Weltbilder heute im Vergleich zu den
Vorjahren deutlich seltener geworden, doch zeigen sich Ideologien der
Ungleichwertigkeit dafür in subtilerer Form. Rechtsextreme Haltungen sickern,
so die Forscher, nach und nach in den Mainstream ein. Insbesondere gegenüber
Asylbewerbern – aber auch gegenüber Langzeitarbeitslosen - nehmen sehr viele
Menschen eine abwertende Haltung ein. Diese beiden Gruppen werden besonders oft
als „nutzlos“ und bedrohlich für die Etabliertenvorrechte
abgelehnt. Das ist problematisch: Sozialdarwinismus und nationale
Abschottungstendenzen sind Phänomene, die den sozialen Zusammenhalt in ganz
Europa in Frage stellen.
Offensichtlich werden solche Tendenzen in den Wahlerfolgen der AfD.
So vertreten AfD-Sympathisanten
überdurchschnittlich häufig chauvinistische, sozialdarwinistische oder die
NS-Zeit verharmlosende Einstellungen. Dennoch ist Rechtspopulismus nicht
ausschließlich bei der AfD zu verorten.
Die Unionsparteien haben diese Vorurteile teilweise selbst bedient und
vorhandene gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit öffentlich legitimiert und
verstärkt, beispielsweise in der Debatte um „Armutsmigration“.
Gesellschaftliche Tendenzen hin zu Wohlstandschauvinismus, Rassismus,
Homophobie, Antifeminismus und nationaler Abschottung gilt es einzudämmen. Wir
rufen alle Parteien dazu auf, sich dieser problematischen Entwicklung
entschlossen entgegen zu stellen und mit uns gemeinsam für eine lebhafte und
vielfältige Demokratie zu streiten – in Deutschland und in einem gemeinsamen
Europa. Dabei wollen wir die Sorgen, Ängste und Fragen in der Bevölkerung –
etwa in punkto Demokratieentfremdung und sozialer Ungerechtigkeiten – nicht
diskreditieren, sondern sie aufgreifen und demokratisch beantworten.
Bündnis 90/Die Grünen Bundestag
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