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16. April 2018

toom schafft Einweg-Tragetaschen ab

toom Baumarkt GmbH

Seit April verzichtet toom sukzessive auf Einwegtüten und stellt in allen Märkten auf die Mehrwegvarianten um


Köln (ots) - Plastiktüten schädigen die Umwelt, verschmutzen zunehmend die Weltmeere und benötigen viele hundert Jahre, um zu verrotten. Erneut setzt toom, ein Unternehmen der REWE Group, Maßstäbe in der Branche und verzichtet auf jegliche Einweg-Tragetaschen. Für Kunden hält die Baumarktkette in ihren Märkten bundesweit verschiedene Mehrwegvarianten bereit.

Um sein Engagement für den Umweltschutz weiter voranzutreiben, hat toom bundesweit seit April mit dem Abverkauf von Einweg-Tragetaschen begonnen. Dabei schafft die Baumarktkette nicht nur Plastiktüten ab, sondern geht noch einen Schritt weiter und bietet nur noch Mehrwegtüten in verschiedenen Designs und Größen an. "Unsere Produkte lassen sich prima in den verschiedenen Tragemöglichkeiten unterbringen und können zudem auch für weitere Einsatzgebiete verwendet werden. Denn generell gilt: je öfter eine Tasche genutzt wird, desto besser ist ihre Ökobilanz", so Kai Battenberg, Fachbereichsleiter Nachhaltigkeit Ware bei toom.

Als Ersatz bieten die toom Märkte ihren Kunden umweltschonende Mehrwegvarianten in unterschiedlichen Größen an: So können sie im Sommer zwischen trendiger Baumwolltragetaschen für 1,79 Euro, Permanent-Tragetaschen aus Recyclingmaterial ab 79 Cent oder Kartons ab 79 Cent das Stück wählen. Die neuen Tragetaschen werden vor allem an Stabilität und durch einen längeren Griff deutlich an Komfort gewinnen. Ist eine der toom Mehrwegtragetaschen kaputt, erhält der Kunde als zusätzlichen Service im Tausch eine neue Tasche.

Mehr Informationen zu toom sowie Bild- und Filmmaterial finden Sie unter www.toom.de.

Über toom:

Mit mehr als 330 Märkten im Portfolio (toom Baumarkt, B1 Discount Baumarkt und Klee Gartenfachmarkt), 15.100 Beschäftigten und einem Bruttoumsatz von über 2,7 Milliarden Euro zählt toom zu den führenden Anbietern der deutschen Baumarktbranche. Das Unternehmen gehört zur REWE Group, einem der führenden Handels- und Touristikkonzerne in Deutschland und Europa. Im Jahr 2016 erzielte die 1927 gegründete genossenschaftliche REWE Group einen Gesamtaußenumsatz von über 54 Milliarden Euro und ist mit ihren 330.000 Beschäftigten und 15.000 Märkten in 19 europäischen Ländern präsent. +++ toom belegte bei der Wahl zum "Händler des Jahres 2017- 2018" wiederholt den ersten Platz in der Kategorie "Baufachmärkte". Der Award, vergeben durch Q&A Research BV, ist ein bei Händlern und Verbrauchern anerkanntes Siegel, das die Kundenzufriedenheit widerspiegelt.

28. März 2018

Herstellerabgabe auf Zuckergetränke in Großbritannien zeigt deutliche Wirkung: Große Hersteller und Handelsketten reduzieren Zuckergehalt in ihren Produkten


- Großbritannien führt am 6. April Unternehmenssteuer auf stark gezuckerte Getränke ein
- foodwatch-Recherche belegt Zuckerreduktion u.a. bei Fanta, Sprite und Orangina
- Abgabe auf Zuckergetränke auch in Deutschland gefordert


Berlin, 27. März 2018.
Die Herstellerabgabe auf besonders zuckerhaltige Getränke in Großbritannien zeigt Wirkung: Wie eine Recherche der Verbraucherorganisation foodwatch belegt, hat ein Großteil der Hersteller auf dem britischen Markt vor Inkrafttreten der Abgabe am 6. April den Zuckergehalt seiner Getränke reduziert. Die führenden Getränkeunternehmen Coca-Cola, Britvic, Lucozade Ribena Suntory, die Handelskonzerne Tesco und Lidl, der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sowie mehrere kleinere Getränkehersteller haben seit Ankündigung der Herstellerabgabe im März 2016 den Zuckergehalt etlicher Produkte deutlich gesenkt. foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner und Finanzminister Olaf Scholz auf, in Deutschland ebenfalls eine Herstellerabgabe auf übersüßte Getränke einzuführen und im Gegenzug Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer zu befreien. Stark zuckerhaltige Getränke förderten nachweislich die Entstehung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes, während der Konsum von Obst und Gemüse Krankheiten vorbeugen kann. Auch die Weltgesundheitsorganisation spricht sich deshalb für Abgaben auf Zuckergetränke und Subventionen für Obst und Gemüse aus. Kritisch bewertete foodwatch, dass viele Hersteller in Großbritannien den Zucker durch Süßstoffe ersetzt haben, da die britische Abgabe keine Süßstoffe umfasst.

"Das Beispiel Großbritannien zeigt: Herstellerabgaben auf Zuckergetränke entfalten eine deutliche Lenkungswirkung und können zu einer drastischen Zuckerreduktion führen. Großbritannien reiht sich neben Irland, Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Mexiko, Südafrika und Frankreich in die immer länger werdende Liste von Ländern ein, die mit steuerlichen Anreizen aktiv gegen Fehlernährung, Fettleibigkeit und Diabetes vorgehen. Nur Deutschland will sich anscheinend nicht mit der Getränkeindustrie anlegen und schaut lieber tatenlos zu, wie die Hersteller kiloweise Zucker in ihre Produkte kippen", sagte Luise Molling von foodwatch. "Die Bundesregierung muss die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation ernst nehmen und auch in Deutschland eine Herstellerabgabe auf überzuckerte Getränke einführen sowie Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreien."

Die im März 2016 in Großbritannien angekündigte Regelung sieht Abgaben für die Hersteller von Getränken vor, die mehr als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten, bei mehr als 8 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Der britische Marktführer Coca-Cola hat den Zuckergehalt seiner Getränke Fanta und Sprite seitdem unter die 5-Gramm-Marke gesenkt (Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm und Sprite von 6,6 Gramm auf 3,3 Gramm). In Deutschland enthalten Fanta und Sprite aktuell mehr als 9 Gramm Zucker. Britvic, der Branchenzweite in Großbritannien, hat den Zuckergehalt vieler Produkte ebenfalls reduziert, so dass 94 Prozent seiner Markenprodukte nun weniger als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten. Auch der Hersteller Lucozade Ribena Suntory hat den Zuckergehalt in sämtlichen Produkten unter die 5-Gramm-Marke gesenkt, darunter auch das in Deutschland bekannte Getränk Orangina. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat angekündigt, dass drei seiner San Pellegrino-Limonaden ab April 2018 ebenfalls weniger als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten werden. In Deutschland enthalten die gleichen San Pellegrino-Produkte zwischen 9,7 und 11,8 Gramm Zucker. Nicht nur die Markenhersteller, auch zwei große Handelsunternehmen wurden aktiv: Sowohl Tesco als auch Lidl gaben an, dass nach Rezepturänderungen sämtliche Eigenmarken nicht von der Abgabe erfasst werden.

foodwatch kritisierte, dass viele britische Hersteller den Zucker in ihren Getränken durch Süßstoffe ersetzt haben. Rezepturänderungen sollten darauf abzielen, nicht nur den Gehalt von Zucker, sondern den Süßgeschmack insgesamt zu verringern, um der allgemeinen Süßgewöhnung bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken. Daher sollte die Herstellerabgabe in Deutschland - genauso wie in Frankreich - auch süßstoffgesüßte Getränke mit einbeziehen, forderte die Verbraucherorganisation.

Laut dem staatlichen Office for Budget Responsibility (OBR), das den britischen Staatshaushalt überwacht, haben die Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke schneller und konsequenter gesenkt als erwartet. So erwartet das OBR in seinem aktuellen Report nur noch die Hälfte der ursprünglich berechneten Steuereinnahmen aus der Herstellerabgabe. Während die britische Regierung 2016 noch von 520 Millionen Pfund Steuereinnahmen für 2018-2019 ausging, rechnet das OBR nun mit weniger als 240 Millionen Pfund Einnahmen. Die britische Regierung hat angekündigt, die Steuereinnahmen zweckgebunden für die Förderung des Schulsports und des Schulessens verwenden zu wollen.

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) bei Kindern sowie Erwachsenen haben in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Adipositas wird inzwischen als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprechen in diesem Zusammenhang von einer globalen "Adipositas-Epidemie". Gesundheitsexperten schreiben zuckerhaltigen Getränken eine besondere Rolle in dieser Entwicklung zu. Der Konsum dieser Getränke fördert nachweislich die Entstehung von Übergewicht sowie Typ-2-Diabetes und wird zudem mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte in Verbindung gebracht.

Link: E-Mail-Aktion von foodwatch für eine Hersteller-Abgabe auf Zuckergetränke in Deutschland: www.zucker-aktion.foodwatch.de

Quellen und weiterführende Informationen:

- foodwatch-Recherche zur Zuckerreduktion auf dem britischem Getränkemarkt: tinyurl.com/zuckerabgabe-uk 
- Aktueller Report des Office for Budget Responsibility: cdn.obr.uk/EFO-MaRch_2018.pdf 
- WHO-Empfehlungen zu Lebensmittelsteuern auf Zuckergetränke und Subventionen für Obst und Gemüse: www.who.int/dietphysicalactivity/publications/fiscal-policies-diet-prevention/en/ 
- Informationen des britischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums zur Herstellerabgabe auf Zuckergetränke (Übersetzung von foodwatch): www.foodwatch.org/fileadmin/Themen/Zucker__Fett_und_Co/Dokumente/Factsheet_UK_Abgabe_final.pdf  

25. Oktober 2017

Wahl zum Goldenen Windbeutel 2017 gestartet: Verbraucher stimmen über Werbelüge des Jahres ab - Produkte von Alete, Bauer, Continental Foods, Kellogg's und Unilever nominiert



- foodwatch startet Online-Abstimmung zur "dreistesten Werbelüge des Jahres"
- Verbraucher können unter www.goldener-windbeutel.de ihren Favoriten wählen
- Preisverleihung am Firmensitz des Gewinners


Berlin, 23. Oktober 2017. Welches Produkt im Supermarkt ist die dreisteste Werbelüge des Jahres? Darüber können Verbraucherinnen und Verbraucher ab heute bei der Wahl zum "Goldenen Windbeutel 2017" auf www.goldener-windbeutel.de abstimmen. Fünf Kandidaten aus der Lebensmittelbranche hat die Verbraucherorganisation foodwatch nominiert. Der Gewinner bekommt Ende November den Negativpreis am Firmensitz überreicht.

"Werbelügen und Mogelprodukte verstecken sich überall im Supermarkt, Verbrauchertäuschung ist an der Tagesordnung - und nach wie vor ganz legal", sagte Sophie Unger von foodwatch, "Wahlleiterin" für den Goldenen Windbeutel 2017. "Die Bundesregierung hat zwar schon vor Jahren das Problem anerkannt, aber wirksame Regeln gegen Etikettenschwindel gibt es bis heute nicht. Die Lebensmittelindustrie kann weiter tricksen und täuschen. Die Wahl zum Goldenen Windbeutel ist daher wichtiger denn je."

Diese fünf Produkte hat foodwatch für die Online-Wahl nominiert:

1) Alete: Kinderkeks
Der Babynahrungshersteller Alete verspricht Eltern direkt auf der Packungsvorderseite, seine Kinderkekse seien "babygerecht" und schon ab dem achten Monat "zum Knabbernlernen" geeignet. Doch mit 25 Prozent Zuckeranteil sind die Kinderkekse zuckriger als beispielsweise Leibniz Butterkekse. Sie sind damit alles andere als babygerecht, sondern fördern Karies. Experten wie die Weltgesundheitsorganisation, die Bundeszahnärztekammer oder das von der Bundesregierung ins Leben gerufene Netzwerk "Gesund ins Leben" empfehlen für Babys explizit Produkte ohne zugesetzten Zucker.

2) Bauer: Protein Drink Vanille
Bauer vermarktet seine Protein-Milch als sportliches Getränk für eine "fitnessorientierte und alltagsaktive Zielgruppe" - und zieht Verbraucherinnen und Verbrauchern damit das Geld aus der Tasche: Das Produkt kostet etwa 50 Prozent mehr als andere Vanillemilch, dabei ist das zugesetzte Protein völlig überflüssig und nur ein profitabler Marketing-Trend. Selbst wer viermal die Woche joggen geht, braucht laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) keinen Protein-Zusatz. Im Gegenteil: Männer und Frauen in Deutschland nehmen im Durchschnitt mehr Protein auf, als die DGE empfiehlt.

3) Continental Foods: Lacroix Gebundene Ochsenschwanz Suppe
Seine Dosensuppe bezeichnet Hersteller Continental Foods als "kleinen kulinarischen Höhepunkt des Tages" und hebt seine "Lacroix-Qualitätsphilosophie" hervor. Doch eines sucht man in der Ochsenschwanzsuppe vergeblich: Ochsenschwanz. Warum man in der Ochsenschwanzsuppe auf Ochsenschwanz verzichtet, begründet das Unternehmen in einer bemerkenswerten Stellungnahme an foodwatch: "aus Qualitätsgründen".

4) Kellogg's: Urlegenden Müsli Quinoa, Apfel, Cranberries & Chia-Samen
Das mit großem Werbe-Tamtam auf den Markt gebrachte Müsli kommt urtümlich daher, wirbt mit "Urkorn" - es ist aber nur 2,5 Prozent "Urkorn" enthalten (Quinoa). Im Kleingedruckten versteckt: Das "Frühstück für Legenden" enthält neben 20 Prozent Zucker auch Palmöl, Aroma und Zusatzstoffe - alles andere als ursprünglich.

5) Unilever: Becel Omega-3 Pflanzenöl
Das Becel Omega-3-Öl rühmt sich auf dem Etikett damit, "3x mehr Omega-3 als Olivenöl" zu enthalten - "für ein gesundes Herz-Kreislaufsystem". Was Hersteller Unilever unerwähnt lässt: Der Vergleich mit Olivenöl ist irreführend, dieses enthält naturgemäß nicht besonders viel Omega-3. Herkömmliches Rapsöl hingegen enthält ein Drittel mehr der wichtigen Fettsäure - und kostet deutlich weniger als das vermeintlich hochwertige Gesundheitsprodukt des Lebensmittel-Riesens Unilever.

foodwatch hat im Vorfeld der Wahl alle Hersteller angefragt und um Stellungnahme gebeten. Drei der fünf Unternehmen haben geantwortet, Kellogg's und Unilever verweigerten die Auskunft.

Noch bis 26. November können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de aus den fünf Kandidaten ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen.

2017 vergibt foodwatch den Goldenen Windbeutel zum siebten Mal. Die erste Wahl fand 2009 statt. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012).


Link:
Online-Wahl zur Werbelüge des Jahres: www.goldener-windbeutel.de 

9. Januar 2016

Agrarminister Christian Meyer warnt vor Post-Antibiotika-Zeitalter / „Resistenz gegen Colistin ein Alarmsignal" - Diskussionsabend mit rund 150 Gästen

Agrarminister Christian Meyer warnt vor Post-Antibiotika-Zeitalter / „Resistenz gegen Colistin ein Alarmsignal" - Diskussionsabend mit rund 150 Gästen Christian Meyer - christian-meyer-gruene.de
 
(BUP) Mit einem eindringlichen Appell hat sich am Donnerstagabend Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer an Landwirte, Tierärzte und Pharmafirmen gewandt, um den nach wie vor zu hohen Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung zu reduzieren. Ein Thema treibt ihn dabei besonders um: Jüngste Erkenntnisse über die sich offenbar weltweit immer weiter verbreitende Resistenz gegen Colistin - dem bei manchen Keimen letzten wirksamen Antibiotikum für den Menschen. „Das ist ein Alarmsignal", sagte der Minister.

Meyer forderte, „mit Medikamenten für Masttiere nicht weiter so verschwenderisch umzugehen wie bisher. Denn ein solcher Umgang hat fatale Auswirkungen auch auf die Humanmedizin, weil es zu immer mehr multiresistenten Keimen beim Menschen kommt. Ohne Richtungswechsel steuern wir geradewegs in ein Post-Antibiotika-Zeitalter", so Meyer. „Dann wird irgendwann auch das letzte noch zur Verfügung stehende Reserveantibiotikum für Menschen nutzlos. Damit steht die Gesundheit insgesamt auf dem Spiel", sagte der Minister auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Umweltorganisation BUND in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Rund 150 Gäste nahmen an der Diskussion unter dem Titel „Wundermittel Antibiotika - Einsatz in Tierställen und die Folgen für die Gesundheit von Mensch und Tier" teil. An der Podiumsdebatte und als Referenten waren neben dem Landwirtschaftsminister Christiane Cuny und Wolfgang Witte vom Robert-Koch-Institut (RKI), BUND-Vorsitzender Hubert Weiger, Bernhard Kühnle vom Bundesagrarministerium, der SPD-Bundestagsabgeordnete Wilhelm Priesmeier sowie Friedrich-Otto Ripke, der Vorsitzende des Verbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW), beteiligt.

RKI-Expertin Cuny verwies auf die „Hotspot-Regionen und das Schweinedreieck" insbesondere in Niedersachsen und benannte als Problem „den oft unkritischen Antibiotikaeinsatz". Ihr Kollege Witte ergänzte: „Der verantwortungsbewusste Umgang mit Antibiotika muss gestärkt werden." Witte machte sich stark für eine „One-Health-Strategie" - Tier- und Humanmedizin seien bei der Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes gleichermaßen gefordert. NGW-Vorsitzender Ripke räumte ein, man habe beim Thema Antibiotikaeinsatz Zeit verloren, die für die Gesundheit der Menschen existenziell sei. Er persönlich wünsche sich „mehr Holland" - ein Hinweis darauf, dass die Niederlande es geschafft haben, den Antibiotikaeinsatz binnen kurzer Zeit um weit mehr als 50 Prozent zu minimieren. BUND-Vorsitzender Hubert Weiger forderte auf der Diskussionsveranstaltung ein Ende von „Turbomast" und „Hochleistungszucht"; ohne Antibiotika, so Weiger, würden viele Tiere dies gar nicht überstehen. Priesmeier sagte, „Ursache aller Erkrankungen sind die Haltungsbedingungen".

Jeder Einsatz von Antibiotika trage zur Entwicklung von Resistenzen bei, sagte der niedersächsische Landwirtschaftsminister. „Bakterien und Keime, gegen die die Medikamente eigentlich wirken sollen, entwickeln multiresistente Eigenschaften. Die Arzneien werden wirkungslos." Studien belegten, dass die in der Tierhaltung teils massenhaft eingesetzten Antibiotika daran einen Anteil hätten, sagte Meyer. Wie ernst die Lage sei und „welche weltweite Dimension" diese für den Menschen existenzielle Thematik mittlerweile eingenommen habe, zeigten die jüngsten Forschungen zum Colistin. Es wird zwar vor allem in der Nutztierhaltung zur Behandlung von Darmerkrankungen eingesetzt und zählt im Agrarbereich zu den am häufigsten benutzten Arzneien. Trotz seiner Nebenwirkungen für den Menschen zählt jedoch die Weltgesundheitsorganisation Colistin zu den unverzichtbaren Medikamenten in der Humanmedizin.

„Die Berichte der Forscher legen einen Zusammenhang zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und der Entwicklung multiresistenter Keime beim Menschen nahe", sagte der Minister. „Umso wichtiger ist es, die Verwendung von Antibiotika in Tierställen zu reduzieren. Wir dürfen diesen Kampf nicht verlieren." Meyer: „Das zunächst nur in China nachgewiesene übertragbare Gen mcr-1, das eine Resistenz gegen Colistin verursacht, ist auch in Darmbakterien von Nutztieren in Deutschland weit verbreitet. Das legt zumindest die jüngste Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nahe." Die Entwicklung betrachte er „mit großer Sorge", sagte der Landwirtschaftsminister. „Denn anders als zuvor kann das Resistenzgen nach Erkenntnissen der Wissenschaftler nun auch zwischen Bakterien übertragen werden." Den Studien zufolge ist nicht mehr nur allein China betroffen, sondern auch Deutschland, die Niederlande und Großbritannien.

Dass das Thema Antibiotika-Resistenzen eine weltweite Dimension erreicht hat, machte Bernhard Kühnle vom Bundesagrarministerium deutlich. Der G7-Gipfel der Gesundheitsminister habe vor kurzem Risiken und Szenarien besprochen, so Kühnle. Und auch der Gipfel der G20, also der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, werde 2017 unter deutscher Präsidentschaft das Thema auf die Tagesordnung setzen. Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer „völlig unverständlich", warum die CDU im Landtag vorauseilend Kritik an der Antibiotika-Veranstaltung in Berlin geübt habe und ihm Panikmache sowie einen verantwortungslosen Umgang mit einer ernsten Materie vorwerfe. Meyer: „Verantwortungslos ist das Vorgehen der CDU - nämlich auch dann noch zu beschwichtigen und zu beschönigen, während britische und chinesische Experten bis hin zum BfR schon Alarm schlagen."
Der Landwirtschaftsminister zeigte sich überzeugt, „dass Niedersachsen mit der vorbildlichen Umsetzung seiner Antibiotika-Minimierungsstrategie erste Erfolge erzielt hat. Wir werden es schaffen, innerhalb von fünf Jahren den Antibiotikaeinsatz um die Hälfte zu verringern." Durch das Inkrafttreten der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes müssen die Tierhalter in Deutschland seit 2014 den Behörden mitteilen, wie oft sie Antibiotika im Stall einsetzen. Die Meldepflicht gilt allein für Mastbetriebe. Wer besonders hohe Mengen verabreicht hat, muss Minimierungsmaßnahmen einleiten.

Bundesweit sind im Jahr 2014 etwa 25 Prozent weniger Antibiotika an Tierarztpraxen abgegeben worden als 2011. Von aktuell rund 1200 Tonnen in Deutschland gingen ungefähr 726 Tonnen nach Niedersachsen, also mehr als 60 Prozent, und zwar vor allem in die Region Weser-Ems. Zwar ging in Niedersachsen der Antibiotikaeinsatz bei Puten um 17 Prozent und bei Masthähnchen um etwa 19 Prozent zurück. Das sei aber kein Grund, sich zurückzulehnen, so Meyer. „Bei Puten und Mastschweinen liegt Niedersachsen noch deutlich über dem Bundesschnitt. Wir haben noch harte Arbeit vor uns." Der Landwirtschaftsminister nahm zugleich den Bund in die Pflicht: „Berlin muss endlich eine Negativliste derjenigen Reserveantibiotika vorlegen, die nicht mehr oder nur noch unter strengen Auflagen in der Tierhaltung eingesetzt werden dürfen."
 
Quelle: ml.niedersachsen.de

8. September 2015

DoNotWrite





Hochgeladen am 10.05.2011
Ein kurzer Spot gegen illegalen Holzeinschlag in tropischen Regenwäldern. Urwälder retten durch bewussten Konsum! Von Anna Maria-Süß und Jennifer Holtschke.

30. Dezember 2014

NABU: ExxonMobil-Europachef Gernot Kalkoffen erhält "Dinosaurier des Jahres 2014"




Berlin (ots) - Der NABU hat ExxonMobil-Europachef Gernot Kalkoffen mit dem "Dinosaurier des Jahres 2014" ausgezeichnet. Er erhält den Negativpreis für seine Verharmlosung des umstrittenen Fracking-Verfahrens und als Repräsentant einer rückwärtsgewandten Energiepolitik. Kalkoffen ist Vorstandsvorsitzender der Exxon Mobil Central Europe Holding GmbH und Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung WEG.

"ExxonMobil hält an der Förderung und Verbrennung fossiler Energieträger fest. Wenn wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und die Energiewende zum Erfolgsmodell werden soll, brauchen wir einen naturverträglicher Umbau der Energiewirtschaft. Bislang zeichnet sich ExxonMobil weitgehend durch Ignoranz beim Klima- und Umweltschutz aus", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

ExxonMobil stehe damit ganz in der Tradition seines US-Mutterkonzerns. Bereits 2000 wurde der damalige Exxon-Chef, Lee R. Raymond, vom NABU mit dem Dinosaurier für die Gründung einer internationalen Anti-Klimaschutz-Lobbygruppe sowie der Blockade von Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen ausgezeichnet. Die Sichtweise von Exxon Mobil, die Erdgas als Brückentechnologie einordnet, ist aus NABU-Sicht nicht zielführend, da billiges Erdgas einen steigenden Energieverbrauch befördert. Außerdem entweicht bei einer Verdopplung oder gar Verdreifachung der Produktion von Erdgas auch entsprechend mehr Gas durch undichte Rohre in die Atmosphäre, wo sein Hauptbestandteil Methan als starkes Treibhausgas wirkt.

Statt Gelder in neue Märkte für Energieeffizienzdienstleistungen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren, setzt ExxonMobil in Deutschland auf Erdgas mittels Fracking. "Herr Kalkoffen hat die Förderung von Erdgas aus konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten mehrmals als sicher bezeichnet, obwohl bereits die Erdgas-Förderung aus konventionellen Lagerstätten wiederholt Gefahren und Risiken verdeutlicht hat: durch Erdbeben, Lecks an Leitungssystemen und Grenzwertüberschreitungen giftiger Substanzen durch die Verpressung von Lagerstättenwasser. Für den NABU hat er sich diesen Preis mehr als verdient", so Tschimpke.

So hat eine Untersuchung des epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen im Auftrag des Landkreises Rotenburg/Wümme ergeben, dass Männer in der Samtgemeinde Bothel deutlich häufiger an Leukämie erkranken. Bürgerinitiativen hatten die Untersuchung angeregt. Der Untersuchung des Krebsregisters war im Mai 2014 der Nachweis durch den NABU-Kreisverband Rotenburg von 40- bis 70-fach erhöhten Werten der krebserregenden Substanzen Benzol und Quecksilber in der direkten Umgebung von zwei Erdgasförderstellen von ExxonMobil bei Söhlingen vorausgegangen. So ist es wahrscheinlich, dass die Krebsfälle mit der jahrzehntelangen Erdgasförderung zusammenhängen.

"Gerade weil aber die negativen Folgen des jahrzehntelangen Bergbaus erst heute zutage treten, machen sie den Einsatz der Fracking-Technologie unberechenbar. Sie als sicher zu bezeichnen ist fahrlässig. Fracking ist nicht sicher", so Tschimpke weiter. Der NABU fordert ein Fracking-Verbot in Deutschland. Tschimpke: "Auch die aktuell von der Bundesregierung vorgelegten Entwürfe für ein Fracking-Gesetz reichen nicht aus, weil sie weder Mensch, Natur noch Trinkwasser hinreichend vor den Folgen des Frackings schützen."

ExxonMobil ist erst in den vergangenen Jahren und auf öffentlichen Druck dazu übergegangen, Bedenken und Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen. "Diese Offensivstrategie mit Info-Dialogen und freiwilligen Monitoringmaßnahmen ändert aber nichts an der Unternehmensphilosophie, weiter aggressiv auf fossile Energien zu setzen", so Tschimpke. Auf der Internetseite von ExxonMobil heißt es: "Wir suchen kontinuierlich nach Möglichkeiten, unsere Sicherheits- und Umweltbilanz kontinuierlich zu verbessern und die Auswirkungen unserer Tätigkeiten auf die Umwelt zu minimieren." Von einem Umsteuern ist bislang wenig zu spüren.

23. August 2014

Vera F. Birkenbihl: (Teil 3 von 3) Anti-Ärger-Strategien





Hochgeladen am 08.02.2012
Vera F. Birkenbihl präsentiert praxiserprobte Anti-Ärger-Strategien, Auszug aus der DVD "ANTI-ÄRGER-STRATEGIEN" ASIN: B004L4D9AO




15. März 2014

15.03.2015: Maria Magdalena Ludewig & Tino Hanekamp: BORN RICH (Rezension!?)

DIE REZENSION:

Hier sollte eigentlich eine Rezi über das Ein-Frauen-Stück kommen... (volles Haus in der [k]2)

Seit Mai 2011 lebe ich in Hamburg. Und fast genau seit dieser Zeit bin ich [k]-Karten-Besitzer. Das bedeutet, dass Du mich regelmässig auf Kampnagel treffen könntest.
Was mir in dieser ganzen Zeit nicht passiert ist, ist: so ein uninspirierendes, unaussagekräftiges Stück.

Soll ich hier lernen mit den "armen" Reichen mitzuleiden? Verständnis für deren Sorgen zu empfinden, wenn sie totkranken Menschen nicht helfen? Soll ich es witzig finden, wenn sie sich sinnsuchend als Reinigungskraft verdingen? Soll ich eine neue Sicht auf Menschen bekommen, die nach Geld "betteln"?

ICH weiss es nicht! Ich habe mich so bemüht einen Sinn in diesem Stück zu finden, aber es ist mir nicht gelungen.
Ausserdem war der gesamte erste Teil mit den Telefonaten zum Einschlafen langgezogen und der Mensch, der den Spot führte, hatte garantiert keine Beleuchter-Ausbildung!

toberg für WideBlick



DIE ANKÜNDIGUNG:

Theater / Performance
  • Dauer: ca. 80 Min.
  • Tickets: 15 Euro (erm. 8 Euro, [k] Karte 7,50 Euro)
  • Sa, 15.03.2014 20:00
    Kampnagel – K2 Tickets
  • So, 16.03.2014 20:00
    Kampnagel – K2 Tickets
Warum das Ei noch salzen? Wer hat das Salz gekauft? Hat meine Mutter schon mal Salz gekauft? Warum bin ich überhaupt aufgestanden? Warum nicht alles verkaufen? Oder verschenken? Warum nicht ins Gefängnis sperren lassen und einen Roman schreiben? Irgendwas studieren? Oder so lange vögeln bis ich Aids kriege? Warum nicht Brunnen bauen in Afrika? Eine Stiftung gründen? Arzt werden? Warum nicht einfach ein bisschen Urlaub machen?
In den nächsten zehn Jahren werden unter den reichsten 2% aller Deutschen 900 Milliarden Euro vererbt, so viel wie nie zuvor. Was macht man mit seinem Leben, wenn alles möglich scheint? Ist das die große Freiheit, von der wir alle träumen, eine Verantwortung, mit der man lernen muss zu leben, oder eine Last, die man einfach nicht los wird?
Ein Abend über Geldsorgen, Sinnsuche, Depressionen, Visionen und eine Reise zum Mars. Von Tino Hanekamp und Maria Magdalena Ludewig. Mit der Schauspielerin Anne Ratte-Polle. In Gold!

21. Dezember 2013

WOYZECK, THALIA-Theater Hamburg, 20.12.13, 20 Uhr-Vorstellung - ist das die generation "ich-lach-über-adolf-wenn-er-grimassen-macht"?

gestern abend: WOYZECK:

was für ein grossartiges stück, sehr gute schauspieler_innen, die auch noch sehr gut singen konnten. ein geniales bühnenbild, eine intelligente inszenierung und hervorragende musiker!

ABER: ich habe 50 euro für eine karte bezahlt und musste miterleben, wie schüler_innen eines deutschleistungskurses (von ihrem lehrer in das stück gebeten) aus einem nachdenklichen stück einen kabarettabend versuchten zu machen, indem sie ständig an stellen lachten, wo es definitiv nix zu lachen gab!
hallo? ist das die generation "ich-lach-über-adolf-wenn-er-grimassen-macht"? und mit generation meine ich hier keine altersangabe, denn auch ältere semester liessen sich von dem primitiven gelächter mitreissen...

wenn irgendmöglich, warnen sie mich das nächste mal vor, wenn schüler_innen "klassenweise" kommen! kunstgenuss ist für mich, wenn ich beim kunst geniessen nicht gestört werde...




„Woyzeck“ handelt von Wahnsinn und von Obsessionen, von Kindern und von Mord – alles Dinge, die uns berühren. Das Stück ist wild und grell und spannend und fantasieanregend. Es bringt einen dazu, Angst um die Figuren zu bekommen und über das eigene Leben nachzudenken. Ich schätze mal, mehr kann man von einem Stück nicht verlangen.                
Tom Waits

24. September 2013

Urlesung: Jelineks „Die Schutzbefohlenen", St.-Pauli-Kirche (Thalia-Theater & Refugees) 21.09.2013




Veröffentlicht am 22.09.2013
Urlesung: Jelineks „Die Schutzbefohlenen", St.-Pauli-Kirche (Thalia-Theater & Refugees)

Hamburg, St.Pauli-Kirche, diverse Orte in der Stadt
21.09.2013
(utopieTV-doku-video)
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Anmerkung von utopieTV:
Die in diesem Video gezeigten Szenen der in der Stadt umherziehenden Flüchtlinge entstanden ca 6 Wochen vorher, als sie eine neue Bleibe suchten, da sie in aus der provisorischen Erstunterkunft durch eine bevorstehende Räumung durch einen Vermieter vertrieben wurden. An diesem Abend wurden die mehrfach abgeschobenen Menschen an einem Zufluchtsort in der Stadt wiederum abgeschoben, um dann spät in der Nacht an einem weiteren Zufluchtsort zu schlafen.

Hamburg. Das Hamburger Thalia-Theater hat gemeinsam mit afrikanischen Flüchtlingen Elfriede Jelineks jüngsten Text „Die Schutzbefohlenen" in der St.-Pauli-Kirche als Urlesung präsentiert. Zwölf Schauspieler lasen den um die Hälfte gekürzten Text vor dem Altar oder verteilt in der Kirche zwischen stehenden und auf dem Boden sitzenden Zuschauern. Auch zwölf der insgesamt 80 Flüchtlinge, die zur Zeit in der Kirche untergekommen sind, beteiligten sich an der Aufführung. Auf einer Videoleinwand wurden auf der Flucht gefilmte Handyaufnahmen gezeigt.

Die 80 Afrikaner, die auf der Flucht vor dem libyschen Bürgerkrieg in Deutschland gestrandet sind, leben seit Juni in der St.-Pauli-Kirche. Den Text „Die Schutzbefohlenen" hatte die österreichische Literaturnobelpreisträgerin, die mit einer Videobotschaft zugeschaltet wurde, anlässlich ähnlicher Vorgänge in der Wiener Votivkirche geschrieben. „Wir sind in einem Moment der Ohnmacht. Aber zusammen stehen wir auf", sagte Pastor Sieghard Wilm nach der rund einstündigen Lesung, die mit viel Beifall bedacht wurde. „Wir müssen in der Kirche auch manchmal laut sein."

Das Schicksal der Männer, die vorwiegend aus Westafrika stammen, ist seit Monaten ungeklärt. Sie waren während des Bürgerkriegs in Libyen auf die italienische Insel Lampedusa geflüchtet. Von dort schickten italienische Behörden sie mit Touristen-Visa für den Schengenraum nach Nord- und Mitteleuropa. 300 von ihnen gelangten so im März nach Hamburg.

http://www.ln-online.de/Nachrichten/N...

Hamburg -- Stadt der Heimatsuchenden. Ein Wochenende über Ankommen und Aufbrechen

Einmalige Urlesung: „Die Schutzbefohlenen" in der St. Pauli Kirche am 21. September
Uraufführung: „Bye Bye Hamburg" am 22. September

Am diesem Wochenende beschäftigt sich das Thalia Theater in zwei Veranstaltungen mit großen Flucht- und Wanderbewegungen quer über den Globus.
In Kooperation mit der St. Pauli Kirche und den 80 libyschen Flüchtlingen, die seit Anfang Juni Zuflucht bei Pastor Sieghard Wilm auf dem Kirchengelände gefunden haben, findet eine Urlesung von Elfriede Jelineks „Die Schutz-befohlenen" statt. Jelinek hat ihren jüngsten Text anlässlich der Vorgänge um das Kirchenasyl in der Wiener Votivkirche geschrieben. Darin werden die dringenden Fragen zu Zuwanderung nach Europa und Missständen des Asylrechts der Gegenwart ganz konkret gestellt. Im Mittelpunkt der Lesung stehen die Flüchtlinge der Gruppe Lampedusa in St. Pauli, die auf der Flucht vor dem libyschen Bürgerkrieg erst auf Lampedusa und nun in Hamburg gestrandet sind. Unterstützt werden sie von Mitgliedern des Thalia Ensembles.

Scholz will keine Sonderregeln für Afrika-Flüchtlinge

Der SPD-geführte Senat bleibt bei seiner harten Linie den "Lampedusa-Flüchtlingen" gegenüber. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stellte im Gespräch mit dem Abendblatt klar, dass es keine Sonderregelung für die rund 80 Männer aus Nordafrika geben werde, die seit fast vier Monaten in der St.-Pauli-Kirche ausharren.
"Es wird in Hamburg keine Situation geben, in der Männer mit unbekannten Namen und unbekannten Flüchtlingsschicksalen ein Aufenthaltsrecht bekommen", sagte Scholz. Wer als Flüchtling Schutz vor Verfolgung suche, müsse den Behörden seinen Namen nennen und seine Fluchtgeschichte erzählen. Nach Informationen des Abendblatts ist das bislang nicht geschehen. "Wenn man das zugrunde legt, was die Männer öffentlich geäußert haben, dürfte es wohl allenfalls für einige wenige von ihnen eine Perspektive in Deutschland geben, für die meisten nicht", sagte der Bürgermeister.

Hamburger Abendblatt, 20.9.2013

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21. Juli 2013

Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben





Veröffentlicht am 27.07.2012
Toto ist ein Wunder. Ein Waisenkind ohne klares Geschlecht. Zu dick, zu groß, im Suff gezeugt. Der Vater schon vor der Geburt abgehauen, die Mutter bald danach. Und doch bleibt Toto wie unberührt. Im kalten Sommer 1966 geboren, wandelt er durch die DDR, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe. Warum, fragt er sich, machen die Menschen dieses Leben noch schrecklicher, als es schon ist? Toto geht in den Westen, wo der Kapitalismus zerstört, was der Sozialismus verrotten ließ. Nur zwei Dinge machen ihm Hoffnung - das Wiedersehen mit Kasimir und sein einziges Talent: das Singen. Es führt Toto bis nach Paris. Ein wütender, schriller Roman einer großen Autorin über das Einzige im Leben, was zählt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.sibylleberg.ch und auf www.hanser-literaturverlage.de

Music credits: "The final embrace (Toto's song)" von Mary Ocher (Sängerin und Komponistin)



18. Juli 2013

Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus: "Hund, Frau, Mann" – von Sibylle Berg

Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus: "Hund, Frau, Mann" – von Sibylle Berg, Foto: © Oliver Fantitsch 
© Oliver Fantitsch

 
Das Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus zeigt vom 7. Mai bis 25. Juli 2013 das aberwitzige Theaterstück "Hund, Frau, Mann" von Sibylle Berg. 

Eine Frau, ein Mann in den besten Jahren, sie ist Dolmetscherin, nach diversen Beziehungen desillusioniert und lernt ihn kennen, einen Grafiker, nach zahlreichen Bettgeschichten "de-romantisiert". "Was jetzt noch bleibt, sind die Übriggebliebenen. Sie sind wie funktionierende Ampeln in der Nacht – nur ohne Verkehr." 

Sie gehen spazieren, ins Kino, ins Restaurant. Kurz: Sie werden ein Paar. Zu Frau und Mann gesellt sich ein herrenloser Hund, der fortan seine eigenen Kommentare zum merkwürdigen Verhalten der Zweibeiner abgibt. Als Beobachter und Kommentator, als Philosoph und Entertainer begleitet der Hund die beiden und ihre Geschichte. Sein Blick auf Mann und Frau ist objektiv und schonungslos, lakonisch, mit bissigem Humor. Das übliche Glück oder die üblichen Katastrophen, je nach Sichtweise, nehmen ihren Lauf. Sie reiben sich einander auf, streiten sich, versöhnen sich. Sie unternehmen eine Liebesreise nach Paris, die Frau kauft sich erotische Dessous, der Mann spielt den wilden Kerl – es hilft alles nichts. Der Mann beschließt, die Frau zu verlassen, doch die lässt ihn nicht gehen und greift zu immer drastischeren Mitteln … 

In diesem grotesk-aberwitzigen Theaterstück variiert Erfolgsautorin Sibylle Berg ihr Lieblingsthema: das unverbesserliche Streben nach Liebe und das vermeintlich unvermeidliche Scheitern an sich selbst. 

Regie: Kai-Uwe Holsten. Ausstattung: Telse Hand. Mit: Martin T. Haberger, Anna-Maria Kuricová und Georg Münzel.

4. Juni 2013

Rezension: EIN LIEDERABEND NACH FRANZ KAFKA MIT MUSIK VON WOLFGANG VON SCHWEINITZ, 13.01.2012 auf Kampnagel

EIN LIEDERABEND NACH FRANZ KAFKA MIT MUSIK VON WOLFGANG VON SCHWEINITZ

Seit 1997 erarbeitet opera silens kontinuierlich grenzgängerisches Musiktheater in Hamburg und lotet die Grenzen des Mediums aus: Mit Arbeiten zu Erik Satie, zur Barockoper oder, wie im vergangenen Jahr, mit dem Tourette-Musiktheater NEUROVISIONS. Jetzt beschäftigt sich opera silens mit Franz Kafkas Erzählung „Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse“ und arbeitet mit dem Komponisten Wolfgang von Schweinitz und der in Israel lebenden Sängerin Josefine Kaum zusammen. Die war einst Sänger-Wunderkind in Prag, musste sich infolge einer Erbkrankheit vor einigen Jahren in Haifa mit Mäusegenen therapieren lassen und tritt seitdem nur sehr selten auf. Doch die Kritiker schwärmen ungebrochen von ihrem Timbre, „das mit menschlichen Maßstäben nicht mehr zu beschreiben“ sei.

GESANG Josefine Kaum
VIOLONCELLO Agnieszka Dziubak
REGIE Hans-Jörg Kapp
DRAMATURGIE Mascha Wehrmann
JOSEFINE-COMBO Frauke Aulbert, Kurt und Ludwig-Christian Glockzin
BÜHNE UND KOSTÜME Marcel Weinand
PRODUKTION Thomas Schmölz

Eine Produktion von opera silens und Kampnagel Hamburg, gefördert durch die Hamburger Kulturbehörde und die Rudolf Augstein Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung durch die Shure Distribution GmbH.

DAUER ca. 75 min.
 
Soweit die offizielle Vorankündigung...
 

 
Als ich die Vorstellung besuchte, dachte ich, es erwartet mich ein Liederabend mit Kafka-Texten interpretiert von einer Vier-Oktaven-Stimme.
Weit gefehlt! Es war ein Theaterabend, in dem der Kafka-Text "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" (http://www.textlog.de/32075.html) (Kafkas letzte Kurzgeschichte) performt wurde. Meine Flexibilität reichte allerdings nicht dazu, das Stück als solches zu geniessen. Ich erwartete mit zunehmender Spannung das Ende des kafkaesken Prologes und den Beginn des Liederabends. 75 Minuten lang, vergebens.
 
Nun erging es mir nicht als Einzigstem so, sondern Teile des 50-köpfigen Publikums, waren genauso sprachlos wie ich. In diversen Gesprächen mit anderen "gefoppten", entlarvten wir das Stück als Ironie, irgendwie auch als Anregung zur Diskussion des deutschen Ethikrates zum Auftrittsverbot der mit Mäusegenen therapierten Josefine. Nur was hat das mit Israel zu tun?
 
Ähhhm, meine Nachforschungen innerhalb Kampnagels ergaben, dass weder der Einlassdienst, noch die Informations-Dame mir weiterhelfen konnten. Sie hatten weder präsent, was in dem vor der Vorstellung gereichten Flyer stand, noch, was überhaupt auf der Bühne stattfand. Was arbeiten da eigentlich für Leute?
 
Fazit: Ich bin ja nun schon einiges gewöhnt, was Experimentelles/Avantgardistrisches angeht. Sei es Musik, bildende Kunst, Theater, Streetart, was auch immer. Aber das war mein Gipfel. Hier fühlte ich mich wie der Gefängniswärter, der in den Katakomben überlegt, wie er den Gefangenen klarmachen kann, dass er Wärter und nicht Gefangener ist.


Nun wähne ich mich in dem glücklichen Zustand in einer Reihe mit dem Publikum zu stehen, was irgendwann mal John Cages "4:33" gehört hat, oder im Kino den Sechs-Stunden-Film "Sleep" von Andy Warhol mit nur einem nackten, schlafenden Mann gesehen hat, oder auch in einer Galerie vor Robert Rauschenbergs  weissen Leinwänden stand.
 
 
Neu-Hamburger K-Karten-Besitzer Toberg für WideBlick
 
 
PS: Die Cello-Musik von Schweinitz war passend und hervorragend! Kampnagel gebührt für soviel Mut ein grosser Beifall, der den beteiligten Künstler_innen an diesem Abend zu un/recht verwehrt wurde. Und, das Publikum braucht doch nach so einer Vorstellung, jemand, der/die ihn aus dieser schwierigen Lage befreit. Jemand, der/die sich beschimpfen lässt, mit dem/der man diskutieren kann, der/die einen aufklärt, warum "Gesang" angekündigt wird und nicht gesungen wird!

Das war: Russisches Staatsballett "Schwanensee", 29.01.2012, CCH-Congress Center Hamburg Saal 1

Nun, ich bin wirklich kein Fachmann, was tänzerische Qualitäten angeht, obwohl ich sicher in meinem Leben schon Ballette und Tanztheater in dreistelliger Zahl gesehen habe. Aber der Siegfried (also die Hauptrolle) war etwas energielos. Vlt. war es ja die Zweitbesetzung? Insgesamt schafften es die Tänzer und Tänzerinnen nicht, eine mitreissende und mitfühlende Aufführung anzubieten, auch wenn einzelne Tänzer_innen durchaus ihr Bestes gaben und man das auch sehen konnte. Lag es daran, dass sie mit der Deutschlandtournee vom 28.12.11 bis zum 30.01.12 fast täglich zwei Auftritte absolvieren mussten? Lebt das russische Staatsballett nur noch von seinem guten Namen? Oder war es das ganze Drumherum, was eine Abzockerathmosphäre verbreitete?
Fangen wir mal mit dem Sound an: Wenn ich schon Tschaikowskys populärstes Werk vom Band oder von CD spiele, sollte wenigstens der Klang angemessen sein. Mein Tipp: Saal 1 braucht neue Boxen, oder einen neuen Tontechniker!
Das Licht: Spot auf dem Vorhang beim Abgang der Tänzer_innen hätte ich mir in meinen Beleuchterzeiten nicht leisten dürfen. Und das eine zusätzliche Scheinwerfertrasse in Bühnennähe eingebaut werden musste ist bei so einem Riesensaal nicht nachzuvollziehen. Wenn es trotzdem sein muss, dann bitte nicht die Kabel per Affenschaukel von der Decke nach unten baumeln lassen, sondern die Öffnungen in der Decke nutzen. Das CCH bewirbt sich immerhin auf seiner Internetpräsenz als eines der modernsten Kongresszentren Europas.
Bei Kartenpreisen von durchschnittlich 50 Euro (Programmheft kostete 9 Euro!) sollte es auch möglich sein, dass für die Kinder eine kostenlose Sitzerhöhung (Autositzschale) zur Verfügung gestellt werden könnte. Durch die schlechten Sichtmöglichkeiten wurden die Kinder sehr unruhig. Insgesamt könnte das Parkett zwei/drei Prozent mehr Steigung aufweisen, so dass das Publikum auch die Möglichkeit hat, die Füsse der Tänzer_innen zu sehen.
Die Taschenkontrollen am Einlass, dienten die meiner Sicherheit, oder waren die eher dazu gedacht, den Kleinen ihre Saft- und Wasserflaschen abzunehmen? Dies wäre vlt. auch mit einem einfachen Hinweisschild zu klären gewesen! Der Witz an der Sache ist, dass niemand sich an den im Gebäude gekauften Brezeln gestört hat. Die durfte man dann schon mit in den Saal nehmen. Ausserdem fand ich es sehr merkwürdig, dass sich in der kurzen Pause nach dem zweiten Akt unheimlich lange Schlangen, nicht nur an der Damentoilette, sondern an jedem Getränke und Gebäckstand bildeten. Dies wiederum ermöglichte den Besucher_innen - ganz ohne Aufpreis - einen Hindernisparcour durch das Foyer zu machen. Die Schlangen waren noch nicht kleiner geworden, da klingelte es schon zum dritten Akt...
Die Seitenhänger wurden nicht gewechselt, was dem schicken Bühnenbild dann auch noch einen Dämpfer versetzte. Haben die nicht mehr in den LKW gepasst, oder hat das CCH nicht genug Seitenzüge?
Manchmal muss man halt auch Lehrgeld zahlen. Das erste mal erlebte ich in Hamburg, dass Publikum während der Ouvertüre noch auf die Sitzplatzsuche gehen. Leute, das war doch kein Kinofilm mit Werbung davor! Und seit wann klatscht man denn in die Musik 'rein?
Beim finalen Applaus waren dann noch nichteinmal alle Tänzer_innen auf der viel zu kleinen Bühne (Sprungabbrüche trotz musikalischer Möglichkeiten) vertreten. Immerhin war Odette der Bravorufe würdig. Prinz Rotbart, der Hofnarr und Wolfgang, der Lehrer des Prinzen waren wahrscheinlich - trotz guter Leistung - schon in der Kantine.
 
 
Toberg für Wideblick

 

 

Marat, was ist aus unserer Revolution geworden? (Trailer)




Hochgeladen am 26.01.2009
Video-Trailer zu dem Stück »Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?« am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg

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