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19. Juni 2017

Internationaler Flüchtlingstag: Geberländer lassen Uganda bei Versorgung von Flüchtlingen aus Südsudan im Stich


Seit vier Jahren tobt im Südsudan ein bewaffneter Konflikt. 1,8 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Mehr als 900.000 Schutzsuchende sind ins Nachbarland Uganda geflohen. Mindestens 86 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder.

Ein neuer Amnesty-Bericht dokumentiert, wie die internationale Gemeinschaft bei ihrer Pflicht versagt, Uganda dabei zu unterstützen, die vor Verfolgung, sexueller Gewalt und Tod geflüchteten Menschen aus dem Südsudan zu versorgen. Weltweit haben nur die Konflikte in Syrien und Afghanistan mehr Menschen zur Flucht gezwungen.

Geberländer müssen Hilfe für knapp eine Million Flüchtlinge in Uganda bereitstellen  

Die reichen Länder dieser Welt müssen viel mehr tun, um Uganda bei der Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge zu unterstützen, die aus dem Südsudan vor sexualisierter Gewalt, Verfolgung und Tod fliehen, fordert Amnesty International in einem neuen Bericht, der kurz vor einer wichtigen Geberkonferenz in der ugandischen Hauptstadt Kampala erscheint. Die Konferenz findet vom 22. bis 23. Juni statt.

Mehr als 900.000 Flüchtlinge sind bisher vor dem brutalen Konflikt im Südsudan in das benachbarte Uganda geflohen, doch aufgrund unzureichender Finanzierung haben viele von ihnen noch nicht einmal Zugang zu ausreichender Versorgung mit Nahrung, Wasser und Unterkunft. Mindestens 86 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder.

„Uganda nimmt weiterhin großzügig Menschen auf, während viele andere Länder die Grenzen für Flüchtlinge schließen. Doch das Land ist an der Belastungsgrenze, da die Mittel nicht ausreichen und weiterhin jeden Tag Tausende Menschen aus dem Südsudan einreisen“, so Muthoni Wanyeki, Direktorin des Büros für die Region Ostafrika bei Amnesty International.

„Geberländer wie zum Beispiel die USA, mehrere EU-Länder, Kanada, China und Japan müssen dringend mehr tun, um Uganda zu unterstützen, und zwar indem sie zeitnah die Finanzierung der kurz- und langfristigen Bedürfnisse der Flüchtlinge sicherstellen.“

Mitarbeiter von Amnesty International haben Flüchtlingslager in vier Gegenden im Norden Ugandas besucht – Adjumani, Moyo, Yumbe und Arua – und konnten sich vor Ort ein Bild von den Konsequenzen der Finanzierungsengpässe machen. Flüchtlinge und Hilfsorganisationen berichteten über einen akuten Mangel an Lebensmitteln, Wasser, Unterkünften und anderen Basisleistungen. Auch die Unterstützung für schutzbedürftige Gruppen wie unbegleitete Minderjährige, Menschen mit Behinderungen sowie ältere Menschen war vollkommen unzureichend.

Nunu ist 24, Mutter eines Kindes und sprach mit Amnesty International im Flüchtlingslager Bidi Bidi im Distrikt Arua: „Wasser zu bekommen ist ein Problem. Auch Lebensmittel sind schwierig... Wir haben hier noch nicht richtig gegessen.“

Amina, die mit ihrem Mann und ihren Kindern im Lager Pagyrina im Distrikt Adjumani lebt, sagt: „Am meisten betrifft uns hier der Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln. Vorhin wurden Lebensmittel ausgegeben, und jetzt ist nichts mehr übrig. Wasser ist ein großes Problem... Hier leben viele Menschen, aber es gibt nur einmal am Tag Wasser.“

Flüchtlinge aus dem Südsudan mussten vor der schlimmsten Gewalt in der südlichen Äquatoria-Region seit Ausbruch des bewaffneten Konflikts im Dezember 2013 fliehen. Tausende wurden getötet und beinahe 1,8 Millionen Menschen zur Flucht ins Ausland gezwungen.

Fallbeispiele

Amnesty International hat in Uganda mit mehr als 80 Flüchtlingen gesprochen, die erschreckende Augenzeugenberichte über Folter, willkürliche Tötung, Vergewaltigung und Plünderung abgaben.

Die 37-jährige Joyce musste zusehen, wie Soldaten auf ihren Mann einstachen. „Nachdem sie ihn festgenommen hatten, benutzten sie noch nicht einmal eine Pistole, sondern zückten Messer und stachen so lange auf ihn ein, bis er tot war“, berichtet sie.

Jane, 28 Jahre alt, wurde von drei Männern in Uniform vergewaltigt, nachdem diese in ihr Haus eingedrungen waren und ihren Mann erschossen hatten. „Ich bin gegangen, weil... mein Mann getötet wurde. Sie fanden uns zuhause, erschossen ihn und fingen an, mich zu vergewaltigen“, so Jane.

Der 19-jährige Patrick berichtete Amnesty International, wie er und sein Bruder zusammen mit zwei weiteren Männern in einem Container auf einem Kasernengelände in Nyepo festgehalten wurden. „Jede Nacht verbanden sie uns die Augen und wir wurden nacheinander verhört und geschlagen. Sie hatten Kneifzangen... sie kniffen und verdrehten unsere Finger“, so seine Schilderung.

Patrick gelang schließlich die Flucht, doch er weiß bis heute nicht, ob sein Bruder noch am Leben ist.

Langfristige Hilfe für stark traumatisierte Flüchtlinge wie zum Beispiel psychosoziale Unterstützung wird aufgrund der fehlenden Finanzierung nur vereinzelt bereitgestellt.

Im Mai 2017 war der Finanzierungsappell des UN-Flüchtlingswerks (UNHCR) für südsudanesische Flüchtlinge in Uganda erst zu 18 Prozent finanziert. Das UNHCR, das Welternährungsprogramm und 57 Hilfsorganisationen haben seither einen Aufruf für insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar gestartet, damit sie bis Ende 2017 wichtige Hilfsleistungen wie Nahrungsmittel und Unterkünfte bereitstellen können.

Hintergrund

Die Flüchtlingspolitik in Uganda ist eine der progressivsten der Welt: Flüchtlinge genießen dort relative Bewegungsfreiheit, haben Zugang zu Basisleistungen wie Bildung und Gesundheitsdiensten. Sie dürfen arbeiten und ein Geschäft unterhalten.

Am 22. und 23. Juni findet in der ugandischen Hauptstadt Kampala ein Flüchtlings- und Solidaritätsgipfel für Uganda statt, von dem sich die Vereinten Nationen und Uganda eine weitere Mobilisierung globaler Unterstützung für Flüchtlinge aus dem Südsudan erhoffen.

Der Konflikt im Südsudan brach im Dezember 2013 aus, nachdem Präsident Salva Kiir den damaligen Vizepräsidenten Riek Machar beschuldigte, einen Staatsstreich zu planen. Alle Bemühungen um eine diplomatische Lösung sind seither gescheitert und die Kampfhandlungen dauern an.

Der Konflikt hat für die Zivilbevölkerung verheerende Folgen wie zum Beispiel Hungersnöte und Gewalt zwischen ethnischen Gruppen. Auch gibt es Berichte über möglichen Völkermord. Weltweit haben nur die Konflikte in Syrien und Afghanistan mehr Menschen zur Flucht gezwungen. 
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