7. März 2014

Datum: 07.03.2014 INTERNATIONALE TAGUNG ZU DEN FOLGEN VON ATOMKATASTROPHEN FÜR MENSCH UND UMWELT - Den Opfern der atomaren Katastrophen eine Stimme geben


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IPPNW PRESSEMITTEILUNG
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Datum: 07.03.2014
INTERNATIONALE TAGUNG ZU DEN FOLGEN VON ATOMKATASTROPHEN FÜR MENSCH UND UMWELT

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Den Opfern der atomaren Katastrophen eine Stimme geben


Arnoldshain, 7. März 2014 – Drei Jahre nach der atomaren Katastrophe
von Fukushima und 28 nach Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl müssen
die Menschen in den betroffenen Regionen nach wie vor mit den Folgen der
radioaktiven Verstrahlung leben. Auf einer internationalen Tagung haben
sich auf Einladung des Zentrums Ökumene der Evangelischen Kirche Hessen
und Nassau und der Ärzteorganisation IPPNW etwa 100 ÄrzteInnen,
WissenschaftlerInnen und JournalistInnen aus Japan, Belarus, Deutschland,
den USA, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien über die Folgen der
atomaren Katastrophen für Mensch und Umwelt ausgetauscht.


„Das Schockierende an der atomaren Katastrophe von Fukushima ist, dass
scheinbar aus Tschernobyl nichts gelernt wurde“, erklärte eine
Teilnehmerin aus der Schweiz. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über
die Gefahren ionisierender Strahlung sind eindeutig und lange bekannt.
Schon geringste Strahlendosen erhöhen nachweislich das Erkrankungsrisiko.
Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Strahlung ungefährlich
wäre. „Es ist allein eine politische Entscheidung, wie viele
strahlenbedingte Erkrankungen eine Gesellschaft bereit ist zu
akzeptieren“, erklärt Dr. Dörte Siedentopf, IPPNW. Es fehle der Wille,
diese wissenschaftliche Bewertung des Strahlenrisikos in politische
Handlung umzusetzen. Der Einfluss der Atomindustrie auf die Politik sei
nach wie vor enorm groß – in Japan, aber auch international.
Die japanischen Ärzte berichteten auf der Tagung von einem beängstigendem
Anstieg der Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern. Da nach der
Atomkatastrophe keine Jodtabletten verteilt wurden, sei mit einer Zunahme
der Schilddrüsenerkrankungen zu rechnen. Schilddrüsenuntersuchungen
allein reichen nach Ansicht der Wissenschaftler nicht aus. Die japanische
Regierung unterbindet die Untersuchungen anderer strahlenbedingter
Erkrankungen. Die japanischen TeilnehmerInnen der Tagung fordern von ihrer
Regierung, alle Gesundheitsdaten, die in Zusammenhang mit der
Tepco-Atomkatastrophe stehen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
„Den stärksten Eindruck machte auf mich die Hilflosigkeit der Mütter,
die sehr besorgt sind um ihre Kinder und die Zukunft nachfolgender
Generationen“, erklärte eine Teilnehmerin. Mütter, die sich aufgrund
der Strahlung Sorgen um ihre Kinder machen, werden in Fukushima nicht
ernst genommen und sozial ausgegrenzt. Um die „Sicherheit“ der
Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima zu demonstrieren, lässt man die
Kinder in der Schule Produkte aus der Region essen. „Auch die
gesundheitliche Überwachung der Aufräumarbeiter am Kraftwerk durch Tepco
ist extrem mangelhaft“, berichtete eine Aktivistin aus Japan. Nur etwas
15 % der Arbeiter seien bei Tepco direkt angestellt. Alle anderen
arbeiteten für Subunternehmen. Oft seien es Tagelöhner. Bei ihnen
würden keinerlei regelmäßige Reihenuntersuchungen zur
Gesundheitskontrolle durchgeführt.


Die Experten haben im Martin-Niemöller-Haus in Arnoldshain vier Tage lang
ihre unterschiedlichen Erfahrungen ausgetauscht, sind miteinander ins
Gespräch gekommen und haben sich vernetzt. „Wir wollten den Opfern der
atomaren Katastrophe eine Stimme geben und einen Dialog ermöglichen“,
erklärt der Beauftragte für Friedensbildung der Evangelischen Kirche in
Hessen und Nassau Wolfgang Buff. „Die zivile und militärische Nutzung
der Atomenergie war von Anfang an untrennbar verknüpft mit einer
Verharmlosung, Vertuschung und Verschleierung der Folgen für Mensch und
Umwelt“, kritisiert er.

„Einerseits sind wir alle unterschiedlich, aber anderseits sind wir alle
gleich in dem Wunsch unsere Kinder zu schützen. Wir alle wünschen uns,
dass unsere Kinder gesund und glücklich sind. Es ist sehr wichtig, dass
in allen Ländern begriffen wird, dass wir alle gleich sind in unseren
Emotionen, in unseren Ängsten und unseren Sorgen über die Zukunft
unserer Kinder“, fasste eine Referentin aus Weißrussland ihre
Eindrücke von der Tagung zusammen. Die TeilnehmerInnen waren sich einig,
dass die Tagung den vielen Engagierten in Deutschland, aber auch in
Weißrussland und Japan Mut gemacht hat, den mühsamen Weg der Aufklärung
weiterzugehen, bis endlich auch PolitikerInnen dies einsehen und zu
Veränderungen bereit sind, um nachfolgenden Generationen eine Welt ohne
atomare Bedrohung zu ermöglichen.




Informationen zu Programm, ReferentInnen und eine Dokumentation der
Internationalen Tagung zu den Folgen von Atomkatastrophen für Mensch und
Umwelt finden Sie unter:
www.tschernobylkongress.de (Link:
http://www.tschernobylkongress.de/ )
Kontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW, Tel. 030-69 80 74-15
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des
Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10,
10967 Berlin, www.ippnw.de (Link: http://www.ippnw.de/ ),
Email: ippnw@ippnw.de (Link: ippnw@ippnw.de )

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