(BUP) Energiewende ist mehr, meine Herren und Damen, Herr Präsident.
Energiewende ist mehr als Stromerzeugung aus Erneuerbaren. Strom aus
Wind, Strom aus Sonne, Strom aus Biomasse: Natürlich sind Erneuerbare
das Topthema in Schleswig-Holstein, allen voran die Windenergie.
Heute
drehen sich 2510 Windenergieanlagen in Schleswig-Holstein mit einer
Leistung von 4,4 Gigawatt. Zum Vergleich: Das letzte aktive
Atomkraftwerk in Brokdorf hat ca. 1,4 Gigawatt Leistung, während Krümmel
mit 1,4 und Brunsbüttel mit 0,8 Gigawatt den Leistungsbetrieb
eingestellt haben.
Wirtschaftlich bedeutet Windenergie ein
jährliches Investitionsvolumen von weit über einer Milliarde Euro. Damit
liegt die Windenergie weit vor anderen Sektoren unserer Wirtschaft. Der
Wert der Stromerzeugung aus Wind beläuft sich kumuliert auf jährlich
knapp eine Milliarde Euro und bei weiterem Ausbau zur Mitte der
kommenden Legislaturperiode zwei Milliarden.
Das vergangene Jahr
war auch in anderer Hinsicht ein Rekordjahr. Erstmals wurde die
beeindruckende 100-Prozent-Hürde übersprungen. Wir erzeugen mehr Strom
aus Erneuerbaren als wir in Schleswig-Holstein Strom insgesamt
verbrauchen. Wenn ich es mal etwas salopp formulieren darf: Dadurch wird
jeder Schleswig-Holsteiner Grünstromer, jede Schleswig-Holsteinerin
Grünstromerin.
Die Energiewende in Schleswig-Holstein schreitet
also voran. Mister Hundert Prozent: Das ist Minister Robert Habeck.
Aber die Energiewende ist mehr als Strom. Wir müssen uns genauso
anstrengen bei Wärme und Verkehr. Wir brauchen auch einen engagierten
Naturschutz und eine gute Waldpolitik.
Der Wald in SH bindet 20
Millionen Tonnen Kohlenstoff. Eine Erhöhung des Waldanteils, eine
Steigerung der Holzvorräte ist direkter Klimaschutz. Trockengelegte
Moore führen genauso zu massiven Treibhausgasemissionen wie
umgebrochenes Weideland.
Wir brauchen eine gute Waldpolitik,
Moorschutzprogramme und Dauergrünlanderhaltungsgesetz, Knickerlass,
Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs, Düngeverordnung etc:
Das alles dient dem Klimaschutz. Wald, Moor, Grünland, Knicks, das sind
CO2-Senken und müssen als solche erhalten bleiben.
Liebe Kollegen und Kolleginnen, insbesondere die CDU-Herren hören mal gut zu:
Naturschutz
ist Klimaschutz, Naturschutz bewahrt unsere Zukunft. Naturschutz ist
kein Thema, das man lächerlich macht, Herr Kubicki, auf dem man
politisch rumtrampelt, meine Herren von der CDU. Naturschutz, die
Bewahrung der Schönheit und Vielfalt unseres Landes schafft Werte und
schützt das Klima. Wann werden Sie das endlich begreifen?
Energiewende
ist mehr als Strom. Am Primärenergieverbrauch beansprucht der Strom
ca. ein Drittel bzw. 34 Prozent. Wärme, Raumheizung ebenfalls grob ein
Viertel bzw. 27 Prozent. Der Verkehrssektor verbraucht ein Fünftel, also
20 Prozent.
Energieverbrauch kann man ganz wörtlich nehmen. Bei
den harten Energieträgern Kohle, Öl, Gas und auch für Uran gilt: Wir
wandeln Stoffe, Materie durch Verbrennung unwiederbringlich in Abfall
um. Danach sind sie verbraucht. Stattdessen belasten uns Treibhausgase
und Asche sowie radioaktive Abfälle mit Ewigkeitskosten.
Nachhaltige
Erneuerbare Energie ist die physikalische Erschließung der Sonnenkraft
und dafür gilt: Für Wind und Sonne schickt der liebe Gott uns keine
Rechnung. Deshalb brauchen wir Klimaschutz und Energiewende.
Noch
hängt Deutschland am Tropf. Braunkohle ist zwar heimisch - aber
dreckig. Wir importieren jedoch drei Viertel – 73 Prozent – unserer
Energierohstoffe. Das ist mit weitem Abstand Öl, dazu kommen Steinkohle,
Gas und Uran.
Die Ukrainekrise, der Nahe Osten und viele andere
Konflikte machen deutlich, dass Energiepolitik immer auch eine
außenpolitische Dimension zeigt. Der Import von Energierohstoffen, der
hohe Verbrauch bei uns trägt zu den Konflikten in unserer einen Welt
bei.
Armut und Reichtum auf der Welt lässt sich auch im Spiegel der
Energieverfügbarkeit lesen: Der durchschnittliche Mitteleuropäer
verbraucht sieben Tonnen Gesamtenergie im Jahr, ein Nordamerikaner elf
Tonnen, der durchschnittliche Einwohner im Tschad gerade mal 7
Kilogramm.
Die Bundeskanzlerin hat auf dem G8-Treffen in
Heiligendamm einen neuen Maßstab gefordert, nämlich dass der
Energieverbrauch bzw. der Ausstoß an Klimagasen pro Kopf Weltbürger zu
lesen sei. Das ist der Kant’sche Imperativ übertragen auf den
Klimaschutz. Nur das kann gerecht sein, was für jeden gleich gilt, ob in
Deutschland, Argentinien, Elfenbeinküste oder China. Von dieser
Gerechtigkeit sind wir noch weit entfernt. Sie zu erreichen, lässt sich
nur in Erneuerbaren Energien denken. Klimaschutz und Energiewende ist
auch Friedenspolitik.
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