
Weitere Sammelabschiebung nach Afghanistan
Anlässlich der bevorstehenden Sammelabschiebung nach Afghanistan fordert
die ärztliche Friedensorganisation IPPNW Innenminister Horst Seehofer
auf, die Abschiebungen in das Kriegsland umgehend zu stoppen. Laut dem
neuen Lagebericht des Auswärtigen Amtes ist die Sicherheitslage in
Afghanistan nach wie vor »volatil«. Die jüngsten Gefechte der
islamistischen Talibankämpfer in der ostafghanischen Stadt Gasni, bei
denen mindestens 100 Sicherheitskräfte getötet wurden, zeigen erneut wie
unsicher die Lage in dem Land ist.
Die ärztliche Friedensorganisation kritisiert, dass bei der letzten
Abschiebung am 3. Juli 2018 psychisch kranke Geflüchtete sowie viele gut
in Deutschland integrierte Afghanen abgeschoben wurden. Insbesondere im
Bundesland Bayern werde die Personengruppe derjenigen, die in das
Kriegsland abgeschoben werden, offenbar stark ausgeweitet – ohne
Rücksicht auf die Gesundheit der Betroffenen und teilweise sogar unter
Umgehung des Rechtswegs. So seien bei der letzten Sammelabschiebung ein
depressiver Flüchtling abgeschoben worden, den die Polizisten aus der
Psychiatrie holten. Ein weiterer abgeschobener Afghane hatte sich am Tag
vor der Abschiebung selbst schwere Verletzungen zugefügt. Bundesweit
Schlagzeilen machte der abgeschobene Afghane, der sich in Kabul erhängte.
Der junge Afghane Nassibullah S. wurde darüber hinaus ohne
abgeschlossenes Asylverfahren abgeschoben. Mittlerweile befindet er sich
wieder in Deutschland.
„Die schlechte Sicherheitslage und schlechte medizinische Versorgung
stellt für die Abgeschobenen eine Gefahr für die Gesundheit und das
Leben dar. Insbesondere bei traumatisierten Menschen wird durch die
Begegnung mit Krieg und Gewalt ein neues Trauma erzeugt, das zu einer
lebensgefährlichen Verstärkung ihres Krankheitsprozesses führen kann.
Das Bundesinnenministerium und das BAMF müssen endlich eine
Entscheidungspraxis verfolgen, die der Gefahrenlage in Afghanistan gerecht
wird, und dürfen nicht länger Menschenleben von Schutzsuchenden aufs
Spiel setzen“, erklärt Susanne Grabenhorst, stellvertretende
IPPNW-Vorsitzende.
Die IPPNW hat Empfehlungen für heilberuflich Tätige in
Abschiebesituationen herausgegeben. Sie können Sie unter hier
(Link: http://news.ippnw.de/http:// ) downloaden.
Am morgigen Dienstag 14.08.2018 findet in München um 20.30 Uhr am
Odeonsplatz eine Nachtdemonstration gegen die Abschiebung nach Afghanistan
statt.
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