• Überarbeitung der Energie-Richtlinie für Ausstieg aus Fossilen nutzen
• Vor Europawahl: EU-Bürger*innen stärker informieren und einbinden
• Finanziell riskante Öffentlich-Private Partnerschaftsprojekte beenden
Brüssel/Berlin, 18.6.2018
Die Europäische Investitionsbank (EIB), die größte multilaterale
Kreditgeberin der Welt, begeht in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum.
Am Freitag wollen die Wirtschafts- und Finanzminister der EU, darunter der deutsche Vizekanzler Olaf Scholz,
das Jubiläum beim EIB-Jahrestreffen feiern. Das europäische
NGO-Netzwerk Counter Balance hat kurz vor dem Treffen einen Kurswechsel
der Bank gefordert. In einem Brief, den die Counter Balance-Mitglieder heute an die Minister verschickt haben,
erkennen sie die Bedeutung der EIB für das Zusammenwachsen der
EU-Mitgliedsländer an - kritisieren allerdings unter anderem mangelnde
Transparenz und klimaschädliche Geschäfte.
„Die
EIB unterstützt fossile Industrien nach wie vor mit Milliardensummen.
Das widerspricht den Pariser Klimazielen und ist der falsche Einsatz
öffentlicher Gelder“, kritisiert Regine Richter,
Energie-Campaignerin bei urgewald, der deutschen Mitgliedsorganisation
bei Counter Balance. Zwischen 2013 und 2017 vergab die EIB 11 Milliarden
Euro an fossile Projekte und fast 4 Milliarden Euro an
Kohle-Energieversorger.
Im
Jahr 2013 hatte die EIB beschlossen, bis auf Ausnahmen keine weiteren
Gelder mehr für Kohleprojekte zu vergeben. Geldvergaben für Unternehmen,
die solche Projekte vorantreiben, sind weiter möglich. Ausschlüsse im
Öl- und Gasbereich fehlen bisher, anders als etwa bei der Weltbank, der
Asiatischen und der Afrikanischen Entwicklungsbank. Nun steht
die Überarbeitung der Energie-Richtlinie bei der EIB an, über die
Counter Balance am Freitag in einem neuen Briefing informieren wird.
„Die EIB-Mitgliedsstaaten, allen voran mächtige Mitglieder wie
Deutschland, sollten die Reform für einen Ausschluss fossiler Geschäfte
nutzen. Die EIB sollte gleichzeitig Zukunftsbereiche wie Energiesparen und Energieeffizienz stärker fördern“, fordert Richter.
Auch
darüber hinaus fordern die Counter Balance Mitgliedsorganisationen in
ihrem Brief einen neuen Investitionsfokus der EIB sowie größere
Transparenz und Mitsprache für die Zivilgesellschaft. Dies sei
angesichts der Verhandlungen um das nächste EU-Budget und der
anstehenden Europawahl 2019 entscheidend.
Eine strengere Auswahl von Geschäften sei notwendig „und dabei Qualität vor Quantität zu stellen“,
heißt es in dem NGO-Brief. Beispielsweise hätten Projekte mit der
Privatwirtschaft, besonders Öffentlich-Private Partnerschaften, mehrfach
auch finanziell ein Desaster für Mitgliedsstaaten und Bürger*innen
ausgelöst, etwa das Gasspeicherprojekt „Castor“ in Spanien sowie
Autobahnprojekte in Spanien und Griechenland, mit denen sich der
Europäische Rechnungshof auseinandergesetzt hat.

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