(BUP) Hamburg Wasser und Remondis haben heute im Beisein von Senator
Jens Kerstan eine Pilotanlage zur Rückgewinnung von Phosphor auf dem
Klärwerk Hamburg in Betrieb genommen. Weltweit erstmals kann mit diesem
Verfahren der wichtige Rohstoff, der sich bei der Abwasserreinigung in
der Klärschlammasche konzentriert, wirtschaftlich effizient recycelt
werden. Phosphor ist weltweit nur begrenzt vorhanden, aber essentiell
für das Pflanzwachstum und damit für die Nahrungsmittelproduktion
insgesamt. Langfristig soll die in Hamburg anfallende Klärschlammasche
komplett verwertet werden, um Phosphor zurückzugewinnen.
Phosphor
wird vom Menschen über die Nahrung in Form von Phosphat aufgenommen.
Der Mineralstoff treibt wichtige Stoffwechselprozesse im menschlichen
Körper an und sorgt unter anderem für feste Zähne und Knochen. Über
menschliche Ausscheidungen gelangt der wertvolle Stoff ins Abwasser und
landet schließlich im Klärschlamm. Da dieser insbesondere in Großstädten
nicht nur Wertstoffe enthält, sondern auch Schadstoffe, wird er nur
noch selten als Dünger eingesetzt. In Hamburg wird der Klärschlamm
bereits seit Jahren zu 100 Prozent verbrannt und die Asche in einer
Spezialdeponie eingelagert. Damit der Phosphor den Böden nicht für immer
verloren geht, ist es für die Zukunft entscheidend, Phosphor aus der
Klärschlammasche zu recyceln. Bislang mangelte es aber an wirtschaftlich
effizienten Verfahren. Mit einer gemeinsamen Pilotanlage wollen HAMBURG
WASSER und REMONDIS nun den Nachweis antreten, dass Phosphorrecycling
im großtechnischen Maßstab umsetzbar ist. Möglich macht das ein von
REMONDIS entwickeltes Verfahren, das sogenannten Tetraphos-Verfahren.
Dieses löst nicht nur hochwertige Phosphorsäure aus der Asche, sondern
auch weitere mineralische Salze, die ebenfalls verwertet werden können.
Auf diese Weise werden Stoffkreisläufe vor Ort geschlossen.
Jens
Kerstan, Senator für Umwelt und Energie: „Dies ist ein innovatives
Projekt von dem wir hoffen, dass es Maßstäbe setzt. Deutschland
importiert jährlich tausende Tonnen Phosphor, obwohl sich der Stoff in
kommunalen Kläranlagen in nennenswerter Größenordnung ansammelt.
Phosphor zu recyceln ist ein guter Weg, um mit diesen knappen Ressourcen
verantwortungsvoll umzugehen. Ich bin froh darüber, dass dieses
Verfahren in Hamburg jetzt im Pilotmaßstab untersucht wird.“
REMONDIS-Prokurist
und Erfinder der Anlage, Dr. Martin Lebek: „Mit dem patentierten
Remondis TetraPhos-Verfahren haben wir einen Weg gefunden, um im
industriellen Maßstab kostengünstig Phosphorsäure aus Aschen von
Klärschlammverbrennungsanlagen herzustellen. Das Verfahren zeichnet sich
durch eine herausragende ökologische Effizienz aus und trägt auf
vielfältigen Wegen zur Ressourcenschonung bei. Gleichzeitig zeigt es
einen Weg auf, wie Europa unabhängiger von notwendigen Phosphorimporten
werden kann.“
HAMBURG WASSER-Geschäftsführer Michael Beckereit: „Mit
der Phosphorrückgewinnung wollen wir einen wirklichen Meilenstein bei
der Abwasserbehandlung in Hamburg erreichen. Es soll dazu beitragen, das
Klärwerk Hamburg noch effizienter aufzustellen und wirtschaftlicher zu
betreiben, indem wir daen recycelten Phosphor gemeinsam mit REMONDIS
vermarkten. Wenn die Pilotversuche erfolgreich sind, werden wir
gemeinsam mit REMONDIS eine Großanlage in Hamburg errichten und
betreiben.“
Bei dem REMONDIS TetraPhos-Verfahren wird
phosphorreiche Klärschlammasche in verdünnter Phosphorsäure gelöst.
Dabei erhöht die Asche die Phosphorsäurekonzentration, sodass insgesamt
mehr Phosphorsäure entsteht. In einem vierstufigen Prozess werden
anschließend Inhaltsstoffe wie Calcium, Aluminium und Eisen entfernt,
die sich ebenfalls weiterverwerten lassen. So kann das Aluminium direkt
im Klärwerk genutzt werden, weil es als Fällmittel bei der
Abwasserreinigung benötigt wird. Der Zukauf von Fällsalzen kann in
Hamburg dadurch künftig um voraussichtlich mehr als 30 Prozent gesenkt
werden. Das gelöste Calcium kann als Gips abgetrennt werden und als
Baustoff genutzt werden.
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