Zu Berichten über konkrete Pläne der Bundesregierung, das Kindergeld zu kürzen, erklären Franziska Brantner, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik, und Wolfgang Strengmann-Kuhn, Sprecher für Sozialpolitik:
Nach
dem Prinzip ´Augen zu und durch` will die Bundesregierung jetzt in
Deutschland lebenden und arbeitenden EU-Ausländern das Kindergeld
kürzen, deren Kinder im Herkunftsland leben. Damit biedern sich Union
und SPD EU-Gegnern und Nationalisten an und setzen die Axt an das
zentrale Prinzip der Freizügigkeit. Schwarz-Rot begibt sich mit diesem
Vorstoß in einen offenen Rechtsstreit mit der EU-Kommission, stößt
mehrere seiner osteuropäischen Partner vor den Kopf und erweist dem
Gedanken des gemeinsamen Europa ausgerechnet zwei Wochen vor dem
60-jährigen Gründungsjubiläum der Römischen Verträge einen Bärendienst.
Der
geplante Gesetzentwurf verstößt bewusst gegen geltendes Recht und dient
als Druckmittel, um dieses Recht zu ändern. Die EU-Kommission und
zahlreiche Mitgliedstaaten haben sich indes schon entschieden dagegen
ausgesprochen. Letztlich dient der Gesetzentwurf also nur dazu, Punkte
im Bundestagswahlkampf bei national denkenden und EU-kritischen Menschen
zu gewinnen.
Dabei
ist der Entwurf nicht nur europapolitisch und europarechtlich
fragwürdig, sondern ein bürokratischer Unsinn. Schätzungsweise knapp 160
Millionen Euro an Einsparungen würde die von Schäuble und Nahles
geplante "Anpassung" des Kindergeldes bringen; was aber den damit
verbundenen bürokratischen Aufwand betrifft - allen voran die
Vergleichbarkeit der Lebenshaltungskosten - dazu sagt der
Gesetzesentwurf nichts. Sie dürften aber enorm sein. Ähnlichkeiten zur
Ausländer-Maut sind dabei nicht zufällig.
Wenn
EU-Bürger sozialversicherungspflichtig in Deutschland arbeiten und hier
auch Steuern zahlen, müssen sie genauso wie alle anderen von denselben
Leistungen profitieren. So aber wird die krude Botschaft ausgesandt,
dass deutsche Kinder mehr zählen als jene aus anderen EU-Staaten. Wo
bleibt der entschiedene Protest des Ober-Europäers und
SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz gegen diesen populistischen Vorstoß?
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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