12. Oktober 2013

Neue Tierversuchsverordnung: Verpasste Gelegenheit für den Schutz von Labortieren // VIER PFOTEN fordert stärkere Förderung von alternativen Testmethoden



Berlin / Hamburg, 8. Oktober 2013 – Mit der neuen Tierversuchsverordnung wurde eine wichtige Gelegenheit verpasst, den Schutz von Tieren in Versuchslaboren auf gesetzlicher Ebene zu verankern, kritisiert die international tätige Tierschutzorganisation VIER PFOTEN.

Die Tierversuchsverordnung trat mit großer Verspätung im August 2013 nach EU-Richtlinie (2010/63/EU) in Kraft. Damit ist Deutschland nur knapp einem EU-Vertragsverletzungsverfahren entgangen, denn die Umsetzungsfrist war eigentlich bereits zum 1. Januar 2013 angesetzt.

"Leider ist die zeitliche Verzögerung nicht auf Verbesserungen im Tierschutz zurückzuführen. Die in der EU-Richtlinie vorgegebene Beschränkung der Verwendung bestimmter geschützter Tierarten und Primaten, einschließlich Menschenaffen, wurde nicht genügend berücksichtigt“, sagt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Dr. Martina Stephany. „Darüber hinaus gibt es leider kein Verbot von Versuchen, die schweres Leid verursachen. Zahlreiche Ausnahmeregelungen führen die ethische Abwägung sowie die Frage nach dem Nutzen von einem Tierversuch ad absurdum.“

Ein großes Manko sieht VIER PFOTEN auch in der Funktion der Tierversuchs-Ethikkommission. Kampagnenleiterin Dr. Stephany: „Das Gremium bleibt weiterhin machtlos, da es mehrheitlich aus Tierexperimentatoren besteht. Zudem hat die Ethikkommission weiterhin nur beratenden Charakter.“ Die Einführung einer rückblickenden Bewertung inklusive ethischer Erwägung ist nur beschränkt auf Versuche an Primaten und sehr schmerzhafte Versuche. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist nicht vorgesehen, sodass Folgeversuche nur vor der Behörde zu rechtfertigen sind.

VIER PFOTEN beruft sich auf die im deutschen Grundgesetz verankerte Verpflichtung des Staates zum Tierschutz und sieht diese in der Tierversuchsverordnung nicht berücksichtigt. Mit der neuen Verordnung wird eine Zementierung der tierexperimentellen Forschung betrieben und diese wissenschaftlich und ethisch nicht hinterfragt. „Die Bundesregierung hat nicht erkannt, dass das System Tierversuch nicht mehr zeitgemäß ist. Moderne tierfreie Alternativmethoden sind nicht nur humaner, sondern auch verlässlicher, übertragbarer und effizienter und sollten viel stärker gefördert werden“, appelliert Dr. Stephany. VIER PFOTEN fordert die Bundesregierung auf, das Budget für die Erforschung und Entwicklung von Alternativmethoden entscheidend aufzustocken, um damit dem Staatsziel Tierschutz gerecht zu werden.

Der Bundesrat forderte in einer Entschließung, sich bei einer nächsten Überarbeitung der EU-Richtlinie dafür einzusetzen, zahlreiche Ausnahmetatbestände, die jetzt umgesetzt werden mussten, endgültig zu streichen, wie z.B. Tierversuche an Menschenaffen. VIER PFOTEN setzt sich dafür ein, dass Ausnahmeregelungen bei einer nächsten Überarbeitung der Verordnung restlos gestrichen werden, um ein Maximum für den Schutz von Versuchstieren zu erreichen.


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Weitere Informationen auf www.vier-pfoten.de/kampagnen/tierversuche/

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation setzt sich mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten für den Tierschutz ein. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertisen, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunde und -katzen, Labor-, Nutz-, Wild- und Haustiere sowie auf Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Niederlassungen in Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Österreich, Rumänien, Schweiz, Südafrika, Ungarn und den USA sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

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