Coca-Cola
Vorstandschef Ulrik Nehammer wirbt auf Branchentagung „für einen Ausweg
aus Mehrweg“ und ruft Getränkeindustrie auf, gemeinsame
Lösungen zu finden, „sonst bleiben wir bis Ende des Jahrhunderts im
Mehrweg“ – Sollte Coca-Cola mit seiner Strategie Erfolg haben, fallen in
Deutschland über 120.000 grüne Arbeitsplätze weg – Deutsche Umwelthilfe
unterstützt Forderung der Umweltbundesamt-Präsidentin
nach einer Lenkungsabgabe auf Getränke in Einweg in Höhe von 20 Cent
Berlin, 13.3.2015:
Nach Recherchen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sucht der
Vorstandsvorsitzende
der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG Ulrik Nehammer offensiv nach
weiteren Verbündeten in der Getränkeindustrie „für einen Ausweg aus
Mehrweg“. Nach einem Bericht im Fachblatt „Rundschau für den
Lebensmittelhandel“ erklärte Nehammer Ende Januar 2015 in Kitzbühel
auf einer Branchentagung der Getränkeindustrie, man müsse gemeinsame
Lösungen finden,
„sonst bleiben wir bis Ende des Jahrhunderts in Mehrweg.“
Der
erneute Generalangriff von Coca-Cola auf das weltweit größte noch
intakte Mehrwegsystem in Deutschland erfährt damit eine neue Dimension.
Der amerikanische Brausehersteller
will nicht nur selbst aus Mehrweg aussteigen, in seinem Unternehmen
mehrere tausend grüne Arbeitsplätze in Deutschland abbauen und den
operativen Gewinn des Mutterkonzerns, der im Jahr 2014 bei knapp 24
Prozent lag, weiter steigern. Coca-Cola versucht offensichtlich
innerhalb der Getränkewirtschaft, weitere Hersteller vom
Mehrwegausstieg zu überzeugen.
„Coca-Cola
erklärt dem deutschen Mehrwegsystem den Krieg. Die früheren
Bundesumweltminister Töpfer, Merkel, Trittin und Gabriel haben ähnliche
umweltfeindliche Angriffe von
Coca-Cola erfolgreich abgewehrt. Es genügt nicht, nur auf eine
überfällige Kennzeichnung von Einweg und Mehrweg hinzuweisen. Die
amtierende Bundesumweltministerin muss jetzt endlich handeln und eine
Lenkungsabgabe in Höhe von 20 Cent auf Einweggetränke auf
den Weg bringen, so wie die Präsidentin des Umweltbundesamtes es
vorgeschlagen hat“, fordert
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Er betont, dass mehr
als 120.000 grüne Arbeitsplätze in der mehrwegorientierten deutschen
Getränkewirtschaft wegfallen werden, sollte Coca-Cola mit seinem Vorstoß
Erfolg haben. Der Zusammenbruch des Mehrwegsystems
im Getränkebereich wäre die Folge.
Der
Coca-Cola Deutschland-Chef Nehammer hat seiner Ankündigung zur
Abschaffung von Mehrwegflaschen bereits Taten folgen lassen. Die 1,5
Liter PET-Mehrwegflasche ist aus den meisten
Verkaufsregalen verschwunden. Die 0,5 Liter PET-Mehrwegflasche soll
dieses Jahr folgen. Der DUH liegen Informationen aus dem Unternehmen
vor, nach denen die verbleibende 1,0 Liter Mehrwegflasche in etwa zwei
Jahren folgen soll.
„Coca-Cola kämpft seit Jahrzehnten weltweit gegen Umweltgesetze. In
den letzten Jahren wurde der PET-Mehrwegpool in verschiedenen
europäischen Ländern abgeschafft, zuletzt in Österreich und Norwegen.
Jetzt hat es der Getränkekonzern aus Atlanta offensichtlich
auf das umweltfreundliche deutsche Mehrwegsystem abgesehen“, warnt Resch.
In
der Verpackungsverordnung ist als offizielles Ziel eine Quote von 80
Prozent ökologisch vorteilhafter Getränkeverpackungen festgelegt. Die
Mehrwegquote liegt derzeit bei unter
45 Prozent. Sollte Umweltministerin Hendricks nicht entschieden
gegensteuern, wird es nach Ansicht der DUH bald kein Mehrwegsystem mehr
geben, das es zu schützen gilt.
„Verbraucher
sollten zu anderen Colas in umweltfreundlichen Mehrwegflaschen greifen
und dem Großkonzern Coca-Cola an der Ladenkasse für den Abbau von
Umweltstandards und grünen
Arbeitsplätzen eine Quittung erteilen“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft
Thomas Fischer. Der Experte betont, dass neben der Einführung
einer Abgabe auf Einweg die Umsetzung einer Kennzeichnungsverordnung zur
klaren Unterscheidbarkeit von Mehrweg- und Einweggetränkeverpackungen
notwendig ist.
Hintergrund: Coca-Cola und sein Verhältnis zum Mehrwegschutz
1.
Umweltminister Klaus Töpfer reagierte 1987 auf die Ankündigung von
Coca-Cola, die 1,0 Liter Mehrwegglasflasche durch
Einweg-PET zu ersetzen, mit einer Verordnung zur Einführung eines
Pfandes auf Einweg-Flaschen. Daraufhin verzichtete Coca-Cola auf die
Umstellung auf Einweg und führte die (nun abgeschaffte) 1,5 Liter
Mehrweg-PET-Flasche ein.
2.
Ende der 90er Jahre forderte Coca-Cola die Abschaffung der 72 Prozent
Mehrwegschutzquote und wollte bundesweit Verkaufsautomaten
für Einweg-Getränke aufstellen. Die damalige Bundesumweltministerin
Angela Merkel erteilte Coca-Cola eine Abfuhr; die Verunstaltung der
Städte mit gekühlten Verkaufsautomaten wurde verhindert.
3.
Von 2000 bis 2002 kämpfte Coca-Cola verbissen gegen die Einführung
eines Pflichtpfandes auf Getränkedosen und Plastikflaschen,
scheiterte aber am damals verantwortlichen Bundesumweltminister Jürgen
Trittin.
4.
Zur Fußball-WM 2006 in Deutschland torpedierte Coca-Cola das
Mehrwegsystem mit einer Einweg-PET-Flasche in Fußballform,
die als „Mehrwegflasche“ pfandfrei abgegeben wurde. Mit Unterstützung
des damaligen Bundesumweltministers Sigmar Gabriel stoppte die DUH
diesen Versuch, den Mehrwegschutz und entsprechende
Einwegpfandregelungen zu unterlaufen.
5.
Im Januar 2015 wurde bekannt, dass Coca-Cola sich komplett von Mehrweg
verabschieden möchte. Noch nicht klar ist,
ob sich die amtierende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks – wie
ihre Vorgänger – für grüne Arbeitsplätze und den Schutz des
Mehrwegsystems einsetzen wird.
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