Frankfurt a. M. - Menschen aus armutsgefährdeten und bildungsfernen
Elternhäusern und mit Migrationshintergrund werden weiterhin viel zu
häufig vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen. Menschen mit Behinderung
haben oft nur geringe Chancen auf einen regulären Schulabschluss und
eine anerkannte berufliche Ausbildung. „Von inklusiver Bildung sind wir
weit entfernt – Exklusion ist nach wie vor in allen Bereichen des
Bildungssystems an der Tagesordnung. Wir grenzen aus und stufen ab“,
erklärte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW), Marlis Tepe, mit Blick auf die Ergebnisse des heute in Berlin
vorgestellten Berichts „Bildung in Deutschland 2014“. So landet jeder
zweite Jugendliche mit Migrationshintergrund im Übergangssystem ohne
klare Aussicht auf einen Berufsabschluss. Und jeder zehnte Gymnasiast
bzw. jede zehnte Gymnasiastin wird abgeschult.
Tepe begrüßte die
Empfehlung des Bildungsberichts, das pädagogische Fachpersonal besser
für inklusive Bildung zu qualifizieren. „Der Hinweis an die Politik ist
deutlich: Es muss besonderes Augenmerk auf Ausbildung und Finanzierung
des Personals gelegt werden. Die GEW fordern eine planvolle Gestaltung
des Umbaus zur inklusiven Schule. Dazu gehören Qualifizierung der
Lehrkräfte, Ausstattung mit multiprofessionellen Teams und angemessene
Klassengrößen.“ Die Bildungsgewerkschaft teile die Forderung der
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, strukturelle Blockaden bei der
Inklusion zu überwinden: „Die zahlreichen Brüche zwischen Bildungs- und
Sozialwesen sind ein Problem. Die GEW spricht sich für die ‚große
Lösung‘ aus, die alle Leistungen unter einem Dach vereint und das
Zusammenspiel der Sozialsysteme mit den Bildungseinrichtungen
erleichtert.“ Tepe forderte die große Koalition zu konkreten Schritten
auf: „Wenn in diesem Jahr über ein Bundesteilhabegesetz diskutiert wird,
muss inklusive Bildung darin groß geschrieben werden. Nur so haben die
Betroffenen echte Chancen für ein selbstbestimmtes Leben.“
Die
GEW-Vorsitzende zeigte sich erfreut über weitere zentrale Empfehlungen
aus dem Bildungsbericht. So begrüßte Tepe, dass nach dem Ausbau die
Qualität in der frühkindlichen Bildung künftig in den Vordergrund der
politischen Anstrengungen gerückt werden soll. „Das ist ein klarer
Auftrag an die Politik: Wir brauchen dringend ein bundesweites
Kitaqualitätsgesetz. Unsere Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch“.
Ähnliches gelte für die Entwicklung pädagogischer Konzepte für
Ganztagsschulen. „Mit dem Bau von Mensen oder schlichter Betreuung am
Nachmittag ist es nicht getan. Die GEW hat sich von vornherein für
integrierte pädagogische Konzepte, einen veränderten Lernrhythmus und
multiprofessionelle Teams ausgesprochen. Der Bund könnte dazu mit einem
weiteren Programm zur Förderung der Schulsozialarbeit einen Beitrag
leisten.“
Auch der Übergang von der Schule in die
Berufsausbildung bleibt nach Ansicht von Tepe eine Baustelle. „Das
Versprechen der Bundesregierung, eine Ausbildungsgarantie einzuführen,
muss unverzüglich umgesetzt werden. Es ist dramatisch, dass immer noch
über 250.000 Jugendliche nach dem Schulabschluss in das Übergangssystem
rutschen“, kritisierte die GEW-Vorsitzende. „Besonders betroffen sind
auch hier die ausländischen Jugendlichen. Selbst bei gleichem
Schulabschluss sind deren Chancen auf einen Ausbildungsplatz viel
geringer. Das ist ein Skandal.“
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