"CDU attackiert Umweltverbände" überschreibt die "Salzwedeler Volksstimme" ihren Aufmacher vom 24. Januar. Im Artikel erfährt man, dass die CDU den Umweltschutzverbänden das Klagerecht entziehen will. Über eine Bundesratsinitiative der Länder soll das in die Wege geleitet werden. Auch der Vorsitzende des CDU-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, der sich am 28. Januar zum Ministerpräsidenten wählen lassen will, stimmt in den Chor mit ein: Eine starke Einschränkung - "idealerweise" die Abschaffung - des Verbandsklagerechtes hält er für sinnvoll.
Das Auto - immer die Nummer eins ?
Insbesondere entzündet sich der Ärger an Autobahn- und Straßenbauprojekten, die durch von Umweltverbänden gerichtlich durchgesetzte Schallschutzwände und Tierschutzmaßnahmen verteuert und verzögert wurden. Die Aufregung bewegt sich allerdings auf einem gänzlich oberflächlichen Niveau: Einen Nachweis, warum schneller und billiger Autobahnbau einen höheren Wert darstellt als die Lebensqualität von Anwohnern und das Leben vieler Tiere, sucht man vergebens. Allem Anschein nach ist es für die CDU-Politiker eine Selbstverständlichkeit, dass den Interessen der Autoindustrie Vorrang vor allem anderen eingeräumt werden muss.
Früher schützte die Technik vor der Natur - heute muss die Natur vor der Technik geschützt werden
Das ist aber nicht korrekt, denn die Weiterentwicklung der Technik im bisherigen Stil ist in der gegenwärtigen historischen Phase alles andere als selbstverständlich. Die Technik hat uns von vielen naturbedingten Gefahren und Erschwernissen befreit und ermöglichte die Entwicklung von Geist, Kunst und Kultur. Seit geraumer Zeit zeigt sich jedoch, dass wir der Natur nicht nur gewisse Schranken gesetzt haben, sondern sie nachhaltig schädigen - und gerade dort, wo wir eine gesunde Natur für unser eigenes Überleben benötigen.
Unsere Technik führt zu einem rapiden Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, zur Verunreinigung des Meerwassers durch Plastikmüll,
dazu, dass ca. 40 Milliarden Tonnen gasförmigen Mülls jährlich in die Atmosphäre entsorgt werden und dadurch die Abstrahlung überflüssiger Wärme in den Weltraum beeinträchtigen, so dass die Temperatur auf der Erde mit katastrophalen Auswirkungen ansteigt - um nur diese Beispiele als Andeutung zu nennen.
Angesichts dieses Hintergrundes sollte
allerhöchste Zurückhaltung geübt werden, wenn es darum gehen
soll, weitere zig Quadratkilometer von Lebensräumen durch
Versiegelung für Autobahnen zu zerstören.
Den Kräften, die sich fürs Leben einsetzen,
die Hände zu binden, wäre krankhaft
Die genannten und viele weitere Probleme unserer Technisierung wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Verantwortungsbewusste Menschen sahen, dass man dagegen etwas tun muss. Bereits 1899 wurde der NABU gegründet, 1975, als sich die Missstände gravierend verschärft hatten, der BUND. Inzwischen sind diese Probleme nicht weniger geworden, sondern nehmen überhand. Denjenigen Kräften, die die Zusammenhänge erkennen und sich gegen Fehlentwicklungen engagieren, die Hände zu binden, wäre das Dümmste, das wir uns und unserer Lebensqualität antun können!
Interessant, welche politischen Kräfte sich für die völlig verfehlte Weichenstellung zusammengetan haben: Neben CDU und FDP ist auch die AfD dabei - also ganz "unalternativ"! - Wie wird das erst werden, sollte sie an einer künftigen Landesregierung beteiligt sein?!
Gut, dass die Linken und die Grünen dem CDU-Vorhaben gebührende Absagen erteilt haben. Besonders gut, dass auch Sachsen-Anhalts Umweltminister Willingmann (SPD) sich so positioniert, wie es sein Ressort ja auch erfordert.
Viele weitere Menschen und Organisationen werden ihre Stimmen erheben.

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