(BUP) Die tierschutzwidrige Käfighaltung von Legehennen in Deutschland
wird definitiv beendet. „Das ist ein großer Erfolg für den Tierschutz
und ein besonderes Zeichen zum Welttierschutztag am Sonntag", teilten
Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer und seine
rheinland-pfälzische Kollegin Ulrike Höfken zum Abschluss der
Agrarministerkonferenz in Fulda mit. Nach einem Kompromiss zwischen Bund
und Ländern werden neue Käfighaltungen von Hühnern ab sofort nicht mehr
genehmigt - in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz gilt ein solches
Verbot schon jetzt. Zudem sollen bestehende Legebatterien spätestens
2025 abgeschafft sein. Nur für genau definierte Härtefälle ist
ausnahmsweise eine Verlängerung des Bestandsschutzes um maximal drei
Jahre möglich.
„Noch immer werden Millionen Legehennen in engen
Käfigen gehalten", sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister
Christian Meyer. „Diese Art der Haltung ist nicht tierschutzgerecht und
wird gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert." Höfken ergänzte: „Es war
höchste Zeit, dass der Bund seine Verweigerungshaltung aufgegeben hat
und einen großen Schritt auf die Länder zugegangen ist. Erstmals liegt
jetzt ein festes Datum zum Ausstieg aus der Käfighaltung und damit
Rechtssicherheit vor."
Maßgeblich dank der Hartnäckigkeit von
Niedersachsen und Rheinland-Pfalz ist die jetzige Entscheidung zustande
gekommen: Höfken und Meyer hatten sich in einem gemeinsamen
Bundesratsantrag für ein Ende der Käfighaltung bis 2023 sowie eine
Härtefall-Übergangszeit von zwei Jahren eingesetzt und damit eine
Mehrheit unter den Ländern erreicht. Das Bundesverfassungsgericht hatte
zuvor die Kleingruppenhaltung als unvereinbar mit dem Tierschutz im
Grundgesetz erklärt und eine Neuregelung gefordert. Die damalige
schwarz-gelbe Bundesregierung missachtete jedoch den Länderbeschluss,
setzte sich allerdings mit ihrer völlig überzogenen Fristsetzung bis
2035 ebenfalls nicht durch.
Die Kleingruppen-Käfige seien kaum
besser als die früheren konventionellen Käfige, so Meyer und Höfken:
„Jede Henne hat gerade einmal den Platz von etwas mehr als einem
DIN-A-4-Blatt." Staubbaden, ungestörte Eierablage oder gar Ruhen seien
gar nicht möglich. „Zum ersten Mal lenkt der Bund jetzt ein und ist
bereit, die Käfighaltung von Millionen Hühnern in Deutschland definitiv
zu beenden. Das ist zugleich ein Eingeständnis, dass diese Art der
Tierhaltung nicht mit dem Tierschutz vereinbar ist", sagten der
Agrarminister aus Niedersachsen und seine Kollegin aus Rheinland-Pfalz.
„Wir
wären gerne schneller ausgestiegen. Aber angesichts dessen, dass der
Bund ursprünglich erst 2035 zu einem Ausstieg aus der
Kleingruppen-Käfighaltung bereit war, ist das Einlenken des Bundes ein
guter Erfolg aller grünen Agrarminister, der ohne den Druck der
Tierschutzverbände nicht möglich gewesen wäre", so Meyer und Höfken. Der
Kompromiss zwischen Bund und Ländern sei zugleich ein deutliches
Signal, „dass die nicht tierschutzgerechte sogenannte
Kleingruppenhaltung in Käfigen keine Zukunft mehr hat". Höfken ergänzte:
„Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben mit ihrem Nein zu
Käfigeiern mit der Ziffer „3" dazu beigetragen, dass solche Eier aus den
Supermarktregalen verschwunden sind."
Die Agrarminister erwarten
jetzt eine schnelle Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
des Bundes. Wie Meyer zeigte sich auch Höfken zwar zufrieden mit dem nun
seitens des Bundes signalisierten Zugeständnis. „Aber leider hat
Bundesagrarminister Christian Schmidt nur sehr spät auf den Willen der
Verbraucherinnen und Verbraucher reagiert", so Meyer und Höfken. Sie
erinnerte daran, dass der Bundesrat auf Antrag von Rheinland-Pfalz auch
die Ausweitung der Tierschutzkennzeichnung auf verarbeitete Eier in
Kuchen und Nudeln gefordert habe. „Hier muss der Bund jetzt ebenfalls
unverzüglich handeln, damit der Import verarbeiteter Käfigeier aus dem
Ausland gestoppt wird", sagte die rheinland-pfälzische
Landwirtschaftsministerin.
Zum Hintergrund:
In Niedersachsen
leben mittlerweile rund 5,4 Millionen Legehennen in konventioneller oder
ökologischer Freilandhaltung. Das sind doppelt so viele wie die derzeit
2,7 Millionen Legehennen in Käfighaltung. Derzeit befinden sich rund 15
Prozent aller Legehennen in Niedersachsen in
Kleingruppenhaltungssystemen, die Eier werden als Käfigeier mit der
Ziffer „3" gekennzeichnet. Seit 2013 werden in Niedersachsen keine neuen
Kleingruppenhaltungen mehr genehmigt. Die Zahl der Freilandhühner aus
konventioneller Haltung stieg derweil allein 2014 im Vergleich zum
Vorjahr um fast 20 Prozent, während Boden- und Käfighaltung stagnierten.
„Niedersachsen ist bei der Produktion sowohl von Bio- als auch von
Freilandeiern bundesweit zu einer Hochburg geworden. Fast jedes zweite
deutsche Bio- oder Freilandei stammt mittlerweile aus Niedersachsen",
sagte Meyer.
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