OPFERZAHLEN DES "KRIEGES GEGEN DEN TERROR"
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12. Jahrestag des Irak-Krieges
Die Gesamtzahl der Todesopfer der Kriege in Afghanistan, Pakistan und dem
Irak wird öffentlich erheblich unterschätzt. Sie liegt bei weit über
einer Million Toten. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die heute
zeitgleich in Berlin, Washington und Ottawa veröffentlicht wurde. Die
deutsche, US-amerikanische und die kanadische Sektion der Internationalen
Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) stellten die
erschreckenden Ergebnisse zwölf Jahre nach Beginn des Irakkrieges vor.
Die Zahl der Opfer des sogenannten "Krieges gegen den Terror" wurde
öffentlich kaum diskutiert. Wenige Zahlen wurden bekannt gegeben und
diese schienen erheblich zu niedrig. Da die Todesopfer von offizieller
Seite nicht gezählt wurden, gründete sich in Großbritannien während
des Irakkrieges eine zivilgesellschaftliche Initiative namens "Iraq Body
Count" (IBC). Ihrer Homepage zufolge hat der Irakkrieg bis heute etwa
211.000 Menschen das Leben gekostet. IBC addiert die Zahlen von
überprüften Mediendaten aus Krankenhäusern und Leichenhäusern, von
Nicht-Regierungsorganisationen und offiziellen Daten.
Die tatsächliche Zahl an Todesopfern, die der Krieg kostete, ist jedoch
fast 10-mal so hoch: Das belegen mehrere Studien. 2006 veröffentlichte
eine Gruppe von WissenschaftlerInnen um den US-Epidemiologen Les Roberts
eine mortalitäts-basierte Studie im "Lancet" (eine weltweit renommierte
Medizin-Fachzeitschriften), in der die Zahl der Todesopfer nach damals
drei Jahren Krieg im Irak auf etwa 655.000 geschätzt wurde. Die
angesehene britische Umfrageagentur Opinion Research Business (ORB)
errechnete 2007 nach einer Befragung der Bevölkerung sogar über eine
Million Tote bis zu diesem Zeitpunkt.
Die drei IPPNW-Sektionen (USA, Deutschland und Kanada) haben zum Jahrestag
des Irakkrieges eine Schätzung der Gesamtzahl der Todesopfer an den drei
Hauptschauplätzen des Anti-Terror-Krieges unternommen. Unter der
Maßgabe, dass die Quellen für diese Zahlen sehr heterogen und die
statistischen Intervalle für entsprechende Studien sehr breit sind,
summieren sich die etwa eine Million Toten aus 10 Jahren Irakkrieg sowie
über 220.000 Opfer aus Afghanistan und circa 80.000 aus Pakistan auf
insgesamt etwa 1,3 Millionen Todesopfer. Dieses erschreckende Ausmaß muss
dringend öffentlich wahrgenommen und diskutiert werden.
Dr. Hans-Cristof von Sponeck, ehemaliger UN-Koordinator für humanitäre
Fragen im Irak (1998-2000), nennt die Untersuchung im Vorwort "ein
mächtiges Aide-Mémoire für die rechtliche und moralische Verantwortung,
Täter zur Rechenschaft zu ziehen." Für die US-amerikanischen
IPPNW-Sektion unterstreicht die Untersuchung das Ausmaß menschlicher
Zerstörung, die weltweit Hass anfeuere, in einer Zeit, in der die
US-Regierung neue und erweiterte Militäroperationen im Irak und in Syrien
erwäge. Außerdem liefere "Body Count" den Kontext, um den Aufstieg
brutaler Kräfte, wie den des IS zu verstehen, die als Folge der
US-Politik weiter gedeihen würden.
Body Count: Casualty Figures After 10 Years of the »War on Terror« –
Iraq, Afghanistan, Pakistan, March 2015,
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/Body_Count_first_international_edition_2015_final.pdf
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19. März 2015
IPPNW: 12. Jahrestag des Irak-Krieges: Opferzahlen des "Krieges gegen den Terror"
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