EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis will die
Neuzulassung des umstrittenen Glyphosats offenbar
möglichst schnell und noch dazu unter Ausschluss der Öffentlichkeit
durchsetzen. Dabei ist das Allround-Pflanzengift umstritten wie nie zuvor.
Schon die
grundsätzliche Entscheidung der Kommission zugunsten des Giftes, das unter
Umständen krebserregend wirken kann, ist völlig unverständlich. Geradezu
unverantwortlich aber ist es, dass die EU-Kommission die Anwendung des
Herbizids ohne Auflagen genehmigen will. So soll sogar der in der
Bundesrepublik untersagte Einsatz als Reifebeschleuniger von Getreide (Sikkation) erlaubt sein. Auch soll es keine
Mengenbeschränkung geben. Zudem will die Kommission den Verkauf an Laien für
den Gebrauch im Garten und auf Gehwegen ebenfalls weiter zulassen. Mit diesem
Kurs, der weit hinter die Appelle selbst konservativer Branchenexperten
zurückfällt, offenbart die Kommission einen blinden Gehorsam gegenüber agroindustriellen
Interessen.
Eine
überstürzte Neuzulassung für weitere 15 Jahre hätte fatale Folgen. Vor einer
solch weitreichenden Entscheidung müssen wenigstens noch die Glyphosat-Bewertungen der Europäischen Chemikalienagentur
(ECHA) und der WHO-Pestizidexperten vom Joint Meeting on Pesticide
Residues (JMPR) abgewartet werden. Außerdem müssen
die Umweltrisiken stärker einbezogen werden, das hatte selbst die äußerst
zulassungsfreundliche Europäische Lebensmittelbehörde EFSA angemahnt.
Dass selbst das
Bundesinstitut für Risikoforschung BfR inzwischen
seine Entwarnung in Sachen Glyphosat und Krebsgefahr
deutlich relativiert, spricht Bände. Ohne eine gründliche und unabhängige
Neubewertung darf Glyphosat nicht wieder zugelassen
werden.
Wir appellieren
deshalb zugleich an Bundesagrarminister Christian Schmidt, den Vorschlägen der
Experten des bundeseigenen Julius-Kühn-Instituts (JKI) sowie des
Umweltbundesamtes zur Glyphosat- und
Pestizid-Reduktion zu folgen. Das JKI hat gerade erst aufgezeigt, dass die
Landwirtschaft keineswegs auf Glyphosat angewiesen
ist, sondern über genügend landbauliche Alternativen verfügt.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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