4. April 2026

Quecksilber-Kontamination in Cheine - soll die Allgemeinheit zahlen?

 



In der Bürgerversammlung vom 02.03.2026 im Feuerwehrhaus Cheine, die von Landrat Steve Kanitz (Altmarkkreis Salzwedel) und Olaf Meining (Bürgermeister der Stadt Salzwedel) geleitet wurde, herrschte allgemeiner Konsens, dass das auf der Straße Molochsberg gefundene Quecksilber nur aus der altmärkischen Erdgasförderung stammen kann.

Sogar das Erdgas-Unternehmen Neptune Energy, das zunächst betont hatte, in den "vergangenen Monaten" keine Arbeiten ausgeführt zu haben (Salzwedeler Volksstimme vom 28.02.2026), räumte später ein, dass von August bis November 2025  in der Umgebung Cheines alte Erdgasleitungen rückgebaut, zerlegt und abtransportiert wurden (Volksstimme vom 06.03.2026).  In den alten Erdgasrohren befinden sich erhebliche Ablagerungen von Quecksilber. In der als Entsorgungsstelle benutzten Giftschlammgrube Brüchau haben diese sich zu vielen hundert Tonnen angesammelt.

Inzwischen rücken die Kosten von Untersuchung und Beseitigung der Kontamination in den Fokus. - Und da nun setzt auf einmal ein großes Rätselraten ein, wer für den Schaden verantwortlich sei. So lange der oder die Verursacher nicht gefunden seien, gelte die Anweisung des Altmarkkreises an die Stadt Salzwedel, die Schadensbeseitigung und die Gesamtkosten zu übernehmen.

Hierzu haben wir in einer Presseerklärung vom 30.03.2026 folgendermaßen Stellung genommen:

1.) Verantwortliche brauchen nicht gesucht zu werden. Verantwortlich sind diejenigen, die für die Erdgasförderung in der Altmark verantwortlich sind. Wer behauptet, dass das in Cheine gefundene Quecksilber nicht zusammen mit dem Erdgas aus dem Untergrund der Altmark hoch gefördert wurde, muss sagen, wo es statt dessen herkommen könnte. 

2.) Firma Neptune behauptete zunächst, dass sie in der Umgebung von Cheine in der letzten Zeit keine Arbeiten vorgenommen habe, räumte später aber ein, dass sie einige Monate zuvor Rückbauarbeiten ausgeführt hatte.

3.) Anwohner berichteten, dass Fahrzeuge, wie sie im Bergbau verwendet werden, auf der Straße Molochsberg unterwegs waren.

4.) Neptune und die von ihr für den Transport der alten Rohre beauftragte Firma schoben sich gegenseitig die Verantwortung für eventuell nicht einwandfreie Ausführung der Arbeiten zu.

5.) Dass es zwischen den Firmen diesbezüglich offenbar keinen Konsens gibt, kann nicht die Folge haben, dass die öffentliche Hand die Kosten übernimmt. Weder der Landkreis, noch die Stadt Salzwedel sind daran schuld, dass Cheine mit Queksilber kontaminiert wurde. Wenn die öffentlichen Organe - und somit wir alle - die Kosten übernehmen würden, die die
Verursacher der Kontamination erzeugt haben, wäre das ein Skandal erster Ordnung - ein Musterbeispiel für "Gewinne privatisieren - Kosten sozialisieren". Zu solch einem empörenden Geschehen darf es auf keinen Fall kommen!

Am 01.04.2026 verteilten wir das hier anhängende Flugblatt in Briefkästen am Molochsberg. Heute bestätigt die Volksstimme ("Quecksilber: Salzwedel muss ran") die oben genannte Befürchtung
(Anhang 2).

Im "Verhaltenskodex" der Firma Neptune kann man lesen: "Neptune Energy hat es sich zur Aufgabe gemacht, Geschäfte ... mit einem Höchstmaß an Ethik und Integrität und mit Respekt vor den Rechten und der Würde aller Menschen zu führen."

Wenn die Firma Neptune dementsprechend handeln würde, würde sie keinen Prozess führen, ob nun Neptune oder die von ihr beauftragte Transportfirma für den Schaden verantwortlich ist, sondern würde die Kosten übernehmen. Neptune hat über viele Jahrzehnte den altmärkischen Bodenschatz kostenlos erhalten, während im westlichen Nachbarland ein "Förderzins" anfällt. Es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn Neptune wenigstens die Kosten des Schadens übernehmen würde, der ohne Erdgasförderung nicht eingetreten wäre.

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