- Britische Regierung will Öl- und Gasförderung im Ausland beenden
- Deutsche Außenwirtschaftsförderung und KfW müssen folgen
- Munich Re Einschränkungen im Öl- und Gasbereich bei Anlagen & Versicherung
Berlin, 15.12.2020
Die britische Regierung
hat den virtuellen Klimagipfel am Wochenende genutzt, um neue Regeln
für die öffentliche Förderung fossiler Energien anzukündigen. Alle
Arten der Förderung durch Exportfinanzierung, finanzielle
Zusammenarbeit und Handelsförderung für neue Öl-, Gas- und (thermische)
Kohleprojekte sollen beendet werden. Dieser Schritt ist
signifikant, da Großbritannien ein wichtiger Akteur in dem Bereich ist.
Allein in den vergangenen vier Jahren flossen 21 Milliarden Pfund
Zuschüsse in den Abbau und die Weiterverarbeitung fossiler Energien
weltweit. [1] Obwohl es kleinere Ausnahmen gibt und Details noch geklärt
werden müssen, begrüßen Umweltorganisationen den Schritt.
„Die
Bundesregierung ist gerade dabei, an einer Klima-Strategie für die
Exportkreditgarantien zu arbeiten. Sie ist Hauptbesitzerin der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Sie sollte sich an dem konsequenten Ansatz Großbritanniens ein Beispiel
nehmen. Nachdem die Außenwirtschaftsförderung für Kohle beendet wurde,
muss die Bundesregierung dies nun ebenfalls für Öl und Gas tun. Wenn die
Klima-Strategie für Exportkreditgarantien und die KfW Sustainable
Finance Roadmap diese Themen nicht adressieren, sind beide veraltet,
bevor sie veröffentlicht werden," erklärt Regine Richter, Energiecampaignerin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald.
Auch
klimabewusste private Finanzakteure nehmen das Öl und Gas Thema in den
Fokus. Beim Investorentag vergangene Woche hat der Rückversicherer Munich Re angekündigt, im Anlagebereich die finanzierten CO2-Emissionen im Öl- und Gasbereich bis 2025 um 25 Prozent zu reduzieren (im Kohlebereich um 35 Prozent) und im Versicherungsgeschäft um 5 Prozent (im Kohlebereich um 35 Prozent).
Dazu kommentiert Richter: „Es
ist positiv, dass zu den Aktivitäten im Kohlebereich nun der Öl- und
Gasbereich ins Visier genommen wird, auch im Versicherungsgeschäft.
Diese generelle Botschaft an Öl- und Gasunternehmen ist gut. Eine
spezielle Botschaft an Unternehmen jedoch fehlt, dass neue Geschäfte mit
dem Klimaziel nicht vereinbar sind, obwohl der Production Gap Bericht
von UNEP dies gerade bestätigt hat.“ Der Bericht dokumentiert die
Diskrepanz zwischen Klimazielen und neu geplanter Öl- und Gasförderung.
Statt neue Felder zu erschließen müsse die Förderung bis 2030 um 6 Prozent sinken, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.
Hier sieht Richter eine Aufgabe für die Idee einer „Net-Zero Underwriting Alliance“,
die ebenfalls beim virtuellen Klimagipfel vorgestellt wurde [3] und das
Versicherungsgeschäft in Richtung Klimaneutralität bringen soll. „Diese
von der UNO geführte Initiative muss so ausgestaltet werden, dass der
Weg bis 2050 mit klaren Zwischenzielen konkretisiert wird und keine neue
Öl- und Gasförderung mehr abgesichert wird.“
Noitzen:
[1] https://www.theguardian.com/world/2020/dec/11/eu-leaders-reach-deal-to-cut-emissions-by-at-least-55-by-end-of-decade
[2] https://www.munichre.com/content/dam/munichre/mrwebsiteslaunches/investor-day-2020/MunichRe-Investor-Day-2020-12-08.pdf/_jcr_content/renditions/original./MunichRe-Investor-Day-2020-12-08.pdf, Folie 16

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