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29. Juli 2026

Mitmachen: Endlich sozialer Klimaschutz. Du machst den Unterschied!

Mitmachen

Am 12. Oktober hat Hamburgs Bevölkerung sich ein neues Klimaschutzgesetz gegeben. Mit 304.063 Ja-Stimmen und einer Mehrheit von 53,2% konnten wir gemeinsam klarmachen, dass Hamburg sozialen, transparenten und verbindlichen Klimaschutz will! Jetzt muss der Senat und die Bürgerschaft die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen umsetzen.

Da kommen wir ins Spiel: wir müssen uns aktiv in den Diskurs über die kommenden Maßnahmen einbringen und Druck auf den Senat aufrechterhalten! Dabei ist es wichtig, dass wir die Hamburger*innen weiterhin auf dem Weg zur Klimaneutralität mitnehmen, in den Prozess einbinden und aufzeigen, welche Vorteile sozialer Klimaschutz im Alltag bietet.

17. Juli 2026

5 Jahre nach der Ahrtal-Katastrophe: Höchste Zeit für eine solidarische Elementarschadenversicherung


 

Berlin, 13.07.2026

Morgen jährt sich die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal zum fünften Mal. Zu diesem Anlass fordert urgewald den Bundestag und die Bundesregierung erneut auf, schnellstmöglich ein solidarisches und für Verbraucher*innen bezahlbares Versicherungssystem einzuführen. Denn weiterhin sind nur rund 57 Prozent der Wohngebäude gegen Elementarschäden wie Überschwemmungen oder Starkregen versichert. Im Katastrophenfall springt der Staat daher regelmäßig mit Soforthilfen in Milliardenhöhe ein, allein 30 Milliarden Euro im Zuge der Ahrtalflut-Katastrophe. Da solche Schäden infolge der Klimakrise weiter zunehmen, drohen staatliche Haushalte und Verbraucher*innen finanziell zunehmend überfordert zu werden.

Um dem entgegenzuwirken, sieht der Koalitionsvertrag von Union und SPD die Einführung eines öffentlich-privaten Versicherungssystems gegen Elementarschäden vor – doch die vom Bundesjustizministerium angekündigten Eckpunkte lassen weiterhin auf sich warten. „Wir brauchen endlich ein flächendeckendes, solidarisches System, das Klimarisiken bezahlbar absichert und niemanden im Schadensfall alleinlässt“, sagt Anna Lena Samborski, Versicherungs-Campaignerin bei urgewald. 

Dabei zeigen die öffentlich-privaten Versicherungssysteme in Frankreich und in den Schweizer „GUSTAVO“-Kantonen [1], wie ein solidarisches System auch in Deutschland aussehen könnte. Die dortigen Modelle zeichnen sich durch eine hohe Versicherungsdichte von bis zu 98 Prozent bei gleichzeitig relativ niedrigen Prämien aus. So liegt die durchschnittliche Jahresprämie für eine Elementarschadenversicherung im Gebäudebereich in Frankreich bei 42 Euro. In einem Hintergrundpapier [2] von April 2026 hat urgewald unter anderem diese beiden Systeme analysiert. Die Fraktion Die Linke hat vor kurzem einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der Elemente beider Modelle miteinander verbindet.[3]

urgewald weist zudem auf die zwiespältige Rolle der Versicherungsbranche in der Debatte in Deutschland hin. Denn diese heizt die Klimakrise aktiv weiter an, indem sie fossile Projekte absichert und in fossile Unternehmen investiert.[4] Gleichzeitig lobbyiert die Branche aus eigenen finanziellen Interessen seit Jahren gegen ein solidarisches System mit einer flächendeckenden Absicherung und niedrigen Prämien. Für urgewald macht das eine Ausweitung der Debatte nötig. Dazu sagt Samborski: „Da die Versicherungslobby die Einführung eines solidarischen, öffentlich-privaten Systems seit Jahrzehnten ausbremst, ist es an der Zeit, auch über rein staatliche Lösungen zu diskutieren.“

Vorbild könnte das Schweizer System in Kantonen mit staatlichem Monopolversicherer sein. Dieses gilt als hocheffektiv. Die Prämien sind dabei deutlich niedriger als in Kantonen mit privaten Anbietern. Gleichzeitig fließen Gelder aus dem System direkt in Präventionsmaßnahmen, was Schäden reduziert und somit auch langfristig für relativ niedrige Prämien sorgt. Zwar wären staatliche Monopolversicherer wie in der Schweiz aktuell nicht mit EU-Recht vereinbar. Jedoch ließe sich, etwa über ein Fonds-System, ein ähnliches Modell auch in Deutschland etablieren.

Die Debatte um eine solidarische Elementarschadenversicherung hat auch eine grundlegende Bedeutung aus Sicht der Klimagerechtigkeit, betont Samborski: „Mit der Diskussion über die Absicherung von Klimaschäden ist eine zentrale Frage der Klimagerechtigkeit mitten in Deutschland angekommen: Wer soll die Kosten der Klimakrise zahlen? Die fossile Industrie muss als Hauptverursacherin der Krise an den Kosten für Prävention und Klimaschäden beteiligt werden.“

In diesem Kontext lohnt sich ein Blick auf die sogenannten „Climate Superfunds“, welche 2024 in den US-Bundesstaaten Vermont und New York erlassen wurden. Diese Fonds sollen durch Zahlungen der fossilen Industrie gespeist werden und daraufhin Präventionsmaßnahmen sowie die Bewältigung von Klimaschäden finanzieren. Die Einbettung eines solchen Fonds in ein solidarisches Versicherungssystem würde die fossile Industrie direkt an den Kosten der Klimakrise beteiligen, Präventionsmaßnahmen stärken und die Prämien für Verbraucher*innen weiter senken. Fünf Jahre nach der Ahrtal-Katastrophe ist es höchste Zeit, auch in Deutschland die notwendigen politischen Entscheidungen für solche Schritte zu treffen.

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  1. In der Schweiz gibt es zwei Systeme. In den meisten Kantonen wird die Elementarschadenversicherung verpflichtend über staatliche Monopolversicherungen abgewickelt. In einigen wenigen Kantonen, den sogenannten GUSTAVO-Kantonen, gibt es hingegen ein öffentlich-privates System, was auf privaten Versicherern basiert und vom Staat reguliert wird.

  2. Das Hintergrundpapier zum Download: https://www.urgewald.org/sites/default/files/media-files/Hintergrundpap…
  3. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw16-de-elementarsch…
  4. https://shareaction.org/reports/insuring-disaster-2026-shareactions-ass…

Neuer Banken-Bericht: Mehr als 900 Mrd. US-Dollar für fossile Brennstoffe in 2025

 


New York, Frankfurt, 09.06.2026

Die 65 größten Banken der Welt haben allein im vergangenen Jahr 906 Milliarden US-Dollar an Unternehmen im Bereich fossiler Brennstoffe vergeben, was einem Anstieg von 8 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Seit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens vor einem Jahrzehnt haben diese Banken 8,7 Billionen US-Dollar in Öl-, Gas- und Kohleprojekte fließen lassen. Dies sind zentrale Ergebnisse des heute veröffentlichten 17. Berichts „Banking on Climate Chaos“ (BOCC) – dem weltweit umfassendsten öffentlich zugänglichen Datensatz zur Finanzierung fossiler Brennstoffe durch führende Geschäftsbanken.  

„Banking on Climate Chaos“ wird herausgegeben von den Organisationen Rainforest Action Network, BankTrack, Center for Energy, Ecology, and Development, Indigenous Environmental Network, Oil Change International, Reclaim Finance, Sierra Club und urgewald.

Bericht zum Download und sämtliche Analysen

Wichtigste globale Ergebnisse 

Die US-Bank JPMorgan Chase bleibt weltweit größter Geldgeber fossiler Brennstoffe und stellte im Jahr 2025 insgesamt 58 Milliarden US-Dollar für Unternehmen aus der fossilen Brennstoffindustrie bereit, was einem Anstieg von 12,6 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Die Bank of America liegt mit 47 Milliarden US-Dollar an zweiter Stelle und die japanische Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) belegt mit ebenfalls 47 Milliarden US-Dollar den dritten Negativplatz. 

Die „Dirty Dozen“, die zwölf größten Banken im Bereich fossiler Brennstoffe, stellen mittlerweile fast 40 Prozent aller weltweiten Bankenfinanzierungen für fossile Brennstoffe bereit – unter insgesamt rund 2.000 Banken weltweit.

Die Finanzierung für fossil expandierende Unternehmen, welche Kohle-, Öl- und Gasaktivitäten ausbauen, stieg im Jahr 2025 um 27 Prozent auf 508 Milliarden US-Dollar. Jede einzelne dieser Expansionsfinanzierungen ist unvereinbar mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf das in Paris vereinbarte Limit von 1,5 Grad Celsius.

Der Anteil der US-Banken an der gesamten weltweiten Bankenfinanzierung für fossile Brennstoffe stieg von 28 Prozent im Jahr 2021 auf 32 Prozent in 2025 und stellt die weltweit größte Einzelquelle für fossiles Finanzkapital dar. 

Europäische Banken weisen den deutlichsten Abwärtstrend zwischen 2024 und 2025 auf: Die Schweizer UBS reduzierte ihre fossilen Geschäfte um 36 Prozent, die spanische La Caixa um 34 Prozent und die französische BNP Paribas um 28 Prozent. Die britische Standard Chartered steigerte ihre Finanzierungen für fossile Brennstoffe hingegen um 28 Prozent, die Deutsche Bank um 20 Prozent und HSBC um 16 Prozent.

Wichtigste Trends in der Finanzierung fossiler Expansionsgeschäfte 

(▲ steht für eine Steigerung der Finanzierung zwischen 2024 und 2025)

▲ Boom in den Sektoren Midstream und fossiles Gas: Im Vergleich zu 2024 erhöhten die 65 größten Banken ihre Finanzierungen für im Bereich Midstream expandierende Unternehmen im vergangenen Jahr um erschreckende 84 % bzw. 116 Mrd. US-Dollar. Die drei größten Einzelempfänger von Bankenfinanzierung weltweit waren im vergangenen Jahr allesamt Unternehmen aus dem Öl- und Gas-Midstream-Sektor. Der US-Konzern Venture Global war mit 33 Mrd. US-Dollar insgesamt größter Einzelempfänger in 2025.

▲ Die Finanzierung von im Bereich Öl- und Gasförderung expandierenden Unternehmen stieg von 192 Mrd. US-Dollar auf 217 Mrd. US-Dollar.

▲ Die Finanzierung von im Bereich Midstream expandierenden Unternehmen stieg von 139 Mrd. US-Dollar auf 255 Mrd. US-Dollar.

▲ Die Finanzierung für den Ausbau von Gaskraftwerken stieg von 154 Mrd. US-Dollar auf 199 Mrd. US-Dollar.

▲ Expansion im Kohlebergbau: Die Finanzierung stieg 2025 um 77 % auf nun 84 Mrd. US-Dollar.

▲ Expansion im Bereich Kohlekraftwerke: Die Finanzierung stieg innerhalb eines Jahres um 40 % und liegt nun bei 81 Mrd. US-Dollar.

Zitate zu globalen Ergebnissen

Niko Lusiani, Leiter der Recherche bei Rainforest Action Network (Co-Autor), sagt: „Ein Jahrzehnt nach Paris stehen aktuell nur zwölf Banken hinter mehr als einem Drittel der weltweiten Finanzierungen für fossile Brennstoffe. Dies beweist, dass es hier nicht mehr um ein branchenweites Problem geht, sondern um die Entscheidungen einer kleinen Gruppe von Führungskräften im Finanzsystem. Sie entscheiden sich dafür, ein Energiesystem zu zementieren, das einigen wenigen fossilen Unternehmen Rekordgewinne beschert, während die Kosten auf drei Viertel der Menschheit abgewälzt werden, welche auf fossile Brennstoffimporte angewiesen sind. Die gute Nachricht ist: Was eine Handvoll Banken aufgebaut hat, können Regierungen und Menschen weltweit ändern.“

Diogo Silva, Kampagnenleiter bei BankTrack (Co-Autor), ergänzt: „Banken erzählen uns immer wieder, dass sie sich für den Klimaschutz engagieren. Doch sobald der politische Druck zunimmt, brechen sie ihre eigenen Richtlinien. Freiwillige Zusagen hatten ihre Chance. Wir brauchen endlich verbindliche Regeln – keine Versprechen.“

Lucie Pinson, Gründerin und Geschäftsführerin von Reclaim Finance (Co-Autorin), sagt: „Während US-amerikanische und japanische Banken weiterhin Milliarden in Kohle, Öl und Gas pumpen, um ohne Rücksicht auf die Folgen kurzfristige Gewinne zu erzielen, haben einige europäische Banken erste Maßnahmen beschlossen, um die Finanzierung neuer Öl- und Gasförderung einzuschränken. BNP Paribas und Crédit Agricole, beide unter den zehn größten Banken der Welt, haben gezeigt, dass solche Maßnahmen zu einer erheblichen Reduzierung der Finanzierungen führen können. Dies zeigt, dass es Alternativen zum fossilen Status Quo gibt. Anhaltender öffentlicher Druck kann Veränderung erzwingen. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Druck aufrechtzuerhalten und zu verstärken, bis der Ausschluss fossiler Finanzierung zur Norm wird.“

Philipp Noack, Finanz-Campaigner bei urgewald (Co-Autor), ergänzt: „Unsere Untersuchung zeigt die wachsende Kluft zwischen den Banken, die die Klimakrise ernst nehmen, und denen, die so tun, als gäbe es sie nicht. Banken spielen eine entscheidende Rolle beim Übergang zu einem nachhaltigen Energie- und Wirtschaftssystem und jede einzelne von ihnen sollte ihrer Verantwortung gerecht werden.“

Zentrale Ergebnisse für Europa und die DACH-Region 

Die BOCC-Auswertung zeigt, dass einige europäische Banken, darunter die französischen Banken BNP Paribas und Crédit Agricole sowie insbesondere die Schweizer Bank UBS, das Niveau ihrer fossilen Finanzierungen über die vergangenen Jahre teils stark reduziert haben. Die Banken in der Europäischen Union zeigen einen Abwärtstrend beim Anteil ihrer Finanzierung von 12,0 Prozent im Jahr 2021 auf 11,1 Prozent im Jahr 2025: ein Rückgang um über 9,4 Milliarden US-Dollar. 

Ergebnisse für UBS

Die UBS reduzierte ihre Finanzierungen für fossile Brennstoffe seit 2021 kontinuierlich, von 21,1 Milliarden US-Dollar auf 3,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 – ein Rückgang von mehr als 82 Prozent. Die früheren fossilen Finanzsummen der Credit Suisse wurden nach der Übernahme durch die UBS im Jahr 2023 berücksichtigt. 

Philipp Noack, urgewald-Finanz-Campaigner, kommentiert: „Auch wenn die UBS nach wie vor einige hochproblematische Konzerne wie zum Beispiel Glencore mit Geld versorgt, zeigt sie, dass große Geschäftsbanken relativ schnell ihre fossilen Geschäfte verringern können. Diesen Weg muss der gesamte europäische Bankensektor einschlagen.“

Ergebnisse für deutsche Banken

Während Commerzbank und DZ Bank einen uneindeutigen Trend bei ihrem fossilen Finanzniveau aufweisen, sticht die Deutsche Bank durch eine fast kontinuierliche und deutliche Ausweitung ihrer fossilen Finanzierung heraus: Im Jahr 2021 lag sie bei 11,1 und im Jahr 2025 bei 17,7 Milliarden US-Dollar: ein Anstieg von fast 60 Prozent. Dazu gehört ein deutlicher Sprung nach oben zwischen 2024 und 2025: um fast 20 Prozent. 

Beim Blick auf die Empfänger der Deutsche-Bank-Finanzierungen zeigen sich klar die Folgen der massiven Lücken in ihren Richtlinien, insbesondere in ihrer Öl- und Gas-Richtlinie. So will die Bank zwar die CO2-Emissionen ihrer Öl- und Gasgeschäfte reduzieren, dies gilt aber nur für die Kreditvergabe, nicht aber für das ebenfalls sehr wichtige Finanzierungsfeld der Herausgabe neuer Aktien und Anleihen (Underwriting). Zudem gelten die CO2-Ziele nur für das Öl- und Gasfördergeschäft (Upstream), nicht aber für Unternehmen, welche die nötige Transportinfrastruktur bereitstellen (Midstream).

Im Jahr 2025 war die Deutsche Bank europaweit der größte Finanzierer von Konzernen, die im Sektor LNG expandieren. Die größten Einzelempfänger von Finanzierung zwischen 2021 und 2025 waren die US-Konzerne Enbridge (4,2 Mrd. USD) und Venture Global (3,2 Mrd. USD), die durch ihre nordamerikanischen Pipelines bzw. LNG-Exportterminals das Rückgrat des fossilen Expansionsmodells der USA unter Donald Trump bilden. Darauf folgen die Öl- und Gas-Multis BP (2,9 Mrd. USD) und TotalEnergies (2,5 Mrd. USD). 

urgewald-Recherchen zeigen zudem: Im Bereich Underwriting war die Deutsche Bank im Jahr 2025 an der Auflage gleich mehrerer Anleihen mit extrem langer Laufzeit für fossil expandierende Konzerne beteiligt: für TransCanada Pipelines (zwei Anleihen bis 2065 bzw. 2085), Energy Transfer (zwei Anleihen jeweils bis 2056) und Exxon Mobil (zwei Anleihen jeweils bis 2075). Damit sichert sie langfristig Investitionen ab, welche die Klimakrise massiv verschärfen werden.

Noack sagt: „Die Deutsche Bank ist eine große Enttäuschung, wenn es um klima- und transformationsgerechte Finanzgeschäfte geht. Sie setzt weiterhin im gewaltigen Umfang auf fossile Expansion, die vielleicht kurzfristige Renditen bringt, aber mittel- und langfristig Wirtschaft und Gesellschaft destabilisiert. Sie sollte sich ein Vorbild nehmen an Banken wie BNP Paribas, Crédit Agricole oder UBS, die ihre fossilen Finanzen in den vergangenen Jahren reduziert haben. Der wirksamste Hebel für Banken ist der Ausschluss der Finanzierung fossiler Expansion und den nutzt die Deutsche Bank bislang nicht.“

Bei der Commerzbank setzt sich der Schlingerkurs in der fossilen Finanzierung fort. Nach einem kontinuierlichen Anstieg zwischen 2022 und 2024 von 2,2 auf 3,8 Milliarden US-Dollar, reduzierte sie ihr fossiles Finanzvolumen in 2025 mit 2,3 Milliarden US-Dollar wieder fast auf das vorherige Niveau. Die größten Einzelempfänger der Commerzbank im gesamten erfassten Zeitraum waren der Schweizer Rohstoffhändler Vitol (1,4 Mrd. USD), die deutsche EnBW (894 Mio. USD) und BP (858 Mio. USD).

Noack sagt: „Die Commerzbank hat erst vor kurzem, genauso wie die Deutsche Bank, ihre Kohlerichtlinie abgeschwächt. Eine solche Ambitionslosigkeit bei der klimagerechten Transformation, gerade im Sektor Kohle, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Die jüngsten fossilen Preisschocks zeigen in aller Klarheit, dass die Zukunft erneuerbar ist.“

Auch die DZ Bank lässt einen klaren Trend in ihrem fossilen Geschäft vermissen. Zwischen 2021 und 2023 steigerte sie ihr Volumen deutlich von 983 Millionen auf 2,3 Milliarden US-Dollar, um es dann auf 1,2 Milliarden US-Dollar in 2024 zu reduzieren und zuletzt erneut auf 1,7 Milliarden US-Dollar in 2025 zu steigern. Die größten Einzelempfänger im Gesamtzeitraum waren die EnBW (857 Mio. USD), Venture Global (767 Mio. USD) und der Rohstoffhändler Trafigura (736 Mio. USD).

5. Juli 2026

Hitzealarm und Klimakrise: Klimabündnis fordert Reiches Entlassung

 




Das Klimacamp und die Großdemo im Mai auf Hammer Stadtgebiet haben der Hammer Klimabewegung Aufwind gegeben. Das "Klimabündnis Hamm" hat vor drei Jahren die Arbeit ruhen lassen,  ruft aber aktuell wieder für Freitag, den 10.07., zu einer Veranstaltung am Gersteinkraftwerk auf. Es geht los mit einer Fahrraddemo, die um 17 Uhr am Hauptbahnhof in Hamm startet. Der Korso soll in einer knappen Stunde den Versammlungsort am Gersteinkraftwerk erreichen, wo eine Kundgebung stattfinden wird. Zurück geht es dann wieder gemeinsam. In Summe sind das 18 km.

Mit dieser Veranstaltung reiht sich Hamm in den bundesweiten Protest ein, zu dem Fridays Ffor Future für den kommenden Freitag aufgerufen haben. 

"Die vergangene Hitzewelle hat klar gezeigt: Die Klimakrise hat uns erreicht. Wir müssen handeln", begründet Ulrich Mandel von Parents For Future Hamm den Protest der Klimabewegung. "Ganz Deutschland ächzte unter der Hitze und die Menschen spürten, dass ihr Leben bedroht ist."

Das Bündnis will Druck machen: "Obwohl Straßen schmelzen und Notaufnahmen kollabieren, plant die Bundesregierung mit Bundeswirtschaftministerin Reiche den Ausbau von Gaskraftwerken. Dabei ist klar, dass es mit der Politik derdieser Bundesregierung so nicht weiter gehen kann", so die Motivation der Aktiven, kurz nach dem letzten Extremwetter erneut zu einer Demonstration aufzurufen.

Das Demo-Bündnis ist sich einig: "Die Ministerin hat in den letzten Monaten in nahezu jeder Stellungnahme zur Klimakatastrophe deutlich gemacht, dass sie an dem Schutz der Menschen nicht interessiert ist." Daher fordert es gemeinsam mit der bundesweiten Klimabewegung den Rücktritt von Katherina Reiche.

Klimabündnis Hamm 

1. Juli 2026

Hamburg: Hitzerekord in Hamburg – Deutsche Bahn und Senat mitverantwortlich

 


Für das Diebsteich-Projekt wurden 425 Bäume gefällt, davon 42 genehmigungspflichtige (das sind nach amtlicher Definition Bäume, die in 130 cm über Bodenoberkante einen Stammdurchmesser von 25 Zenti-meter haben). Ferner wurde das 10.000 m³ große Feuchtbiotop Posttrog trockengelegt. Das „Ersatzfeuchtbiotop, ein Tümpel von 500 m³ ist bei der großen Hitze ausgetrocknet.

Für das Sternbrückenabendteuer wurden 57 ausgewachsene, also genehmigungspflichtige Bäume an der Max-Brauer-Allee gefällt.

In beiden Fällen wurden „Ausgleichspflanzungen“ auch über das gesetzliche 1:1 Verhältnis hinaus zu-gesagt. Diese finden aber zum Teil in Naturschutzgebieten außerhalb der Landesgrenzen von Hamburg statt. Wann und wo ist unbekannt. Zum Teil wurde der Deutschen Bahn erlaubt die Ausgleichspflanzverpflichtungen monetär abzugelten. Wann und wohin die Gelder geflossen sind, ist unbekannt.

Mit dem sofort vollziehbaren Planfeststellungsbeschluss für den Bau des Bahnhofs Diebsteich von Ende 2017 begannen die Rodungsarbeiten schon im Frühjahr 2018. Üblicherweise erfolgen die Ausgleichspflan-zungen erst kurz vor bzw. nach Projektabschluss. Dieser sollte ja ursprünglich für Diebsteich Ende 2023 sein, wurde zwischenzeitlich ja auf 2030 verschoben. Wären die Ausgleichspflanzungen direkt im Anschluss an die Rodungsmaßnahmen erfolgt, hätten die nachgepflanzten Bäume bis heute schon 6 Jahre wachsen können. Jeder weiß, dass ein neugepflanzter Baum, auch wenn er bei Pflanzung schon 10 Jahre alt ist, rund 40 Jahre benötigt bis er dieselbe CO2 Bindungswirkung hat, wie ein alter Baum.

Und für die rd. 380 nicht genehmigungspflichtigen Bäume (im Amtsdeutsch abfällig als Ruderalgehölze be-zeichnet), die für das Diebsteich-Projekt ihr Leben lassen mussten, gibt es ebenso wenig Ersatz wie für das Feuchtbiotop. Aber beide haben einen enormen Einfluss auf das das Stadtklima.

Ferner sollen nach den noch immer nicht offiziell abgesagten Bauplänen als „Bahnhofsgebäude“ zwei 15 bzw. 18 Stockwerke hohe Hochhaustürme entstehen. Diese liegen pikanterweise in der Frischluftschneise und stören die Luftzirkulation, die für die Kühlung von Altona Nord und Altona Altstadt von zentraler Bedeutung ist. Gerade in den Hitzetagen wie am vergangenen Wochenende sind solche Frisch-luftschneisen besonders nötig, um eine Abkühlung der Stadt in der Nacht zu ermöglichen.

Allen politischen Sonntagsreden, die Städte Hitzeresilient zu machen, zum Trotz, hält der rot/grüne Senat sowie die Deutsche Bahn an dem für das Stadtklima höchst schädlichen Diebsteich-Projekt fest. So steuert man sehenden Auges weiter in die Klimakatastrophe.

Wir fragen daher die DB und den Senat:

• Sind für die Projekte Diebsteich und Sternbrücke schon die zugesagten Ausgleichspflanzungen erfolgt. Wenn ja, wann, wo und in welchem Umfang?

• Warum erfolgen die Ausgleichspflanzungen immer erst am Projektende und nicht zeitgleich mit den Baum-fällungen?

• Welche Vereinbarungen gibt es zwischen Stadt und Bahn, damit die Ausgleichspflanzungen in den von der Hitzewelle besonders betroffenen Kerngebieten erfolgen und nicht außerhalb Hamburgs?

• Welche Vereinbarungen gibt es zwischen Stadt und Bahn zum Ersatz des Feuchtbiotops Posttrog, welches eine wichtige Kühlfunktion für das Stadtklima hatte?

• Können Stadt und DB sich vorstellen, zum Erhalt der Frischluftschneise im Rahmen des Grünzugs Altona auf den Bau der Hochhaustürme am Diebsteich zu verzichten?

• Die Weltstadt Singapur hat als Klimaschutzmaßnahme gerade beschlossen, bis 2030 auf dem Stadtgebiet eine Million Bäume zu pflanzen. Kann sich der Senat ein ähnliches Programm für Hamburg vorstellen? Im Moment ist der Stadtbaumbestand in vielen Hamburger Bezirken rückläufig.

• Der Klimawandel ist seit Jahrzehnten bekannt. Warum wurde kein einziges Projekt unter strengen Umwelt-und Klimaschutzgesichtspunkten betrachtet?

Der Umweltverband Prellbock-Altona fordert daher:

• Sofortiger Baustopp für das Bahnhofsverlagerungsprojekt Diebsteich. Erhalt und Sanierung des bestehen-den Kopfbahnhofs Altona haben allein schon als Klimaschutzgründen Vorrang vor dem Neubau am Diebs-teich, der mit umfangreichen Abrissarbeiten (u.a. Brücken Plöner Straße) einhergeht.

• Nachpflanzungen bei Baumfällung haben zeitgleich mit diesen zu erfolgen.

• Auch für gerodete sog. Ruderalgehölze an Bahndämmen muss es eine Nachpflanzverpflichtung geben.

• Nachpflanzungen müssen immer im Verhältnis 1:10 erfolgen. Aus ökologischen Gründen wäre sogar ein Nachpflanzverpflichtung 1:100 im städtischen Raum erforderlich, um die CO2 Bindungswirkung eines alten gefällten Baumes auszugleichen.

Dazu Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative und Umweltverband Prellbock Altona e. V.: "Angesichts immer neuer Hitzerekorde müssen Stadt und auch die DB ihre klimapolitischen Verpflichtungen ernst nehmen. Es reicht nicht aus, ICE-Züge mit einem grünen Banner „Wir fahren zu 100 % mit Ökostrom“ zu versehen. Wenn Klimaschutz ernst gemeint ist, müssen klimaschädliche Großprojekte endgültig einge-stellt werden, das ist in Hamburg zu allererst das unsinnige Bahnhofsverlagerungsprojekt Diebsteich. Um die im Rahmen des bisherigen Projektverlaufes und auch des Projekts Sternbrücke eingetretenen Umwelt-schäden zu kompensieren, müssen Stadt und Bahn gemeinsame einen Aktionsplan erstellen, wie
die Ausgleichsmaßnahmen für die gefällten Bäume binnen eines Jahres im Kerngebiet von Hamburg umgesetzt werden. Die Klima-Aktionspläne anderer Großstädte wie Wien und Singapur sind hier als Vorbild zu nehmen."

Pressemeldung Prellbock Altona

27. Juni 2026

Sauberer Strom und mehr Artenvielfalt - Baustart für Biodiversitäts-Solarpark Dedendorf

 Hamburg/Dedendorf, 23. Juni 2026 – Gemeinsam mit der Landkraft Bürgerenergien Hoyaer Land eG hat Green Planet Energy den Bau eines neuen Biodiversitäts-Solarparks im niedersächsischen Dedendorf gestartet.

Spatenstich für den Solarpark Dedendorf mit Günter Nordmann (Bauleiter, maxsolar), Bernd Meyer (Vorstand, Landkraft), Kurt Schröder (Vorstand, Landkraft), Herbert Kaup (Landeigentümer), Wilhelm Schröder (Bürgermeister von Bücken), Melanie Nerlich (Projektleiterin, Green Planet Projects), Carsten Kaminski (Vorstand, Landkraft), Nikita Bolz (Projektmanager, Green Planet Projects), v.l.n.r.

Auf einer Fläche von 10,4 Hektar entsteht ein Solarpark mit einer geplanten Leistung von 10,3 Megawattpeak. Die Anlage kann künftig jährlich rund 9.950 Megawattstunden Ökostrom erzeugen und damit rund 3.000 Haushalte versorgen. Die Inbetriebnahme ist für Oktober 2026 vorgesehen. 

„Der Solarpark Dedendorf steht für das, was die Energiewende jetzt braucht: regional verankerte Projekte, die sauberen Strom liefern und gleichzeitig die Artenvielfalt stärken. Der erzeugte Strom fließt vollständig in unser Portfolio und kommt unseren Kund:innen zugute“, sagt Nils Müller, Vorstand von Green Planet Energy.  

Bürgerenergie vor Ort stärkt die Region 

Bürger:innen aus der Region können sich über die Genossenschaft Landkraft direkt einbringen und an der Energiewende vor Ort teilhaben. „Die Stärkung der heimischen Region und die Beteiligung der Menschen an der Erzeugung erneuerbarer Energie stehen für uns im Mittelpunkt. Mit dem Solarpark Dedendorf schaffen wir Wertschöpfung vor Ort und machen die Energiewende greifbar“, betont Kurt Schröder von der Landkraft Bürgerenergien Hoyaer Land. 

Solarpark als Lebensraum für Tiere und Pflanzen 

Neben der Stromerzeugung steht die Förderung der Artenvielfalt im Fokus. Die Maßnahmen gehen dabei bewusst über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. So werden die Modulreihen mit großzügigen Abständen geplant, damit ausreichend Licht für Pflanzen am Boden bleibt. Die Fläche wird mit zertifiziertem, gebietsheimischem Saatgut eingesät und als insektenfreundliche Blühwiese entwickelt. Die Solarmodule werden auf gerammten Erdständern montiert, so bleibt der Boden weitgehend unversiegelt und kann weiter als Lebensraum dienen. 

Zusätzlich wird die Fläche extensiv mit Schafen beweidet. Hecken aus regionalen Gehölzen schaffen Lebensräume für Vögel und Insekten. Der Zaun wird mit ausreichendem Abstand zum Boden gebaut, damit Kleintiere ihn passieren können; an mehreren Stellen entstehen zusätzliche Durchlässe auch für größere Tiere.  

Nächster Schritt: Batteriespeicher 

Green Planet Energy arbeitet derzeit an der Genehmigung für einen Batteriespeicher, eine Netzanschlusszusage hierfür liegt bereits vor. So kann der Solarstrom gezielt in die Abend- und Nachtstunden verschoben werden, wenn er besonders gebraucht wird. 

Über uns: Green Planet Energy, 1999 von Greenpeace gegründet, gehört ihren mehr als 50.000 Mitgliedern und ist damit Deutschlands größte Energiegenossenschaft. Sie versorgt rund 200.000 Haushalte und Geschäftskund:innen mit innovativen Ökostrom- und Gasprodukten. Dabei setzt Green Planet Energy auf Stromerzeugung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien: Die Genossenschaft betreibt Wind- und Solarparks sowie Elektrolyseure zur Produktion von grünem Wasserstoff (Windgas) und bezieht Strom ausschließlich aus Direktlieferverträgen – garantiert ohne Kohle- oder Atomstrom. Green Planet Energy unterstützt Kund:innen, Unternehmen und Kommunen bei ihrer Energiewende – von der eigenen Wärmepumpe über PV-Anlagen und Mieterstromprojekte bis hin zur kommunalen Wärmeplanung. Als nicht profitmaximierende Genossenschaft engagiert sich Green Planet Energy auch politisch für eine nachhaltige und sozial gerechte Energiewende. green-planet-energy.de 

Die Genossenschaft Landkraft Bürgerenergien Hoyaer Land eG wurde 2023 mit dem Ziel einer nachhaltigen Gestaltung der Energieversorgung, einer Stärkung der regionalen Wertschöpfung vor Ort und der Beteiligung von Bürger:innen an der Energiewende gegründet. landkraft.org 


18. Juni 2026

Silbersee - LAGB legt Beschwerde gegen die aufschiebende Wirkung der BUND-Klage ein: Neptune soll sofort mit der Realisierung seines "Plan B" beginnen dürfen

 



Wie der BUND-Landesvorstand Sachsen-Anhalt soeben mitteilt, hat das LAGB beim Oberverwaltungsgericht Beschwerde gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichtes eingelegt, wonach bis zur Entscheidung im Hauptsacheverfahren keinerlei Arbeiten zur Umsetzung des "Plan B" ("Sicherung" der Giftabfälle vor Ort statt Auskofferung) stattfinden dürfen.

Offensichtlich will das LAGB die drei Kardinalfehler, die es mit seiner Genehmigung des Plan B begangen hat, vertuschen:

1.) Durch Unterlassung einer Umweltverträglichkeitsprüfung wollte das LAGB die Öffentlichkeit ausschließen, was vom Verwaltungsgericht als rechtswidrig bewertet wurde.

2.) Die in der EU-Quecksilberverordnung enthaltenen rechtsgültigen Vorschriften wurden vom LAGB ignoriert.

3.) Das LAGB hat gegen seine Aufsichtspflicht verstoßen, indem es zuließ, dass Neptune "Vorversuche" zur Abreicherung des Quecksilbergehaltes als „Zulassungsprüfung“ deklarierte, um darauf die unzutreffende Behauptung stützrn zu können, dass es für das in der Giftgrube befindliche Material keine Entsorgungswege geben würde.

Das Oberverwaltungsgericht hatte in dem früheren Verfahren (2022) angeordnet, dass ausgekoffert und extern entsorgt werden muss. Wir sehen keine Umstände, die es veranlassen könnten, seine heute Position um 180 Grad zu ändern. Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass die Wahrheit siegen wird!

12. Juni 2026

Prozess des BUND für Auskofferung des „Silbersee“: Wichtiger Zwischenerfolg!

  

Prozess des BUND für Auskofferung des „Silbersee“:

Wichtiger Zwischenerfolg!



Am 1. Juni gab es ein großes BUND-Treffen in Brüchau am Silbersee. Unter anderem fanden sich die Vorsitzenden mehrerer Landesverbände und sogar der Bundesvorsitzende des BUND, Olaf Bandt, ein und bekräftigten, dass diese undichte Giftgrube entfernt und in sicheren Deponien entsorgt werden muss.

Genau eine Woche später kam das Verwaltungsgericht Magdeburg mit einer wichtigen Mitteilung heraus: Dem Antrag des BUND, dass seine Klage gegen die Umhüllung der Gifte mit Kunststoffmaterialien und dauerhaften Verbleib in Brüchau, aufschiebende Wirkung haben muss, wird stattgegeben. Andernfalls hätte Neptune – ungeachtet des Prozesses – mit der Umsetzung seines „Plan B“ beginnen können: Verträge mit Fremdfirmen wären geschlossen worden, praktische Arbeiten hätten begonnen. Dies alles durch einen konträren Prozessausgang wieder rückgängig zu machen, wäre zumindest äußerst kompliziert geworden.

Der jetzige Gerichtsbeschluss ist noch nicht rechtskräftig. Die Gegenseite kann beim Oberverwaltungsgericht dagegen vorgehen. Ob ein solcher Aufwand sich lohnen würde, dürfte allerdings fraglich sein. Als Neptune gegen die damals (2022) vom LAGB angeordnete Auskofferung klagte, gewann es vor dem Verwaltungsgericht. Daraufhin ging das LAGB in Revision vor dem Oberverwaltungsgericht. Dieses gab dem LAGB Recht und ordnete ohne weitere Widerspruchsmöglichkeit die Umsetzung der Auskofferung an. - Dass der jetzige Stand der Dinge das Oberverwaltungsgericht zu einer 180-Grad-Wende veranlassen würde, dürfte eher fraglich sein.

- Dies umso mehr, als das Verwaltungsgericht in der Begründung seiner Entscheidung mehrmals erwähnt, dass der BUND „voraussichtlich in der Hauptsache obsiegen wird.“

Oh ja! Möge es dazu kommen! Könnte denn nicht auch die Gegenseite sich einen Ruck geben, über den eigenen Schatten springen und die Grundwasser-Kontamination endlich, endlich beenden!

Die Sachlage ist doch einfach und klar: Der vom LAGB genehmigte „Plan B“ verstößt gegen die Quecksilberverordnung der EU, die in allen Mitgliedsstaaten geltendes Recht ist. Und die Behauptung Neptunes, dass es für das Quecksilber keine Entsorgungswege geben würde, ist unzutreffend. Neptune soll sich ordnungsgemäß zur Firma econ industries verhalten! Gebt ihnen repräsentative Materialproben, sagt, auf welchen Wert diese abgereichert werden müssen und schaut, ob econ dazu in der Lage ist. Nicht nochmal „Vorversuche“ ankündigen und diese dann hinterrücks gegenüber dem LAGB als „Zulassungsprüfung“ deklarieren!

Neptune soll sich doch einfach mal an seinen eigenen Verhaltenskodex halten: „Wir bei Neptune Energy verpflichten uns, unsere Geschäftstätigkeit nach den höchsten Standards in Bezug auf Ethik und Integrität sowie unter Achtung der Rechte und der Würde aller Menschen auszuüben.“ Wenn es das machen würde, wäre der Prozess ruck zuck beendet, das Grundwasser saniert und eine Menge Geld gespart obendrein. 

9. Juni 2026

Green Planet Energy und HANSA wollen Mieterstrom in Hamburg voranbringen

 Neue Energie-Kooperation

6 Personen mit weißen Helmen schauen hinter einem Solarpanel in die Kamera.
Bei jedem Wetter gut mit ökologischem Strom versorgt (v.l.n.r.): Remi Gruszka (GPS), Nils Müller (GPE), Dirk Hinzpeter, Jana Kilian (beide HANSA), Sönke Tangermann ( GPE), Nils Neuse (HANSA); Foto: R. Schlossnickel

„Die Energiewende muss schneller denn je in die Städte getragen werden. Unser Ziel ist deshalb, möglichst schnell und unkompliziert Mieterstrom im Gebäudebestand der HANSA auszurollen“, sagt Remi Gruszka, Geschäftsführer von Green Planet Solutions (GPS), der für Energiedienstleistungen zuständigen Tochtergesellschaft von Green Planet Energy. „Durch die jetzt geschlossene Kooperation bringen wir Klimaschutz und dezentrale Versorgungsmodelle gleichermaßen voran – und lassen unsere Mitglieder ganz konkret an der Energiewende mitwirken“, erklärt Dirk Hinzpeter, Vorstandsmitglied der HANSA Baugenossenschaft eG.

Für die Umsetzung dieser in der Branche so genannten Mieterstromprojekte pachtet die Green Planet Energy Gruppe die entsprechenden Dachflächen der HANSA, errichtet auf diesen Photovoltaik-Anlagen und beliefert teilnehmende Haushalte und Gewerbetreibende vor Ort mit einem Mix aus selbst produziertem Solarstrom sowie sauberem Ökostrom der Energiegenossenschaft. Hierfür können die Mieter:innen individuelle Verträge abschließen. Erklärtes Ziel der Kooperationspartner ist es, in möglichst vielen Wohnanlagen der HANSA selbst produzierten Strom als Mieterstrom anbieten zu können.

Eine erste PV-Anlage nach diesem Modell ist bereits im Morellenquartier im Hamburger Stadtteil Marienthal realisiert. Das Quartier mit 225 Wohneinheiten in der Rauchstraße, dem Morellenweg sowie der Schimmelmannstraße  hatte die HANSA bereits in den 1960er-Jahren errichtet und entwickelt dieses nun zukunftsfähig weiter. Im ersten Bauabschnitt werden zunächst 30 Wohneinheiten modernisiert.

Die HANSA Baugenossenschaft zählt mit über 13.800 Mitgliedern und rd. 9.900 Wohnungen zu den großen Genossenschaften Hamburgs. Seit mehr als neun Jahrzehnten baut und bewirtschaftet die HANSA Wohnungen. Die Mitglieder genießen lebenslanges Wohnrecht zu fairen Nutzungsgebühren, einen guten Service und die Vorteile einer eigenen Spareinrichtung. Jahr für Jahr investiert die HANSA erhebliche Summen in die Qualitätsverbesserung des Wohnungsbestandes und hat dabei die Themen Nachhaltigkeit und Klimaziele fest im Blick. Die Maßnahmen reichen von der Modernisierung einzelner Liegenschaften bis zu umfangreichen Quartiersmaßnahmen. Mit der Integration von Kinder- und Altentagesstätten und anderen sozialen Einrichtungen schafft sie dabei vielfältige Synergien für die Bewohner*innen. Die HANSA übernimmt Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung Hamburger Wohnquartiere – engagiert, erfolgreich und der genossenschaftlichen Idee verpflichtet.

30. Mai 2026

Solarstrom und Speicher für 435 Wohnungen: NRW-weit einzigartiges Mieterstromprojekt startet in Köln

 Hamburg/Köln, 18. Mai 2026 – Baustart für Kölns größtes Mieterstromprojekt: In den Ossendorfer Gartenhöfen beginnt die Energiegenossenschaft Green Planet Energy gemeinsam mit der Kölner Wohnungsgenossenschaft Die Ehrenfelder eG mit dem Bau einer großflächigen Photovoltaik‑ und Speicherlösung für ein komplettes Quartier. Auf 55 Wohngebäuden, aufgeteilt auf zehn Gebäuderiegel, entstehen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 750 Kilowatt-Peak, ergänzt durch Batteriespeicher mit insgesamt 670 Kilowattstunden Kapazität. Künftig sollen die 435 Wohnungen mit lokal erzeugtem Solarstrom versorgt werden.

Mieterstromprojekt in den Ossendorfer Gartenhöfen. Copyright: heimwatt

Das Quartier in Köln-Ossendorf wurde zwischen 2018 und 2022 errichtet. Mit dem Mieterstromprojekt wird nun ein zentraler Baustein der lokalen Energiewende umgesetzt: Der Solarstrom wird dort erzeugt, wo er verbraucht wird. Das entlastet die Netze, senkt Kosten und lässt Mieter:innen direkt von der Energiewende profitieren.Die Energiewende darf keine Frage von Eigentum sein. Mit diesem Mieterstromprojekt ermöglichen wir hunderten Haushalten den Zugang zu sauberem Solarstrom und stärken ihre Unabhängigkeit von fossilen Energien“, sagt Nils Müller, Co‑Vorstand von Green Planet Energy.  
 
Großprojekt mit Speicher und intelligenter Infrastruktur  
 
Gemeinsam mit dem Kölner Installationsbetrieb heimWatt entstehen in den nächsten Monaten 42 Photovoltaikanlagen auf den 55 Gebäuden. Zusätzliche Batteriespeicher an jedem Hausanschluss erhöhen den Eigenverbrauch des vor Ort erzeugten Solarstroms. Die Photovoltaikanlagen erzeugen jährlich rund 690.000 Kilowattstunden Strom. Damit können die Haushalte in den Ossendorfer Gartenhöfen etwa die Hälfte ihres Strombedarfs selbst decken. Wenn die Sonne nicht scheint und die Speicher leer sind, übernimmt Green Planet Energy die Versorgung mit 100 Prozent echtem Ökostrom.  
 
Bewährte Kooperation der beiden Genossenschaften  

Für Green Planet Energy und Die Ehrenfelder eG ist es bereits das achte gemeinsame Mieterstromprojekt. Das Gesamtinvestitionsvolumen des Vorhabens liegt bei über 1,28 Millionen Euro. Die Bauarbeiten starten abschnittsweise, die Inbetriebnahme des Projekts erfolgt dementsprechend und ist im Gesamten bis Jahresende geplant.  
 
„Wir wollen unseren Mitgliedern nicht nur bezahlbaren Wohnraum bieten, sondern auch eine bezahlbare, klimafreundliche Energieversorgung“, sagt Martin Bündgens, Vorstand der Ehrenfelder eG. „Die Ossendorfer Gartenhöfe sind ein starkes Beispiel dafür, welches Potenzial in Mieterstrom steckt, gerade für große Wohnquartiere“, ergänzt Sira Müller, Prokuristin und Leitung der Abteilung Nachhaltigkeit & Projekte. 
 
Mieterstrom hat großes Potenzial 

Laut einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln könnten bundesweit bis zu 20 Millionen Haushalte mit Mieterstrom versorgt werden. Tatsächlich sind in Deutschland bislang jedoch nur rund 5.400 Mieterstromanlagen realisiert. Auch Nordrhein-Westfalen will den Ausbau von Photovoltaik auf Mehrparteienhäusern beschleunigen. Das Projekt in den Ossendorfer Gartenhöfen zeigt, wie dieser Anspruch konkret umgesetzt werden kann. Es wird von der Stadt Köln gefördert und erschließt das Mieterstrom‑Potenzial erstmals im Quartiersmaßstab. 

Über uns

Green Planet Energy, 1999 von Greenpeace gegründet, gehört ihren mehr als 50.000 Mitgliedern und ist damit Deutschlands größte Energiegenossenschaft. Sie versorgt rund 200.000 Haushalte und Geschäftskund:innen mit innovativen Ökostrom- und Gasprodukten. Dabei setzt Green Planet Energy auf Stromerzeugung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien: Die Genossenschaft betreibt Wind- und Solarparks sowie Elektrolyseure zur Produktion von grünem Wasserstoff (Windgas) und bezieht Strom ausschließlich aus Direktlieferverträgen – garantiert ohne Kohle- oder Atomstrom. Green Planet Energy unterstützt Kund:innen, Unternehmen und Kommunen bei ihrer Energiewende - von der eigenen Wärmepumpe über PV-Anlagen und Mieterstromprojekte bis hin zur kommunalen Wärmeplanung. Als nicht profitmaximierende Genossenschaft engagiert sich Green Planet Energy auch politisch für eine nachhaltige und sozial gerechte Energiewende. green-planet-energy.de 

Die 1899 gegründete gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft DIE EHRENFELDER eG zählt heute rund 5.000 Mitglieder und verfügt über einen Bestand von mehr als 4.000 Wohneinheiten in über 600 Wohnhäusern. Unabhängig von den steigenden Energiekosten und der anstehenden CO2-Bepreisung hat sich die Genossenschaft auch in der Vergangenheit bereits stark mit den Themen Energieeinsparung und -effizienz befasst. Sie sieht es als zentrale Herausforderung der Wohnungswirtschaft, die eigenen Gebäude energetisch zu verbessern und weiterhin bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. 

8. April 2026

Unkorrektheiten bei der Ausschreibung von Entsorgungsleistungen für die Beräumung der Giftschlammgrube Brüchau: Akteneinsicht gegen Widerstand Neptune's durchgesetzt

 



Das Landesbergamt (LAGB) mit seinem damaligen Präsidenten Kurt Schnieber hatte angeordnet, dass die bergrechtliche Entsorgungsstelle Grube Brüchau komplett ausgekoffert und extern entsorgt wird. Etwa zwei Jahre lang hielt sich Grubenbesitzerin Neptune Energy an den Zeitplan für vorbereitende Maßnahmen. Dann aber behauptete sie, dass es für 27.000 Tonnen besonders stark mit Quecksilber belasteten und auch radioaktiven Materials keine Entsorgungswege geben würde, weshalb die Auskofferung insgesamt hinfällig sei.

Dies wurde vom LAGB - mittlerweile geleitet von Uwe Schaar als Präsident - bestätigt. Laut Bericht der Salzwedeler Volksstimme teilte das LAGB Anfang August 2025 mit, dass es nach den ihm vorliegenden Unterlagen unmöglich sei, den Quecksilbergehalt des Inputs der Brüchauer Grube auf den für Untertagedeponien benötigten Wert abzureichern.

Dem widersprach die Firma econ industries, die u.a. darauf spezialisiert ist, Quecksilber aus Gemischen zu entnehmen und in einen für die Deponierung zulässigen Zustand zu versetzen.

Sprecher der BI "Saubere Umwelt & Energie Altmark" beantragt Akteneinsicht

Christfried Lenz, Sprecher der Bürgerinitiative "Saubere Umwelt & Energie Altmark",  beantragte daraufhin am 14.08.2025 nach Umweltinformationsgesetz Einsicht in die Unterlagen, aus denen hervorgehe, dass econ nicht in der Lage sei, das Quecksilber auf das nötige Maß abzureichern.

Am 01.10.2025 erhielt er Mitteilung, dass sein Antrag bewilligt sei und er den Versuchsbericht erhalten werde. Gleichzeitig ließ man ihn wissen, dass econ zu dem nur für Fachleute verständlichen Versuchsbericht Erläuterungen eingereicht hatte. Am 02.10.2025 beantragte Lenz Kenntniserhalt auch der Erläuterungen.

Am 06.11.2025 teilte das LAGB mit, dass sein Antrag auf Kenntniserhalt der Erläuterungen bewilligt werde.

Neptune will Akteneinsicht verhindern

Am 26.11.2025 kam dann allerdings folgende Nachricht vom LAGB: "Ich habe Sie darüber zu informieren, dass durch die Firma NEPTUNE Energy Deutschland GmbH fristgerecht und formgerecht Widerspruch gegen die Herausgabe der von Ihnen beantragten Unterlagen eingereicht wurde."

Die Altmarkzeitung erkundigte sich bei Neptune nach den Gründen (Anhang 1). Zu diesen nahm Lenz in einem Leserbrief Stellung. Sein Fazit: "In Wirklichkeit geht es doch darum: Die Dokumente, die ich einsehen möchte, könnten Aufschluss zu Fragwürdigkeiten im von Neptune durchgeführten Ausschreibungsverfahren 'Auskofferung' geben. Das will Neptune unter allen Umständen verhindern. Ich hoffe, dass das LAGB sich durch die Winkelzüge Neptunes nicht davon abbringen lässt, mir die Unterlagen zur Verfügung zu stellen, wozu es nach seiner eigenen bisherigen Rechtsauffassung verpflichtet ist." (Anhang 2)

LAGB bleibt standhaft

Diese Hoffnung hat sich im weiteren Verlauf bestätigt. In einem 12seitigen Bescheid hat das LAGB den Widerspruch Neptunes so präzise analysiert und zurückgewiesen, dass Neptune auf eine Klage, die möglich gewesen wäre, verzichtete. Nach Ablauf all der zahlreichen Fristen erhielt Lenz am 27.03.2026 die am 02.10.2025 beantragten Unterlagen.

Inhalt der Unterlagen: Verwirrung und Täuschung durch Neptune

Darin stellt econ den Kontaktverlauf mit Neptune dar (Anhang 3). Man kann ihn nur als "Verwirrspiel" kennzeichnen: Anfangs bezifferte Neptune die zu behandelnde Masse auf 75.000 Tonnen, später auf 130.000 Tonnen. Hinzu kam eine Vielfalt unterschiedlicher Angaben zum Quecksilbergehalt des Grubeninputs. Die Mittelwerte zweier Abschnitte wurden zunächst mit 1.609 ppm ("Teile pro Million"), bzw. 2.741 ppm angegeben, später mit 3.400 ppm bzw. 3.000 ppm. Wie diese Werte ermittelt wurden, blieb unbekannt.

Firma econ wurde gebeten, "Vorversuche" durchzuführen. Hierfür stellte Neptune zwei Proben von jeweils ca. 2,3 kg zur Verfügung. Sie waren mit 12.800 und 25.400 ppm extremst belastet. Wenn sie repräsentativ waren, würde das bedeuten, dass sich 1.000 bis 3000 Tonnen Quecksilber in der Grube Brüchau befinden, während bislang nur von 250 Tonnen gesprochen wird.  Auf welchen Wert die Proben abgereichert werden sollten, wurde nicht angegeben. Das war auch nicht zu erwarten, da "Vorversuche" nur dazu dienen, das Funktionieren einer Methode im Grundsatz zu demonstrieren. So fand in den Vorversuchen also keine Abreicherung auf < 100 ppm statt, den Wert, der für Einlagerung in eine Untertagedeponie einzuhalten ist.

Auf das Ergebnis der Vorversuche wurde dann aber die Behauptung gegründet, dass econ nicht in der Lage sei, auf den nötigen Wert abzureichern - ein Verhalten, das als "spitzbübisch" bezeichnet werden muss. Aus dem gesamten Prozedere geht hervor, dass das  Ausschreibungsverfahren nicht darauf ausgerichtet war, die Entsorgungsfrage zu lösen, sondern die Lösung zu verhindern.

Wer das Geschehen um die Giftschlammgrube Brüchau über die Jahre verfolgt hat, wundert sich darüber nicht. Vielmehr erinnert man sich an den "Hinweis" im Abschlussbetriebsplan zur Auskofferung aus 2022, worin es heißt: "Sollten  die  Ergebnisse  der  ausstehenden  Deponatbeprobungen [...] zeigen, dass [...] eine Entsorgung des Deponats faktisch unmöglich ist, behält sich NEPTUNE vor, hiermit alternativ zur Vollauskofferung den Standort vor Ort zu sichern."

Das LAGB schloss den "Hinweis" aus der Genehmigung des Betriebsplans aus. Neptune hält  verbissen daran fest. Die Firma hat einen beeindruckenden "Verhaltenskodex". Darin kann man lesen: "Neptune Energy hat es sich zur Aufgabe gemacht, Geschäfte [...] mit einem Höchstmaß an Ethik und Integrität und mit Respekt vor den Rechten und der Würde aller Menschen zu führen." - Wenn es um die Auskofferung der Giftschlammgrube Brüchau geht, wird der Kodex aber wohl außer Kraft gesetzt. Oder sind die Winkelzüge, die zur  Behauptung führten, dass Entsorgungswege fehlen, das, was Neptune unter "Ethik" versteht?

Klare Aussagen von econ industries:

"Auf Basis unserer VacuDry® Technik wird der Grenzwert für die Deponiefähigkeit untertage von < 100 ppm sowohl bei Versuchen im Technikum als auch beim realen Betrieb in einer Großanlage sicher erreicht. Jede anderslautende Behauptung ist falsch!"

Auch bei den Vorversuchen mit extrem belastetem Probematerial "wäre der Grenzwert für die Deponierung untertage von < 100 ppm erreicht worden, wenn dieser bekannt gewesen wäre".

Fazit:

Die Behauptung, dass es für Teile des Inputs der Brüchauer Grube keinen Entsorgungsweg geben würde, kann nicht aufrecht erhalten werden. Damit entfällt der angegebene Grund, wonach die vollständige Räumung und externe Entsorgung der Grube nicht möglich sei. Der ursprüngliche vom LAGB zugelassene Abschlussbetriebsplan ist umsetzbar und muss umgesetzt werden. 

25. März 2026

Plant-for-the-Planet fordert strenge Umsetzung der Klimaziele und stärkere internationale Klimafinanzierung

 Plant-for-the-Planet Header

Tutzing, 25. März 2026. Nach den Veröffentlichungen der Emissions-Projektionen bis 2030 des Umweltbundesamtes, hat die Bundesregierung zur Einhaltung der nationalen Klimaziele heute ihr Klimaschutzprogramm vorgelegt. Plant-for-the-Planet betont die Dringlichkeit der Einhaltung der Klimaziele, um den globalen Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens gerecht zu werden.  

„Deutschland muss seine Klimaziele dringend einhalten. Daran muss sich das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung jetzt messen lassen. Ökosysteme stehen weltweit bereits durch die Auswirkungen der Klimakrise unter enormem Druck. Um unsere Lebensgrundlagen zu sichern und klimagerechten Wohlstand zu schaffen, ist es daher von existenzieller Bedeutung, den Umbau der deutschen Infrastruktur – insbesondere in den Sektoren Mobilität und Gebäude – nicht weiter hinauszuzögern. Bei drohender Zielverfehlung in Bezug auf die aktuellsten Projektionsdaten des Umweltbundesamtes, muss die Bundesregierung ihr Klimaschutzprogramm konsequent nachbessern“, erklärt Kathrin Henneberger, Expertin für Klimapolitik bei Plant-for-the-Planet. 

Globale Klimafinanzierung im Bundeshaushalt absichern 

Neben nationalen Maßnahmen ist die Bereitstellung finanzieller Mittel für den globalen Klima- und Biodiversitätsschutz von existenzieller Bedeutung. Plant-for-the-Planet ermutigt die Bundesregierung, die jährlich versprochenen sechs Milliarden Euro für die globale Klimafinanzierung in den zukünftigen Bundeshaushalten abzusichern und durch zusätzliche Mittel Aufwüchse zu ermöglichen.

„Eine ausreichende Finanzierung für Klimaschutz und Klimaanpassung ist entscheidend für die Sicherheit in Regionen, deren Stabilität schon jetzt durch die Auswirkungen der Klimakrise gefährdet ist. Durch die Finanzierung von natürlichen Klimaschutzmaßnahmen, wie dem Schutz und der Wiederherstellung von Waldökosystemen, werden gefährdete Regionen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen der Klimakrise. Gleichzeitig leisten wir damit einen wichtigen Beitrag zum Biodiversitäts- und Klimaschutz“, so Kathrin Henneberger weiter.

Bundesregierung muss internationales Zeichen für Klimaschutz setzen

Das Gelingen des Pariser Klimaabkommens, die 1,5-Grad-Grenze der globalen Erhitzung der Erdatmosphäre nicht zu überschreiten, beginnt mit der Einhaltung des nationalen Beitrags zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Verfehlt Deutschland seine Klimaziele, wird innerhalb der Europäischen Union sowie international der Druck auf andere Staaten sinken, ebenfalls ihre Ziele zu erreichen.

Über Plant-for-the-Planet

Plant-for-the-Planet ist eine globale Initiative, die für Klimagerechtigkeit kämpft. Dazu empowern wir junge Menschen, sich jetzt für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen, und schützen und renaturieren Waldökosysteme. Außerdem betreiben wir Forschung und bieten kostenlose Software-Tools sowie Beratung für Renaturierungsorganisationen auf der ganzen Welt.

Wir sind davon überzeugt, dass die drei Billionen Bäume der Welt geschützt werden müssen und tragen dazu bei, eine weitere Billion Bäume zurückzubringen.

28. Februar 2026

Quecksilber auf der Straße Molochsberg in Cheine: Sorgloser Umgang mit dem hochgiftigen Schwermetall


Am Dienstag (24.2.) wurde das Quecksilber entdeckt und gemeldet. Bis zum Freitag (27.2.) spielte sich jeden Tag Folgendes ab: Beauftragte der Fa. Neptune erscheinen, komplett verhüllt in Schutzanzügen und Masken, und führen Reinigungsarbeiten aus. Wenn ihre Schicht vorbei ist, steht die Straße wieder den Anwohnern zur Verfügung - ohne Schutzanzüge und Masken.

Dieses Vorgehen kann nur als inkonsequent und sorglos bezeichnet werden. Quecksilber ist so gefährlich, dass sein Einsatz komplett verboten wurde. Es besteht die gesetzliche Pflicht, sämtliche noch existierenden Bestände durch chemische Verbindung mit Schwefel unschädlich zu machen und in speziell hierfür ausgelegten Deponien zu entsorgen. So steht es in der Quecksilberverordnung, die in allen EU-Staaten geltendes Recht ist.

Wir wissen bislang nicht, woher das in Cheine entdeckte Quecksilber stammt und wie es an seinen jetzigen Fundort geraten ist. Die bei den Reinigungsarbeiten zu konstatierende Sorglosigkeit erinnert aber unvermeidlich an die Sorglosigkeit, die das Unternehmen Neptune bei seiner Abfallgrube in Brüchau an den Tag legt. In dieser befinden sich hunderte Tonnen metallisches Quecksilber, und die Firma verweigert - leider mit Genehmigung des Landesbergamtes - die von der Quecksilberverordnung vorgeschriebene Behandlung. -  Der BUND kämpft derzeit vor Gericht für die Umsetzung des geltenden Rechts.

Bei der altmärkischen Erdgasförderung gibt es ja leider so etwas wie eine bedauerliche Tradition der Sorglosigkeit im Umgang mit Quecksilber. Ehemalige Bergarbeiter berichten, dass sie zu DDR-Zeiten durch ganze Pfützen aus Quecksilber gestapft sind. Sie berichten auch, wie Viele von ihnen vorzeitig an Vergiftungen gestorben sind. Ob diese Sorglosigkeit auch heute noch nicht ganz ausgestorben ist?

Im altmärkischen Untergrund befinden sich nun mal sehr große Mengen Quecksilber. Falls die Firma Neptune in die Lithium-Förderung einsteigen sollte, kommt sie damit in intensive Berührung. Die Sorglosigkeit, die ihren Umgang mit diesem hoch giftigen Material bei der Grube Brüchau kennzeichnet und jetzt auch die von ihr organisierten Reinigungsarbeiten in Cheine, macht da kein gutes Gefühl. 

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Lesrbrief:
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Zusätzlich möchte ich auf folgende 2 Punkte aufmerksam machen:

1.)

Am 28.02. zitierte die Altmarkzeitung einen Neptune-Mitarbeiter folgendermaßen:

„Die Messungen an der kontaminierten Stelle haben
keine Quecksilberkonzentration in der Luft festgestellt.“


Am 02.03. liest man in die Volksstimme: 

"... Demnach habe ein hinzugezogener Mitarbeiter aus dem Bereich Umweltanalytik der Neptune Energy Deutschkand GmbH mit einem speziellen Messgerät Messungen des punktuellen Quecksilberanteils am Boden sowie in Höhe der Atemwege (Nasenhöhe) vorgenommen mit dem Ergebnis, dass erhöhte Konzentrationen an Quecksilber festgestellt worden sind."

Hier also das Gegenteil der ersten Aussage!

Wie man es von Neptune nicht anders erwarten kann, wurde dieses Ergebnis in seiner Bedeutung sogleich abgewertet: "Laut Presseteam würden diese Konzentrationen jedoch 'deutlich unterhalb des gesundheitsgefährdenden Schwellwertes liegen'".

Woher weiß Neptune das? Sind seine Mitarbeiter im Bereich Umweltanalytik zugleich Gesundheitsspezialisten? - Der Zahnarzt muss die ordnungsgemäße Entsorgung jeden Milligramms ausgebohrter Amalganfüllungen (sie enthalten Quecksilber) nachweisen. Neptune hält das dann wohl für übertrieben...


2.)

Zur Ursache der Kontamination berichtete die Volksstimme am 28.02. folgendermaßen: "Der Ursprung der Kontamination ist  laut Neptune Energy bislang nicht bekannt. In dem betroffenen Bereich seien in den vergangenen Monaten keine Arbeiten durch das Unternehmen oder seine Dienstleister durchgeführt worden, noch sei die betreffende Straße von diesen genutzt worden. Auch befänden sich an der kontaminierten Stelle keine bergbauliche Anlagen."

Nun, sonderlich weit entfernt sind bergbauliche Anlagen vielleicht doch nicht. Denn wenn nur in den "vergangenen Monaten" dort keine Arbeiten ausgeführt wurden, impliziert das ja, dass vor diesen Monaten sehr wohl Arbeiten stattgefunden haben.
 - Aber klar: Der Erdgasförderer hat kein Interesse daran, Havarien, die ihm in seinem Betrieb unterlaufen, bekannt zu machen. Vor einigen Jahren informierte Pressesprecher Brieske in einer kleinen Randnotiz, dass "bei Schweißarbeiten" etwas Boden durch Erdgas verunreinigt worden sei. Als Mitglieder der BI "Saubere Umwelt & Energie Altmark" mal nachschauten, entdeckten sie in einem Maisfeld bei Kakerbeck ein Loch von ca. 10 Metern Tiefe und einem Umfang, dass ein Omnibus hineingepasst hätte (siehe Anhang 4).
Wir konnten anschließend mit Hilfe von Zeugen herausarbeiten, dass nicht Schweißarbeiten die Ursache des riesigen Lochs waren, sondern dass ein unterirdisches Erdgasrohr mit hörbarem Knall geplatzt war. - Erstaunlich ist das nicht, denn die Gas-Infrastruktur ist uralt und entsprechend marode. Ob das nicht auch die Ursache der Kontamination in Cheine ist? Jedenfalls ist allen Beteiligten  anzuraten, Aussagen Neptunes immer sehr genau zu überprüfen.

Mit freundlichen Grüßen,
Christfried Lenz
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