Für das Diebsteich-Projekt wurden 425 Bäume gefällt, davon 42 genehmigungspflichtige (das sind nach amtlicher Definition Bäume, die in 130 cm über Bodenoberkante einen Stammdurchmesser von 25 Zenti-meter haben). Ferner wurde das 10.000 m³ große Feuchtbiotop Posttrog trockengelegt. Das „Ersatzfeuchtbiotop, ein Tümpel von 500 m³ ist bei der großen Hitze ausgetrocknet.
Für das Sternbrückenabendteuer wurden 57 ausgewachsene, also genehmigungspflichtige Bäume an der Max-Brauer-Allee gefällt.
In beiden Fällen wurden „Ausgleichspflanzungen“ auch über das gesetzliche 1:1 Verhältnis hinaus zu-gesagt. Diese finden aber zum Teil in Naturschutzgebieten außerhalb der Landesgrenzen von Hamburg statt. Wann und wo ist unbekannt. Zum Teil wurde der Deutschen Bahn erlaubt die Ausgleichspflanzverpflichtungen monetär abzugelten. Wann und wohin die Gelder geflossen sind, ist unbekannt.
Mit dem sofort vollziehbaren Planfeststellungsbeschluss für den Bau des Bahnhofs Diebsteich von Ende 2017 begannen die Rodungsarbeiten schon im Frühjahr 2018. Üblicherweise erfolgen die Ausgleichspflan-zungen erst kurz vor bzw. nach Projektabschluss. Dieser sollte ja ursprünglich für Diebsteich Ende 2023 sein, wurde zwischenzeitlich ja auf 2030 verschoben. Wären die Ausgleichspflanzungen direkt im Anschluss an die Rodungsmaßnahmen erfolgt, hätten die nachgepflanzten Bäume bis heute schon 6 Jahre wachsen können. Jeder weiß, dass ein neugepflanzter Baum, auch wenn er bei Pflanzung schon 10 Jahre alt ist, rund 40 Jahre benötigt bis er dieselbe CO2 Bindungswirkung hat, wie ein alter Baum.
Und für die rd. 380 nicht genehmigungspflichtigen Bäume (im Amtsdeutsch abfällig als Ruderalgehölze be-zeichnet), die für das Diebsteich-Projekt ihr Leben lassen mussten, gibt es ebenso wenig Ersatz wie für das Feuchtbiotop. Aber beide haben einen enormen Einfluss auf das das Stadtklima.
Ferner sollen nach den noch immer nicht offiziell abgesagten Bauplänen als „Bahnhofsgebäude“ zwei 15 bzw. 18 Stockwerke hohe Hochhaustürme entstehen. Diese liegen pikanterweise in der Frischluftschneise und stören die Luftzirkulation, die für die Kühlung von Altona Nord und Altona Altstadt von zentraler Bedeutung ist. Gerade in den Hitzetagen wie am vergangenen Wochenende sind solche Frisch-luftschneisen besonders nötig, um eine Abkühlung der Stadt in der Nacht zu ermöglichen.
Allen politischen Sonntagsreden, die Städte Hitzeresilient zu machen, zum Trotz, hält der rot/grüne Senat sowie die Deutsche Bahn an dem für das Stadtklima höchst schädlichen Diebsteich-Projekt fest. So steuert man sehenden Auges weiter in die Klimakatastrophe.
Wir fragen daher die DB und den Senat:
• Sind für die Projekte Diebsteich und Sternbrücke schon die zugesagten Ausgleichspflanzungen erfolgt. Wenn ja, wann, wo und in welchem Umfang?
• Warum erfolgen die Ausgleichspflanzungen immer erst am Projektende und nicht zeitgleich mit den Baum-fällungen?
• Welche Vereinbarungen gibt es zwischen Stadt und Bahn, damit die Ausgleichspflanzungen in den von der Hitzewelle besonders betroffenen Kerngebieten erfolgen und nicht außerhalb Hamburgs?
• Welche Vereinbarungen gibt es zwischen Stadt und Bahn zum Ersatz des Feuchtbiotops Posttrog, welches eine wichtige Kühlfunktion für das Stadtklima hatte?
• Können Stadt und DB sich vorstellen, zum Erhalt der Frischluftschneise im Rahmen des Grünzugs Altona auf den Bau der Hochhaustürme am Diebsteich zu verzichten?
• Die Weltstadt Singapur hat als Klimaschutzmaßnahme gerade beschlossen, bis 2030 auf dem Stadtgebiet eine Million Bäume zu pflanzen. Kann sich der Senat ein ähnliches Programm für Hamburg vorstellen? Im Moment ist der Stadtbaumbestand in vielen Hamburger Bezirken rückläufig.
• Der Klimawandel ist seit Jahrzehnten bekannt. Warum wurde kein einziges Projekt unter strengen Umwelt-und Klimaschutzgesichtspunkten betrachtet?
Der Umweltverband Prellbock-Altona fordert daher:
• Sofortiger Baustopp für das Bahnhofsverlagerungsprojekt Diebsteich. Erhalt und Sanierung des bestehen-den Kopfbahnhofs Altona haben allein schon als Klimaschutzgründen Vorrang vor dem Neubau am Diebs-teich, der mit umfangreichen Abrissarbeiten (u.a. Brücken Plöner Straße) einhergeht.
• Nachpflanzungen bei Baumfällung haben zeitgleich mit diesen zu erfolgen.
• Auch für gerodete sog. Ruderalgehölze an Bahndämmen muss es eine Nachpflanzverpflichtung geben.
• Nachpflanzungen müssen immer im Verhältnis 1:10 erfolgen. Aus ökologischen Gründen wäre sogar ein Nachpflanzverpflichtung 1:100 im städtischen Raum erforderlich, um die CO2 Bindungswirkung eines alten gefällten Baumes auszugleichen.
Dazu Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative und Umweltverband Prellbock Altona e. V.: "Angesichts immer neuer Hitzerekorde müssen Stadt und auch die DB ihre klimapolitischen Verpflichtungen ernst nehmen. Es reicht nicht aus, ICE-Züge mit einem grünen Banner „Wir fahren zu 100 % mit Ökostrom“ zu versehen. Wenn Klimaschutz ernst gemeint ist, müssen klimaschädliche Großprojekte endgültig einge-stellt werden, das ist in Hamburg zu allererst das unsinnige Bahnhofsverlagerungsprojekt Diebsteich. Um die im Rahmen des bisherigen Projektverlaufes und auch des Projekts Sternbrücke eingetretenen Umwelt-schäden zu kompensieren, müssen Stadt und Bahn gemeinsame einen Aktionsplan erstellen, wie
die Ausgleichsmaßnahmen für die gefällten Bäume binnen eines Jahres im Kerngebiet von Hamburg umgesetzt werden. Die Klima-Aktionspläne anderer Großstädte wie Wien und Singapur sind hier als Vorbild zu nehmen."
Pressemeldung Prellbock Altona
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