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14. Oktober 2026
Geplante Ölförderung vor Usedom: Deutsche Umwelthilfe warnt mit Aktionsbündnis vor verheerenden Umweltfolgen und fordert Stopp des fossilen Megaprojekts
Berlin/Heringsdorf, 12.10.2026: Das Aktionsbündnis aus Deutscher Umwelthilfe (DUH), WWF Deutschland, BUND Mecklenburg-Vorpommern und der Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern fordert gemeinsam mit der polnischen Organisation EKO-UNIA und der Gemeinde Heringsdorf den Stopp des geplanten Ölprojekts Wolin East des kanadischen Ölkonzerns Central European Petroleum (CEP) vor den Inseln Usedom und Wollin. Angrenzende Gasvorkommen will CEP ebenfalls in Zukunft erschließen. Nach Ansicht der Umweltschutzorganisationen gefährdet das fossile Großprojekt das sensible Ökosystem der benachbarten europäisch geschützten Natura2000-Gebiete sowie den dort heimischen, vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal. Die Förderung birgt zudem das Risiko eines Unfalls, bei dem pro Tag bis zu 3.300 Tonnen Öl austreten könnten. Zudem verstößt die geplante Förderdauer bis in die 2060er-Jahre klar gegen die deutschen und europäischen Klimaziele.
Mit ihren eingereichten Stellungnahmen zum Untersuchungsrahmen zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung warnen die Organisationen vor gravierenden Umwelt- und Klimafolgen des Vorhabens und fordern von der Bundesregierung, der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns und den polnischen Behörden, das fossile Megaprojekt zu stoppen.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Es ist aus Sicht von Natur- und Klimaschutz nicht hinnehmbar, wie der kanadische Ölkonzern CEP die Bucht vor Usedom für Jahrzehnte zu einem fossilen Industriepark machen will. Obwohl die Folgen für Menschen und Umwelt bei einem möglichen Ölaustritt verheerend wären, spielt der fossile Konzern die Folgen für den Meeres- und Klimaschutz herunter. Mit einer geplanten Förderung bis in die 2060er-Jahre würden polnische, deutsche und europäische Klimaziele ignoriert. Wir fordern die Bundesregierung, die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf, sich mit aller Konsequenz für den Stopp dieses fossilen Megaprojekts einzusetzen.“
Laura Marisken, Bürgermeisterin Gemeinde Heringsdorf: „Usedom steht für einzigartige Natur, kilometerlange weiße Sandstrände und hervorragende Wasserqualität – nicht für Schwerindustrie vor unserer Haustür. Die geplante Öl- und Gasförderung erfüllt uns mit großer Sorge, insbesondere weil die möglichen Umweltauswirkungen aus unserer Sicht bislang nicht hinreichend untersucht sind. Gerade im Fall einer Havarie sprechen wir auch über irreversible Schäden an unserem sensiblen Ökosystem und Folgen für die gesamte Region.“
Rainer Sauerwein, Vorsitzender Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern: „Die Bürgeriniative Lebensraum Vorpommern hat sich zum Ziel gesetzt, die Zerstörung des Naturraums der Vorpommerschen Bucht der Ostsee durch eine fortschreitende Industrialisierung aufzuhalten. Wir erleben gerade vor den Inseln Usedom und Wollin eine massive Zerstörung der Natur, da neben einem gigantischen Containerhafen auch noch eine 10 Hektar große Bohrinsel zur Ölförderung in den so sensiblen und geschützten Küstengewässern errichtet werden soll. Das gefährdet die Lebensqualität der Insulaner und ihre wirtschaftliche Grundlage, den naturnahen Tourismus. Zum Schutz der Natur und der Bewohner der Inseln Usedom und Wollin werden wir uns mit allen Mitteln dagegen wehren.“
Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND Mecklenburg-Vorpommern: „Direkt an und teilweise in sensiblen Naturschutzgebieten der Pommerschen Bucht sollen pro Tag 4.100 Tonnen Rohöl und beigemischtes Gas gefördert und bearbeitet werden. Die ausgelieferten Unterlagen spielen Gefahren eines Ölunfalles herunter. Das Unternehmen CEP rechnet aber bereits jetzt mit Bestandsverlusten von Meeressäugetieren. Es wären auch tausende Meeresvögel betroffen, die auf der Oderbank rasten. CEP setzt darauf, dass bei Ölunfällen Rettungsdienste und Behörden einspringen. Das kann nicht ausreichen. Wir fordern die Vorlage eines umweltbezogenen, internationalen Havariekonzeptes.“
Radosław Gawlik, Präsident von The Ecological Association EKO-UNIA: „Die Nachricht über eine mögliche Öl- und Gasförderung vor Świnoujście hat uns überrascht. Die Ostsee ist ein flaches und empfindliches Meer. Bislang hat in der Pommerschen Bucht kein Land diese Rohstoffe gefördert – unter anderem wegen der Risiken für die Meeresumwelt und der möglichen Folgen für den Tourismus im Falle eines Unfalls. Berichten zufolge handelt es sich um eine kleine Lagerstätte, die nur wenige Prozent der polnischen Energiebilanz ausmacht. Zudem befinden wir uns, wie die übrige EU, im Übergang von fossilen Energieträgern zu erneuerbaren Energien. Polen plant und baut Offshore-Windkapazitäten mit einer Leistung von 12 bis 16 Gigawatt. Es lohnt sich angesichts der enormen Menge sauberen Stroms, die wir aus der Ostsee gewinnen können, nicht, in Gas und Öl zu investieren, sondern vielmehr in die Elektrifizierung des Energiesystems.“
Hintergrund:
Das von CEP geplante Projekt hat mit 18 Hektar gigantische Ausmaße und würde gravierende Umweltauswirkungen mit sich bringen. Ein Teil des 65 Meter hohen Bohrturms wird in die europäisch geschützten Natura2000-Gebiete Zatoka Pomorska und Ostoja na Zatoce Pomorskiej geplant. In der Pommerschen Bucht sind zudem Schweinswale der vom Aussterben bedrohten südlichen Ostseepopulation heimisch, deren Bestand auf nur noch rund 500 Tiere geschätzt wird. Bereits bei der Erkundungsbohrung gingen laut CEPs eigenen Unterlagen die Schweinswalnachweise deutlich zurück. Bau-, Bohr- und Schiffslärm können ihre Nahrungssuche stören und sie aus wichtigen Lebensräumen verdrängen.
Die Regionaldirektorin für Umweltschutz in Szczecin (Stettin) hat am 3. Juni 2026 ein grenzüberschreitendes Umweltprüfungsverfahren eingeleitet, an dem sich das Aktionsbündnis und die Gemeinde Heringsdorf mit Stellungnahmen beteiligt haben. Erst in der vergangenen Woche hatte der Konzern eine neue Bohrplattform zu weiteren Erkundungsbohrungen in die Pommersche Bucht gesetzt, ohne deutsche Behörden und die betroffenen Gemeinden darüber zu informieren.
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12. Oktober 2026
Internationales Treffen von NGOs zur globalen Lithium-Förderung Wann positioniert sich die Politik in der Altmark?

Ein internationales Kollegium mit Teilnehmenden aus Chile, Bolivien, Argentinien, Simbabwe, Kongo und Tschechien tauschte sich aus. Dabei wurde deutlich, dass von globaler Gerechtigkeit keine Rede sein kann: Die Gewinne des Lithium-Abbaues fließen in die Industrieländer oder zu inländischen Reichen-Cliquen. Für die Bevölkerung bleiben ein paar Jobs, hauptsächlich aber Nachteile durch Landverbrauch und Umweltschäden.
Aus Deutschland berichtete Jens Weber über die im Erzgebirge geplanten brutalen Umwelteingriffe zur Lithium-Förderung. Dr. Christfried Lenz und Anke Lüdecke von der Bürgerinitiative "Saubere Umwelt & Energie Altmark" stellten die zu erwartenden Auswirkungen in der Altmark vor.
Ein Vertreter der Firma Neptune Energy war angekündigt, erschien aber nicht.
Lüdecke und Lenz erinnerten in ihrer Präsentation an die Erfahrungen, die die Altmark mit der Firma Neptune gemacht hat: Erdgas wurde gefördert und verkauft. Die Gewinne flossen zur Förderfirma. Der Altmark und ihren Bewohnern blieben giftige Abfälle: über 1000 Bohrschlammgruben, die nicht entsorgt, sondern bloß mit Erde überschoben wurden und der "Hotspot", die Giftschlammgrube Brüchau. Deren Auskofferung verweigert die Firma Neptune verbissen. Hintergrund: Nachdem das Bergamt (LAGB) die Auskofferung angeordnet hatte, riet der ehemalige Bergbau-Mitarbeiter und heutige Chef der Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF), Jürgen Stadelmann, der Firma dringend, Rechtsmittel gegen die Auskofferung einzulegen, da diese "mit weitreichenden Folgen für Ihr Unternehmen" verbunden sein würde. Worin die "weitreichenden Folgen" bestehen, führte er nicht aus. - Man kann nur mutmaßen: wäre es vielleicht ungünstig für die Firma, wenn durch die Auskofferung wirklich alles sichtbar wird, was sich in der Grube befindet?
Auch die Art, wie Neptune die Lithium-Absichten einführte, war alles andere als vertrauenerweckend. Von neuen Bohrungen wurde nicht gesprochen. Die Annahme lag daher nahe, dass einige der vielen hundert vorhandenen Bohrungen für die Lithium-Förderungen genutzt würden. MdL Dorothea Frederking (Grüne) war es, die aufklärte: 7 bis 8 neue Bohrungen seien in Planung. Damit kommt also der Bergbau zurück, von dem man bisher aufatmend meinte, dass er am Auslaufen ist. Mit ihm kommen
- 55 m hohe Bohrtürme,
- Platzbedarf von rund 1 Hektar pro Bohrung plus Zuwegung für schwere LKWs,
- Arbeitszeit von rund 1 Jahr pro Bohrung, non stop gefüllt mit Diesellärm und Abgas an 24 Stunden pro Tag und 7 Tagen pro Woche,
- Extremlärm beim Einrammen der Stahlrohre ins
Bohrloch,
- Wasserverbrauch von vielen tausend Kubikmetern im Jahr,
- die Möglichkeit von Bodenhebungen und
-senkungen und damit verbundenen Gebäudeschäden - um nur
einige Beispiele der Auswirkungen zu nennen.
Um die von Neptune angestrebte Jahresproduktion
von 25.000 Tonnen batteriefertiges Lithium zu erreichen,
müssen nach Einschätzung des Landesbergamtes (LAGB) pro Jahr
12 bis 16 Millionen Kubikmeter Lagerstättenwasser gefördert,
behandelt (Lithiumentzug) und wieder verpresst werden. Pro Tag
ergibt das weit über 40.000 Kubikmeter.
- Welch gewaltiges Rohrsystem wird für
derartige Mengen über wie lange Strecken vom Bohrloch bis
zur Bearbeitungsstelle und zurück benötigt?
- Wie werden sich die im Lagerstättenwasser
enthaltenen hohen Anteile an Quecksilber, radioaktiven
Stoffen, weiteren giftigen Metallen und stark korrosiven 30%
Salzen auswirken?
Geschäftsführer Dr. Scheck versuchte anfangs das Lithium-Projekt auch klimabewussten Menschen schmackhaft zu machen, indem er die Möglichkeit aufzeigte, im Zuge der Lithium-Extraktion auch die Wärme des Lagerstättenwassers zu nutzen. In einem Interview mit den "Grafschafter Nachrichten" winkte er kürzlich aber ab: Die Wärmenutzung sei zu umständlich. https://www.gn-online.de/grafschaft/heimisches-erdgas-warum-die-grafschaft-fuer-neptune-energy-so-wichtig-ist-622582.html
Nun, inzwischen hat sein Projekt Rückenwind
bekommen: Es wurde von der EU in die Liste "Strategischer
Projekte" aufgenommen. Dies bedeutet schnellere Genehmigungen
und weitere Vorteile. Auf das Wohlwollen klima- und
umweltbewusster Menschen ist er jetzt nicht mehr angewiesen. -
Und was interessieren ihn die feierlichen Erklärungen in
seinen "Leitprinzipien": "Wir arbeiten bei allen Aktivitäten
daran, unseren Einfluss auf die Umwelt möglichst gering zu
halten." Oder: "Wir handeln verantwortungsbewusst und nach
ethischen Grundsätzen." - Das macht sich gut auf der Website,
zu mehr taugt es nicht.
Wo bleibt z.B. die Ethik in Cheine? Neptune bestreitet, mit dem dort auf der Straße liegenden Quecksilber irgend etwas zu tun zu haben, gibt aber auch nicht an, woher es - wenn nicht aus der Erdgasförderung - stammen könnte. Die erheblichen Sanierungskosten bleiben damit bei der Stadt Salzwedel hängen - die nun, weiß Gott, nicht die Verursacherin ist. - Ist das "transparent" und "offener Dialog mit unseren Stakeholdern", was ebenfalls in Neptune's "Leitprinzipien" steht?
Hinsichtlich Batterietechnik ist Lithium ein Auslaufmodell. Die Natrium-Ionen-Technik hat elementare Vorteile:
- Natrium steht an 6. Stelle der auf dem
Planeten häufigsten Elemente, ist daher billig und
umweltfreundlich zu gewinnen.
- Die Natrium-Batterie kann in einem Temperaturbereich von -20 bis +60 Grad problemlos betrieben werden.
- Die Natrium-Batterie ist wesentlich sicherer
als Lithium hinsichtlich Brandgefahr.
Bei der Verminderung des einzigen Nachteils
"geringere Energiedichte" ist in der Entwicklung gerade ein
beachtlicher Sprung nach vorn gelungen.
„Batterie-Papst“ Prof. Dr. Maximilian Fichtner (Universität Ulm):
Batterien auf Basis von Natrium, Magnesium, Calcium, Aluminium und Chlorid-Ionen könnten Akkus mit dem begrenzt verfügbaren Rohstoff Lithium als Ladungsträger zukünftig ersetzen. - "Diese Post-Lithium-Batterien haben das Potenzial, mehr Energie zu speichern und sicherer zu sein. Sie bieten eine kostengünstigere, langfristige Option für Massenanwendungen wie stationäre und mobile elektrochemische Speicher". https://www.km.kit.edu/expertinnen-und-experten-des-kit_fichtner.php
Neptune muss sich beeilen, wenn es die starke
Lithium-Nachfrage, die momentan noch besteht, nicht verpassen
will.
Dann wird es gehen wie beim Erdgas: das
Geschäft ist vorbei. Die Firma schaut sich nach anderen
Märkten um und zieht weiter. Die angerichteten Schäden lässt
sie in der Region zurück.
Übrigens: Im Gegensatz zu Niedersachsen, wo
Gasförderer einen Förderzins ans Land abführen müssen, bekommt
Neptune das altmärkische Gas geschenkt. - Soll das Schenken
beim Lithium weitergehen?
Es dürfte an der Zeit sein, dass die für die Region verantwortlichen politischen Organe das Thema aufgreifen und sich positionieren.

i.A. Christfried Lenz
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