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| Die Verfügbarkeit von Rohstoffen wird nicht allein durch
technisch-geologische, wirtschaftliche und politische Aspekte
beeinflusst. Auch die Umweltrisiken des Bergbaus haben einen realen
Einfluss darauf. Mit der vom Umweltbundesamt entwickelten
ÖkoRess-Bewertungsmethode liegt nun erstmals ein Methodenvorschlag vor,
mit dem Unternehmen, zivilgesellschaftliche Gruppen und Behörden
ökologische Gefährdungspotentiale von Rohstoffen und Bergbauprojekten
bewerten und ökologisch kritische Rohstoffe identifizieren können.
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In Industrieländern mit rohstoffintensiven
Fertigungsindustrien wie Deutschland werden die Forderungen nach
transparenten Rohstofflieferketten und mehr unternehmerischer
Verantwortung immer stärker. Der Bergbau ist nicht mehr der blinde Fleck
in den globalen Lieferketten. Gleichzeitig gibt es am anderen Ende der
globalen Wertschöpfungsketten zunehmend sozial-ökologische Konflikte und
Proteste gegen den Bergbau. Der globale Bergbausektor setzt sich
zunehmend anspruchsvolle freiwillige Umweltstandards und das Bestreben
der Rohstoffförderländer, den Nutzen des Bergbaus für die Entwicklung zu
maximieren und die negativen Auswirkungen zu minimieren, nimmt zu.
Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf globale Rohstoffmärkte, denn
nicht allein technische, wirtschaftliche und politische Aspekte
beeinflussen die Verfügbarkeit von Rohstoffen: Auch die Verfügbarkeit
von Wasser, Energie, Land und nicht zuletzt die gesellschaftliche
Akzeptanz für die negativen Umweltauswirkungen sind knapper werdende
Ressourcen mit einem realen Einfluss. Durch den
Trend
zu steigenden Umweltstandards im Bergbau ist mittelfristig mit
steigenden Rohstoffpreisen durch höhere Produktionskosten und einer
Verknappung des „ökologisch verfügbaren“ Rohstoffangebots zu rechnen.
Ein aktuelles Beispiel ist der Anstieg des Nickelpreises in Folge der
Schließung von 20 Bergwerken auf den Philippinen aufgrund von
Umweltproblemen.
Die seit 2008 entbrannte Diskussion um die Kritikalität von Rohstoffen
war eine Reaktion auf unerwartet hohe Preisanstiege bei einzelnen
Rohstoffen. Es wuchs die Sorge, Versorgungsrisiken könnten in naher
Zukunft zu Preisanstiegen und Versorgungsengpässen führen. Zu den
bislang als kritisch identifizierten Rohstoffen zählen z.B. die Seltenen
Erden, Indium, Niob oder die Platingruppenmetalle. Umweltaspekten wurde
in den bisherigen Studien zur Kritikalität allerdings trotz ihrer
zunehmenden Relevanz nicht ausreichend Rechnung getragen. Rohstoffe sind
ökologisch kritisch, wenn sie ein hohes Umweltgefährdungspotential
aufweisen und gleichzeitig von hoher wirtschaftlicher Bedeutung sind.
In einem Forschungsprojekt (ÖkoRess I) im Auftrag des Umweltbundesamtes
wurde nun durch ein Forschungskonsortium, bestehend aus Öko-Institut,
ifeu-Institut und projekt consult, eine Methode zur Bewertung der
Umweltgefährdungspotenziale bei der bergbaulichen Gewinnung von
Rohstoffen entwickelt. Dazu wurde zunächst ein standortbezogenes
Bewertungsmodell erarbeitet und darauf aufbauend ein rohstoffbezogenes
Bewertungsmodell abgeleitet. Im laufenden Folgevorhaben ÖkoRess II
(Auftragnehmer von ÖkoRess I plus Adelphi-Consult) wird die Methode
weiterentwickelt und auf ca. 50 bergbaulich gewonnene Rohstoffe
angewendet. Die Ergebnisse stehen Ende 2018 fest.
Wie auch die „konventionelle“ Kritikalität ist die ökologische
Kritikalität vor allem ein Ruf nach mehr Aufmerksamkeit. Das
Umweltbundesamt stellt mit der rohstoffbezogenen
ÖkoRess-Bewertungsmethode für ökologische Gefährdungspotentiale des
Bergbaus einen Kompass zur Verfügung. Unternehmen,
zivilgesellschaftliche Gruppen aber auch Regierungsorganisationen können
damit die aus Umweltsicht prioritären Rohstoffe und rohstoffspezifische
Problemlagen identifizieren und entsprechend handeln. Zum Beispiel
werden Unternehmen befähigt, im Rahmen eines nachhaltigen
Lieferkettenmanagements die richtigen Fragen an ihre Lieferanten zu
stellen: Welche Umweltstandards werden angewendet um zu verhindern, dass
sich die ermittelten Umweltgefährdungspotentiale zu realen
Umweltbelastungen entwickeln?
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