„Es ist gut und richtig, dass die
muslim- und flüchtlingsfeindliche Abschottungshaltung einiger
osteuropäischer Länder klar verurteilt wurde. Zugleich steht fest, dass
man Schutzsuchende nicht zwangsweise in die Länder schicken kann, in
denen ihnen regierungsamtlich geschürter Hass entgegenschlägt und
unmenschliche Lebensbedingungen drohen. Die Alternative zum unwürdigen
Hin- und Herschicken von Geflüchteten innerhalb Europas lautet: free
choice", erklärt Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion
DIE LINKE, zum heutigen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), dem
zufolge Länder wie Ungarn und die Slowakei sich an die von der EU
festgelegten Umverteilungsquoten von Flüchtlingen halten müssen. Jelpke
weiter:
„Free choice bedeutet, dass Asylsuchende in dem Land ihrer Wahl das
Asylverfahren betreiben können. So können bestehende familiäre Kontakte
und vorhandene Sprachkenntnisse für ein gutes Ankommen und eine
schnellere Integration genutzt werden. Etwaige Ungleichverteilungen
müssen vor allem auf finanzieller Ebene ausgeglichen werden. Jede
Verteilungsregelung, die nicht substantiell die berechtigten Wünsche und
Interessen der Schutzsuchenden berücksichtigt, ist in der Praxis zum
Scheitern verurteilt. Die osteuropäischen Länder sollten zugleich beim
Aufbau menschenwürdiger Aufnahmestrukturen für Geflüchtete unterstützt
werden. Niemand darf sich der Verantwortung für einen solidarischen
Flüchtlingsschutz entziehen.
Leider ist die EU derzeit insgesamt dabei, sich ihrer Verantwortung
für den Flüchtlingsschutz zu entziehen. EU-Außengrenzen werden dicht
gemacht, nicht einmal vor einer Kooperation mit gescheiterten Staaten
wie Libyen schreckt man dabei zurück. Schutzsuchende werden sehenden
Auges in Folter, Misshandlungen, Sklaverei, Vergewaltigung und Tod
zurückgeschickt. So gesehen ist die Mehrheit der EU-Staaten, die heute
in Luxemburg Recht erhalten hat, um keinen Deut besser als der
Flüchtlingshasser Orban, der mit seiner inhumanen Abschottungshaltung
prahlt. In der EU-Flüchtlingspolitik braucht es deshalb ein
grundsätzliches Umdenken."
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