Zum Oxfambericht zur globalen Ungleichheit erklärt
Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:
Die
Ergebnisse der Studie sind erschreckend. Die soziale Ungleichheit nimmt
weltweit zu. Die Superreichen dieser Welt konnten ihren Wohlstand
weiter vergrößern. Vor zwei Jahren besaßen laut Oxfam
noch 62 Menschen so viel, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.
Dieses Jahr zeigen die Berechnungen der Nichtregierungsorganisation,
dass gerade einmal acht Menschen gemeinsam über ein größeres Vermögen
verfügen, als die ärmsten 3,7 Milliarden Menschen
zusammen.
Diese
schier unbegreifliche Form der Vermögenskonzentration ist unanständig
und gefährlich. Die Staatengemeinschaft hat sich in den
UN-Nachhaltigkeitszielen dazu verpflichtet, die soziale Ungleichheit
zu bekämpfen. Hierzu braucht es endlich wirksame Reformen. Durch eine
globale Strukturpolitik müssen eine gerechte Handels- und
Investitionspolitik vorangetrieben und die Ausbeutung in den
Lieferketten beendet werden. Die globale Steuer- und
Finanzmarktarchitektur
muss wieder auf seine Aufgaben reduziert werden und dem Gemeinwohl
dienen. Hierzu muss endlich eine Finanztransaktionssteuer eingeführt
werden, deren Einnahmen den Ärmsten zugutekommt. Steuersümpfe müssen
ausgetrocknet, Schlupflöcher geschlossen werden. Die
Bundesregierung muss diese Themen auch im Rahmen des G20-Gipfels im
kommenden Juli adressieren und entsprechende Lösungsansätze einbringen.
Soziale
Ungleichheit ist keine abstrakte Größe. Die ungleiche
Wohlstandsverteilung führt dazu, dass weite Teile der Bevölkerung von
politischer Teilhabe ausgeschlossen werden. Denn reiche Unternehmen
und Privatpersonen verfügen über ein Vielfaches an Ressourcen. Sie
lenken und steuern die globalen Handelsströme und Investitionen und
bestimmen verstärkt die gesellschaftlichen Entwicklungen ganzer
Nationen. In vielen Entwicklungsländern führt dies zur Destabilisierung
der gesellschaftlichen Strukturen und löst Konflikte aus, die zur
Fluchtursache werden können. Auch Wirtschaftswachstum und soziale
Mobilität werden durch die ungleiche Wohlstandsverteilung gebremst. Die
Überwindung der weltweiten Armut rückt so in weite Ferne.
Bündnis 90/Die Grünen Bundestag
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