Umwelt- und
Verbraucherschutzorganisation unterstützt Modellinitiativen aktiver Beteiligung
von Bürgern an der Stadtgestaltung
Radolfzell, 22.8.2013: Kinder lieben
und brauchen Natur. Doch in vielen Ballungszentren fehlen Grünflächen und
attraktive, naturnahe Freiräume. Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) fordert
deshalb mehr Natur für Stadtkinder und macht auf die oft gravierenden
gesundheitlichen Folgen aufmerksam, die ein Mangel an Parks, Gärten und
Grünflächen gerade bei Kindern auslöst. Zahlreiche wissenschaftliche Studien
belegen, dass diese für die Entwicklung der motorischen und emotionalen
Fähigkeiten Heranwachsender von großer Bedeutung sind.
„Leider gehört es zur deutschen
Lebensrealität des Jahres 2013, dass der soziale Status die Lebensqualität
bestimmt: Grün wohnt, wer es sich leisten kann. Sozial benachteiligte Menschen,
insbesondere auch solche mit Migrationshintergrund, wohnen deshalb oft in in
Vierteln ohne Naturräume, meist noch dazu in der Nähe stark befahrener und
lauter Straßen“, sagt Robert Spreter, der Leiter des
Kommunalbereiches der DUH. Gerade in Städten müsse für Natur oft erst Platz
geschaffen werden. Gelungen sei dies beispielsweise in Bad Hersfeld, wo fünf
Hektar Industriefläche in bester Innenstadtlage nicht neu bebaut, sondern in
einen Park umgewandelt wurden. Doch in aller Regel fehle es bei den Stadtoberen
an Mut und natürlich oft auch an Geld zu einem solchen Schritt.
Untersuchungen belegen immer wieder, dass
ein Mangel an Naturräumen sich unmittelbar negativ auf die Entwicklung und
Gesundheit von Kindern auswirkt. Weil lieblose Betonlandschaften keine Anreize
für Aktivitäten an der frischen Luft und damit Bewegung und Spiel bieten, sind
Übergewicht und Immunschwächen die häufigen Folgen. Außerdem leiden viele
Jugendliche vermehrt an Aufmerksamkeitsstörungen sowie an motorischen Defiziten
und emotionaler Instabilität. Forscher warnen daher bereits vor einer
„Naturdefizitstörung“ (Claßen 2011, Louv 2011).
In der aktuellen Debatte um soziale
Gerechtigkeit gilt es daher auch, den herausragenden Wert von Stadtnatur für die
Lebensqualität von Kindern und Erwachsenen zu erkennen. Attraktives, naturnahes
und alle Sinne ansprechendes Stadtgrün gehört in alle Stadtteile gleichermaßen.
Die Menschen müssen dabei ihr Stadtviertel und damit auch ihre Stadtnatur
mitgestalten dürfen. Gerade Kinder wollen die Entwicklungsprozesse in ihrem
Wohnumfeld mitbestimmen. Das geht beispielsweise aus der aktuellen UNICEF-Studie
zur Lage der Kinder in Industrieländern hervor. Allerdings glauben sie
angesichts der Realität, die sie vorfinden, kaum daran, dass sie aktiv an der
Gesellschaft teilhaben können.
Überzeugt von den Synergien der
bedarfsorientierten Gestaltung von Stadtnatur mit Kindern unterstützt die
Deutsche Umwelthilfe (DUH) in ihrem Projekt „Umweltgerechtigkeit durch
Partizipation“ fünf Modellprojekte. Dazu zählt der Internationale Mädchengarten
im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke. Hier gestalten Mädchen und junge Frauen
nach ihren Ideen einen Ort, an dem sie sich aktiv mit der Natur und mit sich
selbst in der Natur auseinandersetzen können. Ihr Engagement reicht dabei bis in
ihren Stadtteil hinein, z.B. erkundeten sie im Rahmen einer Foto-Aktion ihr
Wohnumfeld und wiesen mit ihren Fotos demonstrativ auf Defizite
hin.
„Der Mädchengarten ist ein
naturbasierter Aktionsraum, den Kinder nach ihren eigenen Vorstellungen immer
weiterentwickeln. Mit Beteiligung und Begeisterung formen die Mädchen ihr
persönliches Wohnumfeld mit. Das ist ein zukunftsweisender Ansatz der
heranwachsenden Generation“, resümiert Robert Spreter.
Das beherzte Engagement der Aktiven in den
Modellprojekten macht deutlich: Es sind nicht immer teure Maßnahmen, die Kindern
helfen. Vielmehr zählen die selbstbestimmten, naturnahen Freiräume, die ihnen in
ihren Lebenswelten eingeräumt werden, die kleinen und steten Möglichkeiten sich
einzubringen sowie das Zuhören seitens der Verantwortlichen.
Das Projekt „Umweltgerechtigkeit durch
Partizipation“ wird von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt
gefördert.
Mehr Informationen zum DUH-Projekt
Umweltgerechtigkeit durch Partizipation und weiterführende Literatur finden Sie
unter: www.duh.de/partizipation.html
Literatur zum Thema
Claßen, T. (2011): „Natur macht stark!“
Welchen Beitrag kann Naturerlebnis zur Förderung von Gesundheit / Wohlbefinden
und zur Gewaltprävention bei Kindern leisten? Vortrag 2. Bayerische
Fachtagung zu Planung, Bau und Nutzung von Naturnahen Spielräumen.
Louv, R. (2011): Diagnose: Dramatischer
Naturmangel. In: Psychologie heute, 2011, Jg. 38 (10).
UNICEF (2013): UNICEF-Bericht zur Lage
der Kinder in Industrieländern 2013. Leistungsstark, aber unglücklich? URL:
http://www.unicef.de/projekte/themen/kinderrechte/kinder-in-industrielaendern/unicef-bericht-2013/.
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