Europäische
Gewässer sind noch immer in keinem guten Zustand – Umweltverbände
fordern Bekenntnis zu Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie
– Anlässlich des europäischen Flussbadetags springen Hunderte von
Menschen für wirksamen Gewässerschutz ins Wasser
Berlin, 10.07.2015:
2015 sollen laut EU alle Flüsse und Seen in einem guten Zustand sein.
Allerdings
sind viele Gewässer noch weit von diesem Ziel entfernt. Die Deutsche
Umwelthilfe (DUH), das European Rivers Network (ERN), die
sozial-ökologische Plattform GETIDOS und die Grüne Liga fordern
anlässlich des europäischen Flussbadetags am 12.7. eine konsequente
Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). An diesem Tag werden
sich vielerorts Menschen für den Gewässerschutz stark machen und
symbolisch gemeinsam ins Wasser springen. Teilnehmer der Jugendkampagne
Big Jump Challenge werden am 13.7 mit Abgeordneten
im Europäischen Parlament in Brüssel über den Gewässerschutz
diskutieren.
Das
Ziel der WRRL, dass bis Ende 2015 alle Oberflächengewässer der EU in
einem „guten ökologischen Zustand“ sein sollen, wird insgesamt weit
verfehlt: Europaweit sind 47% der
Gewässer von diesen Zustand entfernt und in Deutschland werden je nach
Flussgebiet zwischen 82 % und 98 % der Seen und Flüsse dieses
ökologische Ziel verfehlen. Die Mitgliedstaaten der EU haben sich mit
Verabschiedung der Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000
im Europäischen Rat selbst Fristen zur Umsetzung der WRRL gesetzt, von
denen die ersten in diesem Jahr enden. „Es ist nicht hinnehmbar, dass
der geforderte gute chemische und ökologische Zustand bislang nicht
flächendeckend erreicht werden konnte. Spätestens
mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 1. Juli sind in
Deutschland nun die Länder am Zug, um für wirksame Verbesserungen zu
sorgen“, fordert
Ulrich Stöcker, Bereichsleiter Naturschutz bei der DUH. „Niemand
will im Hochsommer in einer Algenbrühe baden. Wir erwarten von Bund und
Ländern vor allem Maßnahmen gegen die Stickstoffeinträge, die die
Flüsse und unsere Meere hochgradig beeinträchtigen,
sowie endlich mehr „Raum für lebendige Flüsse“„
Mehr
„Raum für lebendige Flüsse“ ist bereits seit entsprechenden Aussagen
des damaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl nach dem Oder-Hochwasser
1997 eine der Kernforderungen
der Umweltverbände an die Flusspolitik – auch auf europäischer Ebene.
Jedoch finden Maßnahmen zum natürlichen Wasserrückhalt in den
Maßnahmenprogrammen für die Flusseinzugsgebiete bisher kaum Anwendung.
Im Flussgebietsmanagement bestehen zudem nach wie vor
deutliche Defizite bei der Integration von Naturschutzzielen und der
Berücksichtigung von Synergieeffekten mit dem Hochwasserschutz.
Michael Bender, Leiter der GRÜNE LIGA Bundeskontaktstelle Wasser, ergänzt:
„Nachdem die kommunalen Kläranlagen mit erheblichem Aufwand
ertüchtigt wurden, sind es insbesondere die diffusen Belastungen aus der
Landwirtschaft, die erhebliche Gewässerbelastungen verursachen. Hier
muss die Düngeverordnung dringend revidiert werden.
Auch die Unterhaltung der Gewässer ist vielfach immer noch nicht auf
die ökologischen Ziele ausgerichtet. Selbst einfache Maßnahmen wie
biotopvernetzende Gewässerrandstreifen werden in der Fläche nur stark
eingeschränkt zugelassen.“
Im
Zusammenhang mit dem Big Jump anlässlich des europäischen Flussbadetags
animiert die Kampagne Big Jump Challenge Jugendliche, sich mit
kreativen Ideen für den Gewässerschutz
einzusetzen. Insgesamt 54 junge Menschen aus 15 Ländern sind am 8.7.
nach Brüssel gereist, um dort ihre Forderungen für gesunde Gewässer
vorzutragen. Am Montag bringen sie im Parlament ihr „youth and water“
Manifest ein. Darin betonen sie, dass Gewässerschutz
und die Umsetzung der WRRL eine generationenübergreifende Aufgabe ist.
Für Deutschland sind ein 3er-Team aus Nagold, ein 4er-Gespann aus
Berlin sowie drei Gymnasiasten aus Wolfsburg-Fallersleben noch bis zum
14.7. vor Ort.
„Der
europäische Flussbadetag ist eine gute Gelegenheit, um mit Bürgerinnen
und Bürgern die verbesserte Wasserqualität der Gewässer zu feiern,
zugleich aber auch auf Versäumnisse
aufmerksam zu machen. Er trägt dazu bei, dass Gewässerpolitik wieder
mehr in den Fokus rückt“, sagt der Initiator des europäischen Flussbadetags,
Roberto Epple vom ERN.
Hintergrund:
Der
Europäische Flussbadetag, auch Big Jump genannt, geht zurück auf den
Elbebadetag, den Roberto Epple 2002 mit der DUH ins Leben rief. Seit
2005 organisiert Epple mit dem European
Rivers Network (ERN) den Flussbadetag europaweit. Ziel der
Flussbadekampagne ist die „Wiederversöhnung mit den Flüssen“ und die
Sensibilisierung für Gewässerschutz, insbesondere für die Ziele der
EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Die Big Jump Challenge als
Jugendkampagne des Big Jumps wird von der sozial-ökologischen Plattform
GETIDOS europaweit organisiert. Die Umweltverbände DUH und Grüne Liga
sind die Ko-Organisatoren des Big Jumps in Deutschland.
Bundesweit
finden rund 50 Big Jump Events statt. Organisatoren sind Gemeinden,
Umwelt- und Sportverbände sowie Schulen und Jugendgruppen. Alle Termine
sind hier zu finden:
www.bigjump.org. Das „youth and water“ Manifest ist ab Montag bei Rafael Ziegler erhältlich.
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