Mehr Demokratie e.V.
Landesverband Berlin-Brandenburg
Pressemitteilung
2/2014
13.01.2014
Volksbegehren „100 Prozent Tempelhofer Feld“:
Abstimmungstermin mit Europawahl zusammenlegen
Mehr Demokratie fordert
klare Regelungen für Abstimmungstermine und Abschaffung des Zustimmungsquorums
bei Volksentscheiden
Das Volksbegehren „100 Prozent Tempelhofer Feld“
könnte zum Volksentscheid gelangen. Wie die Initiative mitteilt, haben 190.000
Unterstützerinnen und Unterstützer unterzeichnet (Stand 12.1.2014). Die Frist
endet heute Abend. Für die Durchführung eines Volksentscheids werden knapp
174.000 gültige Unterschriften benötigt. Bei den zwei letzten Volksentscheiden
waren jedoch 12 Prozent (Wasserverträge) beziehungsweise sogar 14 Prozent („Neue
Energie für Berlin“) der Stimmen ungültig. Ähnliche Abzüge werden nun auch
erwartet. Die Bezirksämter müssen bis 15 Tage nach Fristende die Unterschriften
auf Gültigkeit überprüfen. Die Gesetzesvorlage des Volksbegehrens sieht vor,
dass das Tempelhofer Feld in seiner jetzigen Form beibehalten wird, also vom
Land Berlin nicht verkauft, bebaut oder teilprivatisiert wird. Zudem soll es als
Ort des Gedenkens beibehalten werden.
„Sollte es zum Volksentscheid
kommen, fordern wir den Berliner Senat mit aller Nachdrücklichkeit auf, diesem
keine Steine in den Weg zu legen, wie dies bei den Volksentscheiden ‚Neue
Energie für Berlin‘ und ‚Pro Reli‘ der Fall war“, so Oliver Wiedmann von Mehr
Demokratie, Landesverband Berlin-Brandenburg. Bei beiden Volksentscheiden hatte
der Senat aus politischen Gründen den jeweiligen Abstimmungstermin von
anstehenden Wahlterminen entkoppelt, obwohl eine Zusammenlegung möglich gewesen
wäre. Die Kopplung des Abstimmungstermins an eine Wahl erhöht die Beteiligung
und somit die Chance für die Initiative, das Zustimmungsquorum von 25 Prozent
der Wahlberechtigten zu erreichen. Die Tempelhofer Feld-Initiative strebt einen
Abstimmungstermin zur Europawahl am 25. Mai an. Anders als in Hamburg oder
Bremen entscheidet in Berlin allein der Senat über den Abstimmungstermin.
Eine kürzlich von Mehr Demokratie bei Forsa in Auftrag gegebene Umfrage
hatte ergeben, dass zwei Drittel der Berlinerinnen und Berliner die
Terminfestlegung des Senats nicht in Ordnung fanden. Eine knappe Mehrheit
befürwortet eine gesetzlich vorgeschriebene Zusammenlegung von Abstimmungen und
Wahlen (Details der Umfrage im beigefügten Link). „Findet in einem Zeitraum von
acht Monaten nach einem zustande gekommenen Volksbegehren eine Wahl statt,
fordern wir eine zwingende Zusammenlegung der Termine – außer wenn die
Initiatoren des Volksentscheids sich für einen anderen Termin aussprechen“,
erläutert Wiedmann die Position des Vereins.
Die Initiative „100 Prozent
Tempelhofer Feld“ wäre die Fünfte, die die zweite Stufe des Volksbegehrens
erfolgreich abschließt. Bei einem Volksentscheid müsste ein Zustimmungsquorum
von 25 Prozent aller Wahlberechtigten erreicht werden, insgesamt wären also mehr
als 600.000 Ja-Stimmen notwendig. Diese Regelung lehnt Mehr Demokratie ab. „Wie
bei Wahlen auch sollten diejenigen entscheiden, die sich an der Abstimmung
beteiligen und nicht die, die zu Hause bleiben. Gibt es kein Zustimmungsquorum,
so müssen Befürworter und Gegner gleichermaßen ihre Anhänger an die Urnen
mobilisieren. Dies hätte eine breitere öffentliche Diskussion über den
Abstimmungsgegenstand und damit auch eine höhere Beteiligung zur Folge“, so
Wiedmann abschließend.
Übersicht Volksgesetzgebungsverfahren in
Berlin:
http://www.bb.mehr-demokratie.de/fileadmin/pdf/2014-01-13_PI_Uebersicht_Volksbegehren.pdf
Forsa-Umfrageergebnisse
im Detail:
http://bb.mehr-demokratie.de/fileadmin/pdf/2014-01-08_Presse-Information_Forsa-Umfrage_Volksentscheide.pdf
Mehr Demokratie Berlin-Brandenburg fordert in einem Aufruf die
Zusammenlegung von Wahlen und Abstimmungen sowie die Abschaffung des
Zustimmungsquorums:
http://bb.mehr-demokratie.de/die-mehrheit-entscheidet.html
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