11. Juli 2015

FUKUSHIMA-NEWSLETTER VOM 11.07.2015



Sehr geehrte Damen und Herren,

vier Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe von Fukushima sieht sich
mittlerweile sogar die atomfreundliche Internationale
Atomenergie-Organisation (IAEO) gezwungen, die Sicherheitsvorkehrungen der
japanischen Behörden zu kritisieren. Zudem wollen wir diesen Monat in
unserem Newsletter einen Schwerpunkt auf die Menschen legen, die aus den
stark verstrahlten Gebieten evakuiert wurden und durch die Atomkatastrophe
ihre Heimat verloren haben. Ihr physischer und psychischer
Gesundheitszustand ist weiterhin besorgniserregend und nun gibt die
Betreiberfirma TEPCO auch noch bekannt, Kompensationszahlungen an die
Evakuierten demnächst drastisch reduzieren zu wollen. Neben den
evakuierten Menschen ist aber auch die gesamte Gesellschaft von den Folgen
der Atomwirtschaft betroffen. Ein massives Problem stellt die Entsorgung
des Atommülls dar – in Japan ebenso wie in Deutschland. Atomkraftgegner
bestehen in Deutschland auf einer vernünftigen
Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Frage, wo die radioaktiven Abfälle
einmal bleiben sollen. Auch aus der Grundlagenforschung um die
gesundheitlichen Folgen ionisierter Strahlung gibt es neues zu berichten:
Eine sehr aufwändige internationale Studie belegt ein erhöhtes
Leukämie-Risiko für Arbeiter in der Nuklearindustrie. Wir hoffen wie
immer, Ihnen in diesem Newsletter wieder ein breites Spektrum an
interessanten Themen anbieten zu können und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen

Henrik Paulitz und Dr. Alex Rosen

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NEUER IAEO - BERICHT ZU FUKUSHIMA
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Im Mai 2015 übermittelte die Internationalen Atomenergie Organisation
(IAEO) einen neuen Bericht über die Atomkatastrophe in Fukushima an ihre
Mitgliedsstaaten. IAEO-Generaldirektor Yukiya Amano räumte in diesem
Zusammenhang ein, dass die von General Electric entwickelten
Siedewasserreaktoren „gewisse Schwächen im Kraftwerksdesign“
aufwiesen. Hinzu gekommen seien Defizite in der Notfallvorsorge und
Gefahrenabwehr sowie Planungsmängel bei der Vorbereitung auf einen
schweren Atomunfall. Zudem sei die „Vorsorge für einen Atomunfall in
Verbindung mit einer großen Naturkatastrophe“ unzulänglich gewesen, so
Amano. Dem IAEO-Bericht zufolge bestehen erhebliche Unsicherheiten
darüber, welchen Strahlendosen die japanische Bevölkerung zu Beginn der
Atomkatastrophe ausgesetzt wurde. Weiterlesen (Link:
http://www.fukushima-disaster.de/deutsche-information/super-gau/artikel/179a22cce4ddf9adbf17a42b03e172ba/neuer-iaeo-bericht-zu-fukushima.html
)
Außerdem:
IAEA: IAEA Delivers Major Report on Fukushima Accident to Member States
(Link:
https://www.iaea.org/newscenter/news/iaea-delivers-major-report-fukushima-accident-member-states
) Greenpeace: The IAEA Fukushima Daiichi Accident Summary Report: A
preliminary analysis (Link:
http://www.greenpeace.org/japan/Global/japan/pdf/IAEA%20analysis%20by%20GP%2020150528.pdf
)


IMAGES:
http://news.ippnw.de/uploads/pics/Yukiya_Amano.jpg

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55.000 EVAKUIERTEN SOLL KOMPENSATION GESTRICHEN WERDEN
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Den Menschen, die aufgrund der Atomkatastrophe aus Fukushima evakuiert
werden mussten, geht es nicht gut: Zwei Drittel der Familien haben
Mitglieder mit physischen oder psychischen Gesundheitsproblemen. Das
ergibt sich aus einer offiziellen Studie der Präfektur Fukushima, an der
sich etwa ein Drittel aller angeschriebenen Evakuierten beteiligten. Die
Evakuierten geben u.a. an, unter Schlafstörungen, depressiven
Verstimmungen und Müdigkeit zu leiden.
Jetzt sollen die Evakuierten, die zum Teil weiterhin in behelfsmäßigen
Notunterkünften ein tristes Dasein fristen, auch noch finanziell
wesentlich schlechter gestellt werden. Derzeit zahlt der Atomkonzern TEPCO
knapp 80.000 Evakuierten noch 100,000 Yen (745 Euro) pro Monat. Demnächst
sollen diese Zahlungen für 54.800 der Evakuierten eingestellt werden.
TEPCO’s Begründung: In einem Teil der evakuierten Gebiete sei davon
auszugehen, dass durch die Dekontaminationsarbeiten die Strahlenbelastung
gesunken sei. Nur rund 24.400 Evakuierte sollen auch in Zukunft noch
Kompensationen erhalten.
Weiterlesen:
Survey: Large majority of Fukushima evacuees have family members with
health problems (Link:
http://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201505190054 )
"Ministry plans to end TEPCO compensation to 55,000 Fukushima evacuees in
2018" (Link:
http://ajw.asahi.com/article/0311disaster/fukushima/AJ201505190055 )


IMAGES:
http://news.ippnw.de/uploads/pics/fukushima_sato_sachiko_02.jpg

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"ATOMMÜLL OHNE ENDE"
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In Japan stellen die großen Mengen an radioaktiv verseuchter Erde,
radioaktivem Wasser, sowie die kontaminierten Anlagen des Atomkraftwerks
Fukushima Dai-ichi das Land und die Gesellschaft vor große
Herausforderungen im Umgang mit diesen Massen an radioaktivem Abfall. Doch
auch in den anderen Atomanlagen des Landes türmen sich Berge von
ausgebrannten Brennstäben und anderem Atommüll. Ebenso in Deutschland.
Auch hier fallen durch die Atomindustrie trotz Ausstiegsplänen jedes Jahr
weiter große Mengen an Atommüll an, die für hunderttausende von Jahren
sicher deponiert werden müssen.
Am 20. Juni 2015 veranstaltete die Atommüll-Kommission eine
„Auftaktveranstaltung“ zur Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an
der Suche eines Endlager-Standortes für hochradioaktive Abfälle.
Bürgerinitiativen kritisierten die Veranstaltung als
„Beteiligungs-Simulation“. Parallel zur offiziellen Veranstaltung fand
daher in Berlin die Tagung „Atommüll ohne Ende – Teil 2“ der
Anti-Atom-Initiativen statt. Auf der Tagung plädierte der ehemalige
Bundestagsabgeordnete Reinhard Ueberhorst für eine demokratische
Atommüllpolitik. Er forderte eine echte Einbindung der Öffentlichkeit in
die Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse. Dies sei mit der Arbeit
der „Endlagerkommission“  nicht gegeben, da dort eine
gesellschaftliche Verständigung nur drehbuchmäßig „simuliert“
werden würde. Gespannt dürften auch die Menschen in Japan und anderen
Atomstaaten auf die Ereignisse in Deutschland blicken, welches eine
gewisse Vorbildfunktion für andere Länder haben dürfte, die den
Atomausstieg ebenfalls noch vor sich haben. Dieser übergeordneten
Verantwortung müssen wir uns als Gesellschaft bewusst werden.
Weiterlesen im Strahlentelex: „Atommüll ohne Ende (Link:
http://www.strahlentelex.de/Stx_15_684-685_S01-06.pdf )“




IMAGES:
http://news.ippnw.de/uploads/pics/decontamination_japan.jpg

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LEUKÄMIERISIKO VON NUKLEAR-ARBEITERN
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Eine neue und sehr aufwendige internationale Studie, die im Juni 2015 in
der angesehenen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, belegt
ein erhöhtes Leukämie-Risiko für Arbeiter in der Nuklearindustrie. Die
Arbeit mit dem Titel „Ionising radiation and risk of death from
leukaemia and lymphoma in radiation-monitored workers“ basiert auf
Gesundheitsdaten von gut 300.000 Nuklear-Arbeitern aus drei
Industrieländern. Nahezu 22% der Personen waren laut Studie nach
durchschnittlich 27 Jahren als strahlenüberwachte Nuklear-Arbeiter
gestorben, 3% davon an Leukämien. Die durchschnittliche Lebenszeitdosis
nach diesen 27 Jahren lag bei 16 mGy. Die Studie ermittelte für die
zusätzliche Sterblichkeit an Leukämie (ohne CLL) einen Risikofaktor von
rund 4,19/Gy (ERR, 90% CI 1,42 – 7,80). Das Risiko (ERR) wurde somit um
117% höher ausgewiesen als in einer vorherigen Arbeit
(„15-Länder-Studie“). Der britische Strahlenschutzexperte Ian Fairlie
betont, dass in der neuen Studie das Risiko sehr viel präziser bestimmt
wurde als zuvor. Die Studie stützt zugleich das LNT-Modell (Linear
no-threshold model), wonach es einen linearen Zusammenhang zwischen
Strahlendosis und Erkrankungsrisiko bzw. Mortalität ohne Schwellendosis
gibt.
Weiterlesen:
„Leukämierisiko von Nuklear-Arbeitern (Link:
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Info/Leukaemierisiko_von_Nukleararbeitern.pdf
)“ (IPPNW-Informationen)




IMAGES:
http://news.ippnw.de/uploads/pics/fukushima_workers_02.jpg

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