(BUP) Wärmere Winter mit mehr Regen, trockenere Frühjahre und Sommer mit
starken Regenfällen: Das könnten mögliche Auswirkungen des Klimawandels
auch für Niedersachsen sein. Das Niedersächsische Gewässerforum,
veranstaltet vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für
Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz), greift das Thema auf und
befasst sich am Mittwoch und Donnerstag hochaktuell mit dem Klimawandel
im Binnenland und den möglichen Folgen auf Wasser, Boden und Natur.
Umweltminister Stefan Wenzel eröffnete die zweitägige Veranstaltung in
Hildesheim. Hier informieren sich Fachleute über die aktuellen
Entwicklungen und diskutieren gemeinsam mögliche Anpassungsoptionen.
Wenzel stellt klar heraus: „Der Klimawandel wird auch verschärfte
Auswirkungen in Niedersachsen haben. Die Folgen vermehrter
Extremwetterereignisse für das Wasser, den Boden und den Naturschutz
sind eine der zentralen Herausforderungen für die Umweltpolitik der
Landesregierung. Sowohl Hochwasser mit Überschwemmungen wie auch
Trockenperioden mit starken Hitzebelastungen strapazieren gleichermaßen
Mensch und Tier, die Landwirtschaft und die Schifffahrt. Die
Auswirkungen auf die Bodenbeschaffenheit, die Wasserstände und die
Wasserqualität mit all ihren Folgen für Ernten, wirtschaftliche Erträge
und die Gesundheit der Menschen sind bislang nur schwer abschätzbar."
Die
Landesregierung werde ihre Anstrengungen verstärken, mit
wissenschaftlicher Analyse und konkreten Anpassungsstrategien dieser
Entwicklung entgegen zu treten. „Wir brauchen für das Land eine
umfassende Klimarisikoanalyse, bei deren Erarbeitung auch externe
Fachleute eingebunden werden. Gemeinsam mit der Klima- und
Energieagentur soll das gesamte Klimawissen für Niedersachsen gebündelt
und in einem Klimakompetenzzentrum zugänglich gemacht werden, damit zum
Beispiel Landwirte, Naturschützer, Kommunen, Unternehmen und letztlich
auch alle Bürgerinnen und Bürger einen zentralen Ansprechpartner haben,
wenn sie Information und Unterstützung im Hinblick auf den Klimawandel
seine Folgen benötigen," betonte Wenzel.
Prof. Joseph Hölscher,
Leiter der Betriebsstelle Hannover-Hildesheim des NLWKN, machte vor
Journalistinnen und Journalisten deutlich, dass eine fundierte
Wissensbasis die Grundlage sei, um die Auswirkungen beurteilen und
effektive Anpassungsoptionen ableiten zu können. Der NLWKN stellt dazu
beispielsweise mit seinem Messnetz an Flüssen und Bächen und den
Messstellen für das Grundwasser in einem umfangreichen
Monitoring-Programm eine grundlegende Datenbasis bereit. Hölscher
stellte klar: „Wir können die Auswirkungen aber nicht mit absoluter
Sicherheit vorhersagen. Unsicherheiten in möglichen Entwicklungen des
Klimas liegen auf der Hand. Dies ist bei der Entwicklung und Anwendung
von Anpassungsmaßnahmen zu berücksichtigen".
Im Rahmen der
Regierungskommission Klimaschutz wurde eine Vielzahl von
Maßnahmenoptionen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt. Ein
großer Teil dieser Vorschläge entfällt auf die Handlungsfelder Wasser,
Boden und Naturschutz. Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen wurden
bereits vom NLWKN umgesetzt: Die Hochwasservorhersagezentrale in
Hildesheim, die verbesserten Informationen für Bürgerinnen und Bürger
und das umfangreiche Monitoring wasserwirtschaftlicher Messgrößen.
Das
Gewässerforum spannt einen Bogen von der Klimaentwicklung und ihren
wasserwirtschaftlichen Auswirkungen auf Flüsse und das Grundwasser sowie
auf Böden und den Naturhaushalt. Ferner werden Anpassungsmöglichkeiten
thematisiert, wobei neben niedersächsischen Projekten auch Beispiele aus
anderen Ländern zur Sprache kommen. So werden unter anderem Ergebnisse
der Klimafolgenabschätzung aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern
und Hessen vorgestellt.
Der Klimawandel stellt für die
niedersächsischen Ökosysteme eine schwer kalkulierbare Belastung in
Hinblick auf Funktionstüchtigkeit, Erhalt der biologischen Vielfalt
sowie der vielfältigen Nutzungen durch den Menschen dar. Veränderungen
des Landschaftswasserhaushaltes können gravierende Veränderungen der
Lebensräume und der Zusammensetzung des Artenspektrums verursachen.
Stephan-Robert Heinrich, Mitglied der Direktionsleitung des NLWKN,
betonte vor Journalisten in Hildesheim: „Mit der Veränderung des Klimas
ändert sich auch der Wasserkreislauf mit Folgen für die
Wasserwirtschaft." Wesentliche Bereiche der Wasserwirtschaft sind dabei
vom Klimawandel betroffen: z.B. der Hochwasserschutz durch die Zunahme
von Extremereignissen, die Wasserversorgung und die Erhaltung der
ökologischen Funktion der Gewässer durch länger andauernde
Niedrigwasserperioden im Sommer.
Um die möglichen Auswirkungen
auf die Wasserwirtschaft aufzuzeigen und auszuwerten, wurde zusammen mit
der Leibniz Universität Hannover und der Technischen Universität
Braunschweig bereits vor einigen Jahren das Forschungsprojekt KliBiW
(Globaler Klimawandel - Wasserwirtschaftliche Folgenabschätzung für das
Binnenland) initiiert und vom Niedersächsischen Umweltministerium
gefördert. In dem Projekt arbeiten Forschung und Praxis Hand in Hand.
Ergebnisse sind bereits in der NLWKN-Schriftenreihe „Oberirdische
Gewässer" in Band 33 (Thema: Hochwasser) und Band 36 (Thema:
Niedrigwasser) veröffentlicht. Das Projekt wird zurzeit in einer vierten
Phase bearbeitet, in der weitere Gebiete Niedersachsens einbezogen
werden.
Verschiedene mögliche Klimaentwicklungen aus den so
genannten Klimamodellen werden in der Untersuchung zugrunde gelegt, um
„robuste Aussagen über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Hoch-
und Niedrigwasserverhältnisse zu erhalten", so Hölscher. Neben dem
Projekt KliBiW gab es weitere zahlreiche Projekte und Untersuchungen in
Niedersachsen, an denen der NLWKN beteiligt war.
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