(BUP) Lippold: Tatsache, dass ein zwölf Jahre alter Druckreaktorblock
Undichtigkeiten entwickelt, muss Anlass für umfassende
Sicherheitsüberprüfung sein - Material muss noch über 30 Jahre halten.
Die unerwartete radioaktive Kontamination außerhalb des Kernkraftwerkes
Temelin wurde durch den Betreiber, den tschechischen Energieversorger
CEZ, umgehend mit Verweis auf die nur geringfügig erhöhten Strahlenwerte
relativiert. Dazu erklärt der energiepolitische Sprecher der
GRÜNEN-Landtagsfraktion, Dr. Gerd Lippold:
"Die im Block 2 des
Kernkraftwerks Temelin ausgetretene Radioaktivität stammt offensichtlich
aus dem Primärkreis des Druckwasserreaktors. Bereits 2013 hatte ein
Gutachten den unprofessionellen Umgang mit sicherheitsrelevanten
Schweißnähten am Primärkreis des baugleichen Blocks Temelin 1
offenbart."
"Dass nun im Block 2 des Kernkraftwerks Temelin ein
Leck im Primärkreislauf entstanden ist, muss aufhorchen lassen. Ein
Problem von Druckwasserreaktoren ist, dass die hohe Strahlung im
Primärkreis den Stahl mit der Zeit spröde werden lässt. Dieser muss
dauerhaft Stabilität gegen den Druck von bis zu 160 bar bei 300°C
garantieren. Der relativ neue, nun undichte Block 2 ist aber erst 2003
in Betrieb gegangen. Sein Betreiber, der tschechische Energieversorger
CEZ, will den Block erst nach 2043 stilllegen. Wenn bereits nach zwölf
Jahren Materialprobleme auftreten, wie soll dann der Schutz der
Bevölkerung in den nächsten 30 Jahren gewährleistet werden?"
"Es
wäre fahrlässig, angesichts der nur geringen radioaktiven Kontamination
im Außenbereich zur Tagesordnung überzugehen. Die Tatsache an sich,
dass ein gerade zwölf Jahre alter Druckreaktorblock russischer Bauart
überhaupt Undichtigkeiten im Primärkreis entwickelt, muss Anlass für
eine umfassende Sicherheitsüberprüfung des gesamten Kernkraftwerkes
sein."
"Erst im vergangenen Monat hat die tschechische Regierung
in ihrer nationalen Energiestrategie der Kernenergie einschließlich
Neubau von Kernkraftwerken eine wichtige Rolle zugewiesen, auch wenn sie
zugeben musste, dafür derzeit keine Finanzierbarkeit zu sehen.
Angesichts der Tatsache, dass selbst die existierenden
Kernkraftwerksblöcke bereits ein unkalkulierbares Risiko für
Bevölkerung, Energieversorgung und Staatsfinanzen darstellen, ist hier
ein Umdenken angesagt."
"Das Versprechen einer sicheren
Stromversorgung konnten die Blöcke Temelin 1 und 2 bereits in der
Vergangenheit nicht erfüllen. Block 1 kam über seine gesamte
Betriebszeit auf eine Volllaststunden-Verfügbarkeit von weniger als 65
Prozent, Block 2 auf weniger als 80 Prozent. Nicht solche unsicheren
Großkraftwerke, sondern die dezentrale Erzeugung unter Nutzung
Erneuerbarer Energien sichern in einer zukunftsfähigen Energiewirtschaft
die ständige Verfügbarkeit für Bevölkerung und Industrie."
"Die
offensichtlich überholte und auch für Tschechien hoch riskante
Energiestrategie hat leider unmittelbaren Bezug zur energiepolitischen
Realitätsverweigerung des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw
Tillich und seiner Koalition. Er hofft darauf, dass der Betreiber der
tschechischen Kernkraftwerke, CEZ, als Nachfolger von Vattenfall zur
Verfügung steht, um künftig als Eigentümer und Betreiber sächsischer
Braunkohletagebaue und Kraftwerke auch hierzulande möglichst lange einen
Kohlekurs gegen die Energiewende zu unterstützen. Die Menschen in
Sachsen sollten sehr genau hinschauen, wem die Staatsregierung die
Zukunft ihrer Energieversorgung in die Hände geben möchte, um ihre
eigene, hoffnungslose Kohlestrategie auf Kosten des Klimaschutzes und
nachhaltiger Zukunftsperspektiven der Menschen in den betroffenen
Regionen noch ein paar Jahre zu retten."
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