Berlin/Köln, 10. Juni 2015. Der Parlamentarische Staatssekretär im
Bundesfinanzministerium Steffen Kampeter soll neuer
Hauptgeschäftsführer bei der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA) werden. Kampeter will sein Amt als
Staatssekretär nach der BDA-Wahl am 24. Juni niederlegen, aber sein
Bundestagsmandat bis Juli 2016 behalten und dann den neuen Posten
antreten. Damit soll eine Karenzzeit von zwölf Monaten eingehalten
werden. Timo Lange von LobbyControl kritisiert den Seitenwechsel und
die vermeintliche Karenzzeit dennoch scharf:
„Kampeter und der BDA umgehen mit dem Seitenwechsel zu diesem
Zeitpunkt eine weitergehende Karenzzeit. Denn der aktuelle
Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht für schwere
Beeinträchtigungen des öffentlichen Interesses eine Karenzzeit von
18 Monaten vor. Kampeters Wechsel in einen so einflussreichen
Lobbyjob beim BDA ist sicherlich solch ein Fall.
Stattdessen wird Kampeter nun nach nur 12 Monaten einen der
wichtigsten Lobbyjobs in der Bundesrepublik ausüben und mit seinen
derzeitigen Kollegen in der Bundesregierung wieder am Tisch sitzen –
nur auf der anderen Seite. Es ist inakzeptabel, dass Kampeter selbst
oder die Bundesregierung ad hoc feststellen, zwölf Monate seien in
diesem Fall genug. LobbyControl fordert eine Karenzzeit von drei
Jahren für Wechsel in Lobbytätigkeiten, damit das im Amt erworbene
Insiderwissen und Kontaktnetzwerk ausreichend abgekühlt ist.
Wenn die Umsetzung der Karenzzeit für Minister und Staatssekretäre
so aussieht wie bei Kampeter, kann die Bundesregierung die selbst
gesteckten Ziele für die geplante Karenzzeit kaum erreichen. Der
Anschein von Interessenkonflikten wird nicht ausgeräumt, wenn der
Wechsel noch im Amt ausgehandelt wird und direkt nach dem
Ausscheiden aus dem Amt vertraglich vereinbart wird. Außerdem ist es
problematisch, dass Kampeter die selbstauferlegte Karenzzeit als
Bundestagsabgeordneter absitzen will. Als Bundestagsabgeordneter hat
er weiter Zugang zu internen Informationen über
Gesetzgebungsprozesse – das ist keine echte Abkühlphase, sondern
eher ein Warmhaltebecken.“
Die Einführung einer gesetzlich verankerten Karenzzeit steht kurz
bevor. Am kommenden Montag wird im Innenausschuss eine öffentliche
Anhörung zum Gesetz zu Einführung von Karenzzeiten für Minister und
Parlamentarische Staatssekretäre stattfinden.
LobbyControl wird an der Anhörung teilnehmen und bei dieser
Gelegenheit auf notwendige Verbesserungen drängen. LobbyControl hat
mehr als 42.000 Unterschriften für eine dreijährige Karenzzeit
gesammelt und wird diese dem Innenausschuss überreichen.
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